Er taufte sich selbst „White Tiger“ – ein Deckname, der eine düstere Wahrheit im Schatten hielt. Shahriar J., ein 20-jähriger Deutsch-Iraner aus Hamburg, spielt die Hauptrolle in der finsteren Cyberterror-Show der global agierenden Gruppe „764“ – einer der übelsten Cyberverbrechen der letzten Jahre! Über 120 Straftaten beging er gegen acht Kinder zwischen 11 und 15 Jahren aus Deutschland, den USA, Kanada und Großbritannien. Ein Medizinstudent aus einer wohlhabenden Familie suchte absichtlich nach psychisch labilen Kindern in Suizid-Foren, beeinflusste einen 13-jährigen Amerikaner dazu, sich vor der Kamera das Leben zu nehmen, und brachte eine 14-jährige Kanadierin dazu, einen Selbstmordversuch zu unternehmen. Das FBI klassifiziert „764“ als terroristische Vereinigung und führt über 250 Untersuchungen in allen 55 Außenstellen – es ist zur „digitalen Bedrohung Nummer eins für Kinder“ geworden. Die Verbrechen sind so abscheulich, dass selbst erfahrene Ermittler von Abgründen sprechen, die nur schwer auszuhalten sind.
Zwei Hauptakteure nutzen nun diesen erschreckenden Vorfall, um ihre generelle Forderung nach einem Verbot von Social Media zu untermauern: Julia Becker, eine ausgebildete Verlagsmanagerin und Vorsitzende des Aufsichtsrats der Funke Mediengruppe, die ihre berufliche Reise durch Zeitungskrisen und die Erwartungen von Anteilseigenern mit der strategischen Scharfsinnigkeit einer Unternehmensberaterin und dem ethischen Kompass einer Missionarin meistert. In der eigenen „WAZ“ verkündet sie ihre digitale Prohibition mit der Überzeugungskraft einer Bekehrten.
An ihrer Seite steht Daniel Günther (CDU), ein ausgebildeter Jurist und Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, der seine politische Karriere mit der Zuverlässigkeit eines Metronoms und dem digitalen Verständnis eines analogen Weckers zwischen den Koalitionsverhandlungen in Kiel und den Parteitagen im Norden vorantreibt. Er engagiert sich ebenfalls für die Einhaltung der Altersgrenze. Es ist bemerkenswert, dass Katharina Prien, seine Mitstreiterin in der Partei, zwar eine Regulierung sozialer Netzwerke fordert, jedoch die Altersgrenze für sich selbst noch nicht wahrgenommen hat! Es ist mit hoher Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass dies noch erfolgen wird.
Doch was haben die Verbrechen einer international operierenden Verbrecherorganisation mit der gewöhnlichen Nutzung Sozialer Netzwerke durch Millionen von Jugendlichen zu tun? Etwa so viel wie ein Amoklauf mit dem allgemeinen Autoverkehr. Die Wissenschaft widerspricht ihrer Logik fundamental. Die WHO empfiehlt in ihrer HBSC-Studie mit 280.000 befragten Jugendlichen explizit Medienkompetenz statt Verbote. Die Royal Society for Public Health dokumentiert positive Effekte: Jugendliche können „ihr eigenes Ich ausdrücken“ und „Freundschaften pflegen“. Die DAK-Studie zeigt nüchterne Zahlen: Nur 2,6 Prozent der Jugendlichen sind tatsächlich süchtig.
Der Verdacht liegt nahe, dass hinter der philanthropischen Fassade knallharte Interessenpolitik steckt. Traditionelle Medien kämpfen verzweifelt um Relevanz, während Jugendliche sich längst in digitalen Welten informieren. Die elegante Lösung? Konkurrenz einfach wegregulieren.
Günther wiederum kann mit einer populistischen „Familien schützen“-Kampagne punkten, ohne einen Cent investieren zu müssen. Denn echte Medienkompetenz kostet. Man versucht es derzeit mit Cent-Artikeln aus dem Beritt der Programme „klicksafe“ oder „CyberMentor“. Deutschland investiert lieber in seine Flüchtlinge, anstatt in die deutsche Familienzukunft. Professor Rainer Thomasius bringt es treffend auf den Punkt: „Der Umgang mit sozialen Netzwerken muss erlernt werden wie das Schwimmen im Meer.“ Bildung statt Prohibition – doch das erfordert Arbeit.
Der „White Tiger“-Fall ist abscheulich und zeigt die dunkelsten Abgründe des Internets. Doch ihn für pauschale Verbotsforderungen zu instrumentalisieren, ist intellektuell unredlich und politisch opportunistisch. Es ist der Beginn einer neuen Ära der digitalen Moralpanik, in der jeder Extremfall zum Anlass für radikale „Lösungen“ wird.
Wie der Kaiser in Andersens Märchen stehen Becker und Günther nackt da, doch sie merken es nicht. In ihren vermeintlich prächtigen Gewändern des Jugendschutzes paradieren sie durch die Medienlandschaft, wollen Gesicht zeigen, Schlagzeilen produzieren, ihre politische und wirtschaftliche Relevanz unter Beweis stellen. Auf Kosten der Opfer, auf Kosten der Wissenschaft, auf Kosten von Millionen Jugendlicher, die sie pauschal unter Verdacht stellen, denen sie sogar indirekt fehlenden Intellekt unterstellen. Unsere digitalen Kaiser instrumentalisieren Trauma für Talkshow-Auftritte und Pressemitteilungen. Von solchen „Lösungen“ werden wir sicherlich noch mehr sehen.

Ich bin selbst 22, und bin schockiert über die Verharmlosung von Social Media in diesem Artikel.
“ […] Jugendliche können „ihr eigenes Ich ausdrücken“ und „Freundschaften pflegen“.“
Können ja, doch niemand macht es. Im wesentlichen wird Pornografie konsumiert und die Unauthentischsten der Unauthentischen Influencer werden verfolgt. Von diesen wiederum ist ein nicht unerheblicher Teil psychisch krank und in jedem denkbaren Sinne degeneriert (man siehe YT wie Mr. Beast o.Ä.).
„Nur 2,6 Prozent der Jugendlichen sind tatsächlich süchtig.“
Auch diese Zahl kann nicht annährend stimmen: Die meisten jungen Personen können ihr Handy nicht mal einen Tag in Ruhe lassen, und viel schlimmer ist eigentlich noch, dass sie nicht mal etwas ohne ihr Handy machen können, da ein Zwang besteht es stets mitzunehmen (zugegebener maßen trifft das auf alle Handy-nutzenden Altersgruppen zu).
Viele Jugendliche rösten mit dem viel zu positiv dargestellten Social Media jeden Tag über Stunden ihr Gehirn, ich kenne genügend die nicht in der Lage dazu wären, diesen Artikel zu lesen, zuweilen würde es sogar schon am Vokabular mangeln. Würden eben Jene Versuchen, diesen Artikel zu lesen, dann müssten sie mindestens noch 3 Videos oder anderes geöffnet haben, um sich nach wenigen Sekunden lesen abzulenken und in einem geradezu autistischem Außmaß hin und her wechseln zwischen den einzelnen Medien. Ein Teil davon ist auch einfach ein geradezu unvorstellbarer Verlust an Disziplin, nicht im Sinne dessen, dass man nicht Armee-tauglich ist, im Sinne dessen, dass leichteste, anforderungsloseste alltägliche Tätigkeiten nicht vollendet werden können.