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Das Spiel des Lebens

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Der nachfolgende Text ist ein Auszug aus meinem in 2021 erscheinenden Buch Odin, Nietzsche und der Pfad zur linken Hand.

Wir können also trotz aller Subjektivität eine grundsätzliche Aussage treffen: Gut ist was dem Leben dient. Daraus folgt, dass schlecht ist, was dem Leben schadet. Wie wir im Verlauf des Buches noch vielfach sehen werden, ist es natürlich so, dass oftmals dem einen Leben Gutes getan wird, indem dem anderen Leben geschadet wird. Womit wir wieder tief in der Subjektivität stecken. Und jeder Mensch kann das Spiel des Lebens nur subjektiv spielen.

Du, ich und jeder andere Mensch lebt sein eigenes Leben, mit seinem individuellen Blick auf die Welt. Gleichzeitig wollen wir alle glücklich sein – und unterscheiden uns mitunter gewaltig in unseren Vorstellungen vom Glück. Das Glück des einen kann den Tod des anderen bedeuten. Gut ist, was dem Leben dient – nur wessen Leben?

Der Ursprung allen Übels

In dieses Schlamassel werden wir hineingeboren, ob wir wollen oder nicht. Aussteigen können wir theoretisch jederzeit, doch aufgrund unseres angeborenen Lebenswillens spielen die allermeisten Menschen bis zu einem unvermeidlichen Ende. Also wie richtig leben, wie das Spiel des Lebens richtig spielen?

Und warum überhaupt diese Formulierung, das Leben ist doch kein Spiel! Oder ist das vielleicht eine Frage der Perspektive? Ist das Leben nicht immer genau so wie man es sieht? Und könnte es vielleicht dem Glück zuträglich sein, das Leben nicht ganz so ernst zu nehmen? Spielst du nicht meistens am besten, wenn es eigentlich um nichts geht?

Könntest du vielleicht davon profitieren, wenn du dein Leben als Spiel sehen würdest und es vor allem aus Spielspaß spielen würdest? Wärst du dann nicht mehr im Wollen und weniger im Müssen unterwegs? Und bist du nicht glücklicher, wenn du willst statt musst?

Wer bestimmt die Regeln?

Um ein Spiel zu verstehen, muss man den Spieler verstehen. Was kann der Spieler machen und was kann ihm passieren? Wie lauten die Spielregeln und was passiert, wenn der Spieler sich nicht an die Regeln hält? Das Spiel des Lebens hat unendlich viele Regeln und dem Spieler kann unendlich viel passieren.

Gleichzeitig hast Du, Spieler, auch unendliche Möglichkeiten – insofern du sie erkennst. Deswegen dieses Buch. Jedenfalls lassen sich einige Dinge über das Spiel des Lebens mit absoluter Gewissheit sagen, und bei all der Ungewissheit da draußen macht es natürlich Sinn, wenigstens ein paar verlässliche Wahrheiten zu haben. Es ist schön, sich auf etwas verlassen zu können.

Und worauf du dich absolut verlassen kannst, ist die Tatsache, dass du dir des Spiels – deines Lebens – bewusst bist. Du bist dir zum Beispiel bewusst, dass du gerade diesen Satz hier liest. Und vor allem bist du dir selbst bewusst. Du weißt, dass Du lebst und du bist dir deines Lebens bewusst.

Du bist Du

Natürlich gibt es unendlich viel, dessen du dir nicht bewusst bist, beispielsweise die verschiedensten Abläufe in deinem Körper oder in deinem Unterbewusstsein – aber Du weißt mit absoluter Sicherheit, dass Du bist. Es gibt dich und daran kann kein Zweifel sein. Aber wer oder was bist du? Was macht dich im Kern aus? Zu sein ist ja schön und gut, aber was genau ist denn?

Du bist, das ist klar, aber was bist du? Ein Mensch mit einem Körper und Gedanken und Gefühlen, ja das stimmt wohl. Aber was macht dich essentiell aus? Deine Gedanken und Gefühle ändern sich ja die ganze Zeit und dein Körper, ja, der ist zwar irgendwie auch immer da, aber der verändert sich auch stetig. Von deiner Geburt bis zu deinem Tod verändert sich dein Körper ja ganz massiv, und von den unendlichen Veränderungen deiner Gedanken und Gefühle zwischen Geburt und Tod wollen wir gar nicht erst anfangen. Also was macht dich wirklich im Kern aus?

Wahrnehmung und Bewusstsein. Von Anfang bis Ende deines Lebens nimmst du Dinge wahr und bist dir deiner Wahrnehmungen bewusst. Wie fein deine Wahrnehmung ist und wie du sie verarbeitest, das ändert sich im Laufe des Lebens. Wie viel von Außen- und Innenwelt dir bewusst ist, auch das ändert sich im Laufe des Lebens. Doch immer ist da wahrnehmendes Bewusstsein. Körper, Gedanken, Gefühle, alles ändert sich – aber alles wird immer von dir wahrgenommen und ist dir zu einem gewissen Grad bewusst.

Dieses wahrnehmende Bewusstsein, das ist deine essentielle Natur. Körper, Gedanken und Gefühle sind überhaupt nur relevant, weil sie in deinem wahrnehmenden Bewusstsein auftreten.

Was berührt dich?

