Die konservative Opposition spielt in Deutschland wie im restlichen Teil der westlichen Hemisphรคre die Rolle der Kassandra: Die mythische Prinzessin Trojas wurde einst ihrer Schรถnheit wegen vom Gott Apollon mit der Gabe der Weissagung ausgestattet, da sie jedoch sein Umwerben nicht erwiderte, bestrafte er sie damit, dass niemand ihren hellseherischen Fรคhigkeiten Glauben schenken wรผrde โ so sah sie zwar den Untergang und die Eroberung Trojas durch die Griechen voraus, aber niemand nahm sie ernst. Diese Situation kommt einem als Rechten doch unangenehm vertraut vor, nicht?
Seit Jahren, gar Jahrzehnten sagen Rechte Dinge voraus, die auf taube Ohren stoรen und verlacht werden, nur um sich dann zu bewahrheiten โ auch ohne von Apoll bestraft worden zu sein. Bestes Beispiel der jรผngsten Vergangenheit ist die Corona-Zeit, in der sich fast jede โVerschwรถrungstheorieโ ein paar Wochen oder Monate spรคter zur Regierungsmaรnahme oder wissenschaftlichen Erkenntnis wandelte. Der wichtigste Kassandraruf der Rechten ist jedoch der der Migration, insbesondere der muslimischen Einwanderung. 2015 etwa wurde vorausgesagt, dass die Migranten die deutsche Wirtschaft mehr kosten als ihr nรผtzen werden โ man wurde ignoriert und hatte recht โ, ebenfalls wรผrde die Kriminalitรคt erheblich ansteigen โ und auch hier dasselbe.
Ein weiterer Kassandraruf, den bis jetzt niemand aus dem medialen und politischen Establishment fรผr voll nehmen wollte, ist die Tatsache, dass sich ein Groรteil der Muslime nicht an die deutsch-bundesrepublikanische Lebens- und Denkweise anpassen wird โ Assimilation: Fehlanzeige! Eine neue Studie des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen hat sich mit dem Weltbild von Schรผlern beschรคftigt. Pikant sind hierbei die Daten รผber muslimische Jugendliche, die die Vorstellungen eines linksliberalen Gutmenschen krรคftig vor den Kopf stoรen dรผrften.
Die Studie selbst umfasst 193 Seiten und befasst sich in Punkt 6 mit allen Formen des politischen Extremismus. Fรผr uns interessant ist jedoch Punkt 6.3: Hier wurden muslimische Schรผler รผber das Thema โIslamismusโ befragt. Die Autoren des Berichts schreiben, dass โdie Auswertungen fรผr islamistische Einstellungen […] nicht als reprรคsentativ fรผr muslimische Schรผler*innen in Niedersachsen gesehen werdenโ kรถnnen, was vielleicht der politischen Korrektheit geschuldet ist โ denn welchen Sinn soll die Studie sonst haben? Natรผrlich, man kann keiner Studie trauen, die man nicht selbst gefรคlscht hat, aber dennoch sind die Zahlen spannend, vielleicht erschreckend, aber wenig รผberraschend: 67,8 Prozent, also etwa ein Drittel, sagen, dass โdie Regeln des Korans […] mir wichtiger als die Gesetze in Deutschlandโ seien, etwas weniger als die Hรคlfte (45,1 Prozent) befรผrworten einen islamischen Gottesstaat als ideale Staatsform, und knapp mehr als die Hรคlfte (51,5 Prozent) meinen, nur der Islam sei in der Lage, โdie Probleme unserer Zeit zu lรถsenโ.
Weiterhin gaben 35,3 Prozent der befragten Schรผler an, dass sie โVerstรคndnis fรผr Gewalt gegen Menschen, die Allah oder den Propheten Mohammed beleidigenโ hรคtten, und circa ein Fรผnftel (21,2 Prozent) der muslimischen Schรผler sagen: โDie Bedrohung des Islam durch die westliche Welt rechtfertigt, dass Muslime sich mit Gewalt verteidigen.โ Es sind vor allem die Aussagen รผber die weltlichen und religiรถsen Gesetze und den Staat, der sie vertritt, die es in sich haben: Wenn zwei Drittel des muslimischen Nachwuchses die bundesrepublikanischen Gesetze nicht ernst nehmen und etwa die Hรคlfte am liebsten der sรคkularen Republik โAde, inschallah!โ sagen wรผrde, warum sollten sie die Autoritรคt einer linksliberalen, sรคkularisierten Republik wie der BRD noch ernst nehmen? Und vor allem: Was will sie dagegen machen? Zumal wir hier von einer immer grรถรer werdenden Minderheit sprechen, die irgendwann ihren Machtanspruch in die Tat umgesetzt sehen will.
Es passiert nun mal das, was Rechte seit Ewigkeiten sagen: Die hier lebenden Muslime werden zum Groรteil nicht sรคkularisiert und linksliberal, sie werden ihre islamischen Vorstellungen natรผrlich behalten und die Autoritรคt des Staates entsprechend infrage stellen. Man hat sie dafรผr verlacht und ignoriert โ und jetzt haben wir Zahlen, die das belegen, was der rechte Verstand einem schon lรคngst klarmachte. Und wir alle wissen, dass das Problem nur noch grรถรer werden wird. Doch wie soll man damit umgehen? Millionenfache Remigration?
Klar, ist ein guter Plan, ohne Zweifel, aber den kann man nur umsetzen, wenn man Macht hat โ die die Rechte nun mal nicht hat. Und bis dahin sind wir zum passiven Zusehen verdammt? Erst mal ja. Doch die Krise wird sich verschรคrfen, und daraus kรถnnte sich die Chance ergeben, auf die die rechte Opposition schon so lange wartet โ und dann kรถnnte man diesem Trend ein Ende setzen. Immerhin muss man diesen jungen Leuten zugestehen, dass sie ihren eigenen Weg abseits der linksliberalen Gedankenwelt gehen. Natรผrlich ist der Islam bedrohlich, keine Frage, aber es ist auch irgendwo befriedigend, zu sehen, dass sich ein groรer Teil der Muslime nicht dem verdorbenen Regenbogen unterwerfen will โ inwiefern sich das zu unserem Vorteil entwickelt, wird sich zeigen.
