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Aufmerksamkeitsdiebstahl

21. März 2021

Nachfolgender Text ist ein Auszug aus Kapitel 9 von Odin, Nietzsche und der Pfad zur linken Hand.

Zu gerne geben wir Verantwortung ab und machen andere für unser Leben verantwortlich. Dieser Versuchung gilt es zu widerstehen. Selbst für etwas verantwortlich zu sein bedeutet selbst bestimmen zu können – folglich ist Eigenverantwortung Selbstbestimmung und Fremdverantwortung Fremdbestimmung.

Wenn wir also andere Menschen dafür verantwortlich machen, wie es uns ergeht, dann geben wir unsere Macht ab und ermächtigen denjenigen, den wir verantwortlich machen. Das ist eine Form von Selbstaufgabe, ein kampfloses Preisgeben der eigenen Grenzen, Konfliktvermeidung durch Unterwerfung.

Die ganz heiße Story

Wer so durchs leben geht, wird zwangsläufig immer wieder von seinen Zielen abgelenkt und von seinem Weg abgebracht. Andere Menschen werden dich mit ihren Problemen, Interessen und Anliegen davon ablenken, das zu tun, was du dir vorgenommen hast.

Das geht weit über dein direktes Umfeld hinaus, nicht nur Menschen, mit denen du in persönlichem Kontakt stehst, können dich ablenken, sondern auch Menschen, die du gar nicht persönlich wahrnimmst.

Das gilt vor allem für Politiker und Medienschaffende. Jeder Politiker und jeder Medienschaffende hat eine persönliche Agenda, so wie jeder andere Mensch auch. Politiker und Medienschaffende sind jedoch besonders auf deine Aufmerksamkeit angewiesen. Sowohl Politik als auch Medien sind nicht lebensnotwendig und werden ganz anders nachgefragt als beispielsweise Lebensmittel.

Politiker leben von Zwangsabgaben, also quasi von legalisierter Schutzgelderpressung, nicht von freiwillig gezahlten Beiträgen. Ihre „Dienstleistung“ erfährt also nicht genügend freiwillige Nachfrage, ganz anders als beispielsweise Anbieter des täglichen Bedarfs wie Supermärkte, Frisöre und so weiter.

Solche und solche

Im Bereich der Medien finden wir sowohl die per Zwangsabgaben finanzierten Anstalten des öffentlichen Raubfunks wie ARD und Co., als auch komplett freiwillig finanzierte Einzelkämpfer wie beispielsweise Boris Reitschuster oder unabhängige Magazine wie die KRAUTZONE.

Was jedoch alle gemeinsam haben, unabhängig von ihrer Finanzierung, ist die Tatsache, dass sie für Ihr Geschäftsmodell essentiell auf die Aufmerksamkeit möglichst vieler Menschen angewiesen sind. Politik und Medien arbeiten beide wesentlich mit der Aufmerksamkeit der Massen, ganz oft ja auch im Verbund, als politisch-medialer Komplex.

Das heißt, dass da draußen zahllose Menschen sind, die zwangsläufig deine Aufmerksamkeit für sich haben wollen. Das wollen andere Wirtschaftsteilnehmer natürlich auch, Supermärkte machen auch Werbung, und ich konnte dir mein Buch auch nur verkaufen, weil du darauf aufmerksam geworden bist, aber sowohl der Lebensmitteleinkauf als auch der Kauf von Büchern erfolgt freiwillig, ohne Zwang und ohne Dauerbeschallung.

Guck doch mal!

Politik und Massenmedien hingegen versuchen dauerhaft geradezu aggressiv in dein Bewusstsein zu treten. Weil sie genau wissen, dass sie kaum etwas zu bieten haben und daher nicht freiwillig ausreichend nachgefragt werden. Hier haben wir also zwei Haupttäter in Sachen Aufmerksamkeitsdiebstahl und Ablenkung.

Jede Sekunde Aufmerksamkeit, die du dir von Politik und Medien stehlen lässt, steht dir nicht zur Erreichung deiner eigenen Ziele zur Verfügung. Statt in deinem eigenen Film die Handlung voranzutreiben, wirst du zum Komparsen im Film des einen Politikers oder des anderen Journalisten.

Natürlich kann es gute Gründe geben, gezielt Informationen aus dem politisch-medialen Komplex zu recherchieren – so gehen jedoch leider die wenigsten Menschen damit um. Der Normalfall ist die oft unbewusste Aufnahme von allerlei Informationen und Reizen nebenbei.

Der Nachrichtenticker auf dem Handy, der dir ab und zu Push-Nachrichten ins Bewusstsein schießt, das Autoradio, das während der Fahrt dudelt, der Fernseher, der beim Essen läuft und so weiter. All das manipuliert dich.

Gehirnwäsche im Schleudermodus

Alle kleinen Puzzleteile aus Nachrichten, Talk Shows, Interviews und so weiter verbinden sich in dir zu einem Weltbild. Doch ist das so entstandene Weltbild wirklich deins? Anstatt auf deine eigene Stimme zu hören, hörst du auf die zahllosen Stimmen, die von außen in deinen Geist eingedrungen sind und deine Aufmerksamkeit für sich haben wollen. Wenn du dein Leben selbstbestimmt leben willst, musst du bewusst entscheiden, wem du deine Aufmerksamkeit gibst und mit wessen Problemen du dich beschäftigst.

Politik und Medien haben ihre eignen Probleme, vor allem den immerwährenden Druck, genügend Aufmerksamkeit zu bekommen. Das ist nicht dein Problem. Nicht deine Leute, nicht dein Problem. Falls einer deiner Leute Politiker oder Journalist ist, kannst du ihm ja Aufmerksamkeit geben – aber nicht all denen, die du gar nicht kennst und mit denen du in keinerlei bedeutsamer Beziehung stehst.

Deine Aufmerksamkeit gehört dir – und sie mit Menschen zu teilen, die dir etwas bedeuten, ist gut und richtig. Aber wie viele Stunden deiner Aufmerksamkeit widmest du pro Woche, Monat und Jahr wirklich deinen Leuten und wie viele Stunden irgendwelchen Fremden?

Egal wie oft du einen Politiker oder einen Journalisten oder einen Influencer schon gesehen hast, ist er einer von deinen Leuten? Gehört er zu deinem Wir? Ist er Teil deiner Gemeinschaft? Oder einfach nur ein Fremder, der seine eigene Agenda verfolgt und überhaupt keinerlei Anspruch auf deine Aufmerksamkeit hat?

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Max Reinhardt

Max Reinhardt arbeitet in Hyperborea an einem geheimen Forschungsprojekt zur Entwicklung einer Zeitmaschine, um die Geburt von Karl Marx, Karl Lauterbach und weiterer Sozialisten zu verhindern. Nebenbei schreibt und trainiert er und ruft entgegen behördlichen Anordnungen zu gemeinschaftlichen Wanderungen auf.


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