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Der Papst ist tot und die Kirche am Scheideweg

23. April 2025
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Fรผr mich, der im vom sozialistischen Atheismus geprรคgten Mitteldeutschland aufwuchs und lebt, war Ostern in erster Linie eine Art Weihnachten mit wรคrmerem Wetter: Man hatte frei, verbrachte die Zeit mit Familie und Verwandten, und es gab โ€“ wenn auch natรผrlich im geringeren MaรŸe โ€“ Geschenke, und seien es nur die bunten Ostereier, die man zu suchen hatte. Dass hinter diesem Feiertag wesentlich mehr steckt, habe ich erst im Laufe meiner Jugend bemerkt, angefangen bei den ersten, zรถgerlichen Versuchen an der Orgel.

Dieses Jahr hatte ich schlieรŸlich viel zu tun: Neben den sechs evangelischen Gottesdiensten zwischen Karfreitag und Ostermontag spielte ich am Samstag noch ein Konzert mit einem barocken Programm, das thematisch von der Kreuzigung zur Auferstehung wanderte und ein von mir komponiertes Stรผck beinhaltete, und eine dreistรผndige katholische Osternacht nach altem Ritus โ€“ meine erste katholische Ostermesse รผberhaupt. Langeweile kam am vergangenen Wochenende jedenfalls nicht auf.ย 

ร„hnlich wie Weihnachten verkommt Ostern immer mehr zu einem weiteren Fest, an dem man eben ein โ€žverlรคngertes Wochenendeโ€œ hat. Immerhin habe ich dieses Jahr kaum ein Geheule von liberaler Seite wegen des Tanzverbots an Karfreitag vernommen, das war รคuรŸerst erfrischend. Nichts wirkt lรคcherlicher und erbรคrmlicher als die Flennerei, mal an einem einzigen Jahr nicht das tun zu dรผrfen, was man will, und sich dabei an einer Institution abzuarbeiten, die in Europa ohnehin schon seit Jahrhunderten auf dem Rรผckzug ist.

Das gesellschaftliche Leben wirkt ohne die Traditionen und Riten arm, belanglos und repetitiv, und ich selbst merke auch, im Kleinen, wie sehr einem der Rhythmus der Riten Halt geben kann. Zur Fastenzeit etwa habe ich mich auf Diรคt gesetzt: kein Zucker, nicht mehr als 1.800 Kilokalorien pro Tag und Sport. Das war zwar nicht immer leicht, aber darum geht es ja gerade, und der Lohn war es wert (erst mal zehn Kilogramm abgespeckt). Hรคtte ich das auch wann anders machen kรถnnen? Ja, natรผrlich. Aber der religiรถse Hintergrund macht es eben einfacher und sinnerfรผllter. Und ja, das Fastenbrechen an Ostern ist nichts weiter als ein Dopaminkick, aber wen jucktโ€™s? Man sollte einem die fast kindliche Freude gรถnnen (also, es sei denn, man rรผhrt sich den Kakao zum Frรผhstรผck versehentlich mit angesรคuerter Milch an, so wie ichโ€ฆ).

Doch zurรผck zu weniger profanen Themen: Am Morgen des Ostermontags verstarb Papst Franziskus im Alter von 88 Jahren. Welch Symbolkraft, dieser Zeitpunkt seines Entschlafens! Wochenlang war er krank, hielt sich teilweise nicht an รคrztliche Anordnungen, versuchte, so gut es ging, sein Amt auszuรผben, um am Ostersonntag noch den traditionellen Segen auszusprechen โ€“ und dann seine ewige Ruhe zu finden.

Doch nicht nur in dieser Hinsicht war der Todeszeitpunkt des Papstes symboltrรคchtig: Ausgerechnet am Tag der Auferstehung, dem zentralen Glaubensbestandteil des Christentums. Die katholische Kirche steht nun am Scheidepunkt: Sie kann sich, nach dem Ableben des liberalen Franziskus, nun in ihrer Tradition tatsรคchlich erneuern und ihrer Tradition zu einer Auferstehung verhelfen, oder sie kann weiter den Kurs der Profanisierung und Liberalisierung einschlagen.

Ich, als Nicht-Katholik, kann den TradCath-Bros nur wรผnschen, dass es zu einer Rรผckbesinnung kommt. Neben dem bekanntesten Kandidaten der Traditionalisten, Kardinal Robert Sarah aus Guinea, kรคme da noch der Ungar Pรฉter Erdล‘ infrage, der 2015 mit Papst Franziskus hinsichtlich der Massenmigration nach Europa aneinandergeriet, oder der US-Amerikaner Raymond Burke. Wer am Ende die Wahl des Konklave gewinnen und den Stuhl Petri besteigen wird, ist schwer vorherzusagen; bevor Jorge Mario Bergoglio zum Papst gewรคhlt wurde, zรคhlte er nicht zu den Favoriten.

Daher bleibt nur zu beten und zu hoffen, dass sich einer der Traditionalisten durchsetzen wird. Dann vermag nicht nur der Herr wahrlich auferstehen, sondern auch eventuell die katholische Kirche. Ich wรผnsche es ihr!

2 Comments Schreibe einen Kommentar

  1. So ganz unfavorisiert war Bergoglio 2013 wohl nicht. Angeblich standen seine Wahlchancen bereits im Konklave 2005 gut, was aber am damals noch relativ groรŸen EinfluรŸ des Kรถlner Kardinals Joachim MeiรŸner gescheitert sein soll. Man weiรŸ es natรผrlich nicht, aber wenn es stimmt, kรถnnen wir nur dankbar sein, daรŸ dieser Scheinpapst nicht noch acht Jahre frรผher ins Amt gekommen ist – und dann wรคre er ja auch ein rechtmรครŸiger Papst gewesen. So werden Kirchenhistoriker eines Tages sagen kรถnnen, daรŸ er das nicht war, weil es keinen Papstrรผcktritt gibt.

  2. Nach meiner Einschรคtzung war dem offiziellen deutschen Klerus selbst der liberale Franziskus nicht „progressiv“ genug. Sie werden ihren Kreuzzug fรผr Klima und Masseneinwanderung unter der Regenbogenfahne fortsetzen, egal wer da in Rom amtiert. Bรถse Zungen behaupten, der Antichrist hรคtte bereits die Fรผhrung der deutschen Amtskirchen รผbernommen.

    Wer als Glรคubiger noch an Spiritualitรคt interessiert ist, kann nur hoffen, dass sich der Pfarrer seiner Ortsgemeinde nicht nur als politischer Aktivist versteht.

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