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Nachrichten aus Mittelerde

27. Januar 2021

Von Jens Noah

Ich habe ein langweiliges, altbackenes Hobby. Ich sammle Schweizer Münzen. Dabei hat mich mein hobbitartiges Hobby bislang noch keinen müden Rappen gekostet. Wie mache ich das?

Ganz einfach: ich schaue beim Münzgeld genauer hin als die meisten Leute und erkenne die alten Jahrgänge aus den Sechzigern und früher und tausche sie gegen neue Exemplare ein. Dabei habe ich es auf Silbermünzen abgesehen, deren Materialwert stets den Nominalwert übersteigt. Da wird es schon interessanter. Selbst beim ungünstigsten Verhältnis, beim sogenannten Fünfliber, ist der Preis des Silbers schon mehr als 75% höher als die deklarierten fünf Franken.

Aber für mich noch interessanter sind die Jahrgänge, auf die ich manchmal stoße.

1913 – 1929 – 1944: Schicksalhafte Jahre in der modernen Wirtschaftsgeschichte. 1913 wurde der Federal Reserve Act verabschiedet, um für Stabilität im Bankenwesen zu sorgen, nur 16 Jahre später platzte die erste von der Fed erzeugte Blase, weitere 15 Jahre später wurde die monetäre Nachkriegsordnung in Bretton Woods festgezurrt, weil das alte System so nicht mehr funktionierte.

Und in meinem Heimatland, im guten, alten, konservativen, soliden Deutschland?

Nach der Reichsgründung 1871 hatte die Goldmark unvorstellbar lange 43 Jahre Bestand. Danach folgten im schnellen Wechsel Papiermark, Rentenmark, Reichsmark und Deutsche Mark, bis 1999/2002 schließlich die eine Währung kam, sie zu knechten, sie alle zu finden, ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden – der Euro.

Das bedeutet also deutsche Stabilität, fünf Währungsreformen in weniger als 90 Jahren – also fünfmal legalisierte Enteignungen der Untertanen (von Ostdeutschland ganz zu schweigen).

Das Einzige, was sich mit dem Euro änderte, ist der Umfang des Spiels – der Ausgang ist leider allzu bekannt.

Auch wenn seit gut fünfzig Jahren (offensichtlich nicht vollständig) entmetallisiert, der Schweizer Franken existiert immer noch und seine silbernen Einzelgänger bringen mich doch immer wieder zum Schmunzeln und zum Nachdenken. Was auch immer folgen wird auf die Scheingeld-Druck-Orgien – unerwartet wird diese Reise für mich sicherlich nicht sein.

Gastautor

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