Dieser ewige Strom von Wahrnehmungen ist der Film auf der Leinwand deines Bewusstseins. Ganz offensichtlich kann dich nur tangieren, was Du wahrnimmst. Natürlich sind wir gut und kreativ darin, uns Sorgen um Dinge zu machen, die uns gar nicht direkt und unmittelbar betreffen, aber selbst diese Dinge tangieren uns nur, weil wir sie wahrgenommen haben und dadurch unsere Gedankenmaschinerie angestoßen wurde.

Unser ganzes Leben ist Wahrnehmung. Wir sind jedoch keine passiven Zuschauer, die sich einen Film des Lebens auf der Leinwand ihres Bewusstseins anschauen, sondern wir sind Spieler, die sich selbst bewusst sind und das Geschehen mit beeinflussen. Und so wie ein Videospiel auf einem Bildschirm läuft, so läuft das Spiel des Lebens auf dem Bildschirm unseres Bewusstseins.

Nur dadurch, dass wir Dinge wahrnehmen und uns dessen bewusst sind, werden die Dinge überhaupt relevant und Teil unseres Lebens. Du kennst den Spruch “Was ich nicht weiß, das macht mich nicht heiß”. Wie wir schon gesehen haben, kommt es ständig darauf an, wie wir die Dinge interpretieren und bewerten. Das tun wir in Form von Gedanken und Gefühlen.

Und auch auch diese Gedanken und Gefühle sind “Dinge” die in unserem Bewusstsein auftreten. Aus Perspektive unseres Bewusstseins sind Gefühle und Gedanken genauso “Objekte” wie physische Gegenstände. Wir wissen ja auch um die Macht der Emotionen und die Kraft der Gedanken. Wahrnehmung ist Wirklichkeit und du nimmst deine Innenwelt genauso wahr wie deine Außenwelt.

Sowohl die Außenwelt mit all ihren Gegenständen, Ereignissen und Lebewesen als auch deine Innenwelt mit all ihren Gedanken und Gefühlen wird von dir wahrgenommen und tritt so in dein Bewusstsein. Und dein Bewusstsein, das bist Du. Nicht dein Körper hat ein Bewusstsein, sondern dein Bewusstsein hat einen Körper.

Natürlich gehört beides zusammen und bildet eine Einheit, aber stell dir mal vor, deinem Körper würde etwas schlimmes passieren, doch du würdest davon nie etwas erfahren. Wäre es dann ein Problem? Oder um es noch deutlicher zu machen: Wie würdest Du lieber sterben, qualvoll bei vollem Bewusstsein oder durch sofort tödlichen Kopfschuss?

Wir gehen alle davon aus, dass beim sofort tödlichen Kopfschuss auch sofort Schluss mit Wahrnehmung und Bewusstsein ist und hätten daher lieber diesen als den qualvollen langsamen Tod. Weil wir eben genau wissen, dass es auf Wahrnehmung und Bewusstsein ankommt.

Rollenspiele

Jetzt steckt in diesem Bild des Spiel des Lebens das auf dem Bildschirm unseres Bewusstseins abläuft ja eine gewisse Distanzierung drin. Vielleicht könnte man befürchten, durch diese Sicht auf das eigene Leben sozusagen Intensität zu verlieren.

Aber wie ist das denn mit Spielen, die du auch ganz alltäglich als Spiel begreifst? Hast du nicht schon mehrfach mit großer Leidenschaft und höchster Intensität Spiele gespielt? Waren die Freude und der Nervenkitzel, die du aus dem Spiel gewonnen hast, weniger intensiv oder real weil es “nur ein Spiel” war?

Natürlich kann man so auf Spiele herabsehen – und so schauen auch viele Menschen auf das Spiel ihres eigenen Lebens herab. Willst du so leben? Oder willst du lieber Abenteuer, Nervenkitzel, Spannung und Spielspaß? Was macht dich glücklicher?

Falls du dich für Spielspaß entscheidest, lies weiter.

Das Spiel des Lebens ist ein Rollenspiel. Du kannst deinen Charakter entwickeln, Stufen aufsteigen und viele Abenteuer erleben. Du kannst dich auch in der Spielwelt verlieren, von Nebenquest zu Nebenquest wechseln, Spiele innerhalb des Spiels spielen und einfach Zeit totschlagen.

Du kannst aber dich aber auch zielstrebig vorankämpfen und alle Ablenkung ignorieren. Ganz wie du magst. Du kannst auch ganz aufhören zu spielen und den Stecker ziehen. Deine Entscheidung. Solange Du spielst, kannst du immer versuchen, alles alleine herauszufinden und keine Hilfe in Anspruch zu nehmen. Das ist oft gleichzeitig besonders spannend und frustrierend.

Du kannst dir aber auch ab und zu mal Hilfe holen, wenn Du nicht weiterkommst. Ganz wie du magst, es geht ja schließlich um deinen Spielspaß. In jedem Fall musst du allerdings deinen Charakter entwickeln und Stufen aufsteigen, sonst kommst du schnell nicht mehr weiter und verlierst den Spaß am Spiel des Lebens. Darum geht es im Rest des Buches: Selbstentwicklung, den eigenen Charakter im Spiel des Lebens aufleveln. Nicht weil du musst, sondern einfach weil es Spaß macht.

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