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Der Anfang

9. Mai 2021

Aus dem zweiten Kapitel von Odin, Nietzsche und der Pfad zur linken Hand

Am Anfang gab es nur Eis und Feuer. Im Norden lag das eisige Niflheim und im Süden das feurige Muspellheim. Dazwischen, da wo Feuer und Eis aufeinander trafen, da war Ginnungagap, der Urschlund in dem alles begann. Eis und Schnee schoben sich von der einen Seite in den Schlund, und Feuer und glühende Asche kamen von der anderen Seite. Da wo Hitze und Kälte zusammenkamen, da schmolz das Eis. Auch die Luft wurde mild und lebensfreundlich und so entstand im Schmelzwasser, ziemlich genau in der Mitte von allem, erstes Leben.

Das waren zunächst nur zwei Wesen: Ein Riese und eine Kuh. Der Riese nannte sich selbst Ymir, und die Kuh nannte er Audhumbla. Ob die Kuh das mit den Namen auch so sah, weiß man nicht genau. Wer weiß schon, was in so einem Kuhkopf vor sich geht. Aber eins ist klar: Kühe geben Milch. Und Audhumbla gab Milch und Ymir trank die Milch.

Es begann mit dem Riesen

Audhumbla gab so viel Milch und Ymir, der hatte ja sonst auch gar nichts zu tun, trank so viel Milch, dass er immer und immer größer wurde. Er wuchs und wuchs und nahm immer monströsere Ausmaße an. Und überhaupt war dieser erste Riese ein besonderer Riese. Er hatte nämlich beide Geschlechter zugleich und konnte daher aus sich selbst heraus Kinder zeugen und gebären.

Und das tat er! Aus seinem linken Arm gebar er einen weiblichen und einen männlichen Riesen und aus seinen Beinen einen sechsköpfigen Riesen. Das ging ja schon gut los, doch die Kuh war auch nicht untätig. Die gab nicht nur furchtbar viel Milch, sondern die leckte auch überall mit ihrer großen rauen Zunge herum. Also vor allem an den salzigen Eisblöcken, die noch nicht geschmolzen waren. Wie Kühe das eben so machen.

Und so leckte sie im Laufe von drei Tagen eine weitere Gestalt aus dem Eis. Die hatte nur einen Kopf, nicht sechs wie das eine Kind von Ymir, und auf diesem Kopf wuchsen auch hübsche Haare und überhaupt sah dieses Wesen ziemlich menschlich aus. Einen Namen hatte es auch: Buri.

Dann kam Buri

Buri war ein gut aussehender Mann, und da lag es nahe, dass sich eine von Ymirs Töchtern in ihn verliebte. Der Ymir soff ja die ganze Zeit weiter Audhumblas Milch, wusste gar nicht wohin mit all seiner Energie und gebar daher auch fortwährend weitere Kinder. Ehrlich gesagt wurde das schnell ein ziemliches Durcheinander und deswegen weiß man auch nicht mehr genau, welche Tochter Ymirs das war, die sich da in den Buri verliebte.

Aber was man genau weiß, ist folgendes: Buri und eine der Töchter Ymirs zeugten gemeinsam einen Sohn und den nannten sie Bor. Und Bor heiratete dann eine andere Riesentochter, die Bestla. Und Bestla und Bor bekamen zusammen drei Söhne und das waren Odin, Vili und Ve.

Jetzt war es ja so, dass Ymir, Audhumbla, Ymirs zahlreiche Riesenkinder, Buri, Bor, Bestla, Odin, Vili und Ve alle miteinander in Ginnungagap lebten. Da hatte alles angefangen – und etwas anderes gab es ja auch gar nicht. Die konnten ja alle nur in der Mitte leben, da wo Feuer und Eis sich gegenseitig ausglichen und Wasser und Atemluft vorhanden war.

Eine schrecklich nette Familie

Das Problem war, dass Ymir fortwährend weitere Kinder bekam, so dass es immer voller da in der Mitte von Ginnungagap wurde. Immer mehr Riesen liefen da herum, manche mit einem Kopf, manche mit sechs und manche mit irgendwas dazwischen. Klar war nur, dass es Riesen waren und dass sie sich zusehends vermehrten. Odin und seinen Brüdern gefiel das nicht. Sie erkannten, dass sie immer weiter zur Minderheit wurden, immer mehr in die Unterzahl gerieten. Das machte ihnen Sorgen.

Dazu kam auch noch, dass die ganzen Riesen um sie herum eigentlich nichts anderes machten als sich zu vermehren. Die waren nämlich nicht besonders erfinderisch und hatten – es war ja noch der Anfang von allem – praktisch nichts anderes zu tun. Das bedeutete natürlich, dass das Problem für Odin und seine Brüder nicht nur größer wurde, sondern insgesamt sogar mit immer weiter zunehmender Geschwindigkeit wuchs.

Immer mehr Riesen, die immer mehr Kinder bekamen, die dann ja immer untereinander noch viel mehr Kinder bekamen. Es musste also schnell etwas geschehen, da waren sich die Asen (so nannten sich alle Nachfahren von Bor und Bestla) einig. Odin, Vili und Ve beschlossen, das Problem bei der Wurzel zu packen: Ymir musste weg.

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Max Reinhardt

Max Reinhardt arbeitet in Hyperborea an einem geheimen Forschungsprojekt zur Entwicklung einer Zeitmaschine, um die Geburt von Karl Marx, Karl Lauterbach und weiterer Sozialisten zu verhindern. Nebenbei schreibt und trainiert er und ruft entgegen behördlichen Anordnungen zu gemeinschaftlichen Wanderungen auf.

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