0

Was bedeutet Trumps Grönlandpolitik für Europa?

22. Januar 2026
in 3 min lesen

Grönland, die mit Abstand größte Insel der Welt, wurde seit dem 18. Jahrhundert von dänischen Siedlern kolonialisiert und ist seitdem ein Teil des Königreichs Dänemark. Im Zuge eines wachsenden grönländischen Selbstbewusstseins erlangte die ehemalige Kolonie den Status einer eigenen autonomen Verwaltung, ohne jedoch vollständig unabhängig von Dänemark zu sein. Von strategischem Interesse für die aufstrebenden Vereinigten Staaten von Amerika wurde Grönland erstmals im Laufe des 19. Jahrhunderts, was zu mehreren Kaufangeboten seitens der Amerikaner führte. Erstmals völkerrechtlich anerkannt wurde die dänische Souveränität über Grönland von den Vereinigten Staaten im Jahre 1917 als Vertragsbedingung für den Kauf der Dänisch-Westindischen Inseln, der heutigen Amerikanischen Jungferninseln.

Nachdem Dänemark im Jahre 1940 im Zuge des Unternehmens Weserübung vom Deutschen Reich besetzt worden war, unterschrieben die Dänen einen Vertrag mit den USA, der die Versorgung Grönlands von Amerika aus zusicherte. Während des Kalten Krieges sicherten sich die Amerikaner vertraglich die Erlaubnis, Truppen in Grönland zu stationieren; 1951 bauten sie die Pituffik Space Base (bis 2023: Thule Air Base). Grund für das steigende Interesse der USA an Grönland in dieser Zeit war – und ist noch immer – die GIUK-Lücke: Der Übergang vom Atlantik zum Europäischen Nordmeer zwischen Grönland, Island und dem Vereinigten Königreich (UK), der sowohl für die von den Amerikanern geführte NATO als auch für die sowjetische beziehungsweise russische Flotte von hoher strategischer Bedeutung ist.

Unter US-Präsident Donald Trump intensivierte sich das amerikanische Interesse an Grönland. Bereits 2019, während seiner ersten Amtszeit, zog er die Übernahme der Insel durch einen Kauf in Erwägung. In seiner zweiten Amtszeit, die nun ziemlich genau ein Jahr andauert, machte er den Anspruch mit verstärkter Rhetorik und Machtdemonstration deutlich. So besuchte Vizepräsident JD Vance bereits im März 2025 Grönland. Zur eigentlichen Eskalation kam es aber erst im Januar 2026: „Länder müssen über Hoheitsgebiet verfügen, und man verteidigt dieses Hoheitsgebiet – man verteidigt keine gepachteten Gebiete. Und wir werden Grönland verteidigen müssen“, so äußerte sich Trump am 9. Januar in einem Interview mit der BBC. „Die USA werden dies ‚auf dem einfachen Weg‘ oder ‚auf dem harten Weg‘ tun.“

Die Reaktionen der Dänen wie der anderen europäischen Staaten waren entrüstet, aber machtlos – im Grunde genommen entlarvend. Denn Trump weiß, dass die Dänen nichts und die Europäer insgesamt wenig tun können, wenn er Grönland „auf dem harten Weg“ holt. Zwar entsandten einige europäische NATO-Staaten, darunter auch die Bundesrepublik, einige Dutzend Soldaten nach Grönland – zur „Erkundung“, wie es offiziell heißt –, doch sind die deutschen Truppen bereits nach zwei Tagen wieder heimgeholt worden. Ob die angedrohten Strafzölle gegen all die europäischen Staaten, die sich gegen die Annexion Grönlands durch Trump sträuben, eine Rolle gespielt haben könnten? Mittlerweile hat Trump seinen aggressiven Ton wieder zurückgefahren und einen Deal angekündigt – eine typische Trump-Strategie: eine übertriebene Forderung stellen, um dann die eigentlich gewollte, gemäßigte Vereinbarung zu bekommen.

Die Grönlandkrise offenbart wie kaum ein anderer politischer Konflikt der letzten Jahre die Schwäche Europas – nicht nur die Schwäche der einzelnen Staaten, sondern Europas insgesamt. Zwar tobt man angesichts der Dreistigkeit des US-Präsidenten, und man versucht, durch gemeinsame, starke Gesten den Amerikanern irgendwas entgegenzusetzen – darunter zählt auch die Entsendung der Soldaten –, doch wie weit wollen die europäischen Staaten am Ende wirklich gehen? Keiner von ihnen wird auch nur ein Scharmützel mit US-Truppen riskieren angesichts der Tatsache, dass China und Russland nach wie vor als Bedrohung betrachtet werden (müssen/sollen), und die USA nach wie vor der mächtigste Verbündete sind, den man hat.

Ob bei den europäischen Regierungshäuptern allmählich die Erkenntnis durchdringen wird, dass die alte, seit nunmehr 80 Jahren bestehende Weltordnung endgültig zu bröckeln begonnen hat? Dass der Mantel der Pax Americana, der das souveräne Handeln europäischer Staaten in einen Dornröschenschlaf gelegt hatte, eben jenen nun entzogen wird? Es dürfte ein hartes Erwachen sein, aber ein notwendiges – und ein erfolgreiches, wenn die richtigen Leute am Ruder säßen. Genau darin besteht aktuell die größte Gefahr: dass die Emanzipation Europas von Trumps Vereinigten Staaten eben keinen notwendigen Rechtsruck hervorrufen, sondern die momentanen Eliten Europas eher in ihrer Legitimität bestätigen wird – als ein Gegengewicht zu den „bösen“ und „autoritären“ (Quasi‑) Diktatoren Trump, Putin und Xi. Doch unter welcher Flagge auch immer – ob unter der mit den zwölf Sternen der EU-Technokraten oder der eines neuen, rechten Europas: Die Zeit der Abhängigkeit von den Amerikanern könnte bald vorbei sein. Und das sollte im Großen und Ganzen eine gute Entwicklung für uns sein.

1 Comment Schreibe einen Kommentar

  1. Hoffentlich hat Trump jetzt endlich sein Ansehen bei den europäischen Rechten verloren, schließlich war er nie ein Konservativer. Die AfD hat sich mit ihrer Trump Schleimerei mal wieder selbst geschadet, vielleicht lