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Kommentar: Warum die Neoreaktion nicht funktionieren wird

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Dieser Kommentar bezieht sich auf den KRAUTZONE-Podcast Folge 41.

Nachdem in der letzten Folge des Krautzone-Podcast die Idee der „Neoreaktion“ vorgestellt wurde, komme ich nicht umhin Kritik an dieser zu üben. Dies ist insofern notwendig, da meiner Meinung nach die Neoreaktion, wie so vieles mit dem Präfix „Neo“, seine eigentliche Grundidee, die Reaktion, aufgreift und derartig verfremdet, dass es seinen Ursprungsgedanken unterminiert.

Wie im Podcast richtig beschrieben, wird ein kultureller Traditionalismus, verbunden mit einem technologischen Progressivismus angestrebt. Jedoch liegt genau dort sein Schwachpunkt, will er doch zwei völlig entgegenlaufende Richtungen miteinander vereinigen.

Rechte und technischer Fortschritt

Schon Ted Kaczynski, mag er auch umstritten sein, erkannte richtig, dass sich Konservative nicht über einen Werteverfall beklagen sollten, während sie gleichzeitig den technischen Fortschritt begrüßen. Nichtsdestotrotz ist ein nicht geringer Teil des rechten Lagers immer noch dem Irrglauben aufgesessen, konservative und rechte Werte könnten mit moderner Technik mehr oder weniger kombiniert werden (woran übrigens schon der Nationalsozialismus scheiterte).

Als Beispiel sei hier das Thema Transhumanismus generell, speziell jedoch künstliche Befruchtung, Genmanipulation sowie homosexuelle Fortpflanzung genannt. Was wie ferne Zukunft klingt ist in Wirklichkeit bereits weit fortgeschritten und wird mittel- bis langfristig auch außerhalb von Laboren angewendet werden. Wie lassen sich ein rechtes Familienbild mit Kindern vereinbaren, welche das biologische Produkt zweier Männer sind? Was wird die Antwort sein, wenn es durch genetische Veränderung tatsächlich mehr als zwei Geschlechter gibt?

Die Technik geht ihren Weg

Die Technik wird in der Zukunft diese Richtung einschlagen und niemand sollte sich der Illusion hingeben, wir könnten sie „rechts“ beeinflussen. Was möglich ist, wird entdeckt und auch angewendet. Es wird keine Vereinbarkeit traditioneller Werte mit technischem Fortschritt geben, es ist ein Nullsummenspiel: Gewinnt das Eine, verliert das Andere. Unser Gegner, die Kathedrale, kennt ihr Ziel, weiß, welche Seite ihr lieber ist.

Das rechte Lager sollte, nein muss, hierzu ein Gegengewicht, geradezu das Gegenteil darstellen. Vielleicht, und hier lehne ich mich weit aus dem Fenster, ist dies auch der Grund, warum Rechte in der Vergangenheit immer verloren haben. Was, wenn technischer Fortschritt automatisch zu einer Verschiebung der Gesellschaft nach links führt, doch Rechte dies nie erkannt bzw. nie thematisiert haben?

NRX funktioniert nicht

Ich kann nicht sagen, wie eine rechte Antwort auf diese Problematik aussehen sollte, ich kann für mich nur sagen, dass sie sich vom progressiven Zeitgeist unterscheiden sollte, denn auf kurz oder lang halte ich die Kombination, welche die Neoreaktion anstrebt nicht für möglich. Stattdessen halte ich eine kulturelle Reaktion im traditionellen Sinne und einen technischen Konservatismus, welcher das „System“ verlangsamt für eine weitaus erfolgversprechendere Alternative.

Selbstverständlich bin ich für Vorschläge offen, welche mir in meiner Ausführung widersprechen, freue mich aber auch über Stimmen, welche mir zustimmen. Auf jeden Fall wünsche ich mir eine Debatte im rechten Lager über dieses Thema, denn irgendwann wird es aktuell werden und es kann nur ein Vorteil sein, sich schon eine Position abgesteckt zu haben.

2 Comments

  1. Danke für die Stellungnahme. Interessanterweise war das auch mein erster Gedanke, als ich mir den Podcast anhörte. Es ist in der Tat eine verfahrene Situation. Vielleicht muss man sich erst einmal darüber klar werden, wo das Hauptproblem liegt: Die Kathedrale versucht ja vor allem, ihr Ziel dadurch zu erreichen, dass sie Stimmen, die ihr Vorhaben durchkreuzen wollen, mundtot machen möchte. Nehmen wir einmal an, dass Neoreaktionismus durchaus eine Alternative ist, wenn man die Möglichkeiten der Technik insofern nutzt, als dass sie eine gelungene Brücke schlägt zwischen einer vergangenen Welt und dem Ist-Zustand, der ja nicht einfach weg dividiert werden kann. Es wäre kein Problem, die Errungenschaften der Technik in diesem Sinne zu nutzen, ohne die Vergangenheit dafür zu opfern. Jedoch ist genau das nicht erwünscht. Um dies zu verhindern, wird Zensur und Löschung betrieben überall dort, wo Menschen versuchen, diese Brücke zu schlagen. Daher ist die wichtigste Aufgabe, für Meinungsfreiheit einzustehen. Aussagen wie „böse Worte führen zu bösen Taten“ (kürzlich von Politikern geäußert, um vordergründig eine Sicherung des Reichstages zu rechtfertigen, hintergründig aber dazu dienen, die Meinungsfreiheit weiter einzuschränken) müssen daher zum Beispiel öffentlich kritisiert werden. Solange Meinungsfreiheit gewährleistet ist, können Menschen, die der Vergangenheit einen Wert beimessen, friedlich mit Menschen zusammenleben, die lediglich im Hier und Jetzt existieren. Man könnte seine eigenen Werte vertreten und Traditionen pflegen, während andere dem Zeitgeist huldigen. Daher ist es die oberste Pflicht eines jeden Konservativen, für die Meinungsfreiheit zu kämpfen. Ist diese gesichert, kann man weiter parlieren.

  2. Danke für die Stellungnahme. Interessanterweise war das auch mein erster Gedanke, als ich mir den Podcast anhörte. Es ist in der Tat eine verfahrene Situation. Vielleicht muss man sich erst einmal darüber klar werden, wo das Hauptproblem liegt: Die Kathedrale versucht ja vor allem, ihr Ziel dadurch zu erreichen, dass sie Stimmen, die ihr Vorhaben durchkreuzen wollen, mundtot machen möchte. Nehmen wir einmal an, dass Neoreaktionismus durchaus eine Alternative ist, wenn man die Möglichkeiten der Technik insofern nutzt, als dass sie eine gelungene Brücke schlägt zwischen einer vergangenen Welt und dem Ist-Zustand, der ja nicht einfach weg dividiert werden kann. Es wäre kein Problem, die Errungenschaften der Technik in diesem Sinne zu nutzen, ohne die Vergangenheit dafür zu opfern. Jedoch ist genau das nicht erwünscht. Um dies zu verhindern, wird Zensur und Löschung betrieben überall dort, wo Menschen versuchen, diese Brücke zu schlagen. Daher ist die wichtigste Aufgabe, für Meinungsfreiheit einzustehen. Aussagen wie „böse Worte führen zu bösen Taten“ (kürzlich von Politikern geäußert, um vordergründig eine Sicherung des Reichstages zu rechtfertigen, hintergründig aber dazu dienen, die Meinungsfreiheit weiter einzuschränken) müssen daher zum Beispiel öffentlich kritisiert werden. Solange Meinungsfreiheit gewährleistet ist, können Menschen, die der Vergangenheit einen Wert beimessen, friedlich mit Menschen zusammenleben, die lediglich im Hier und Jetzt existieren. Man könnte seine eigenen Werte vertreten und Traditionen pflegen, während andere dem Zeitgeist huldigen. Daher ist es die oberste Pflicht eines jeden Konservativen, für die Meinungsfreiheit zu kämpfen. Ist diese gesichert, kann man weiter parlieren.

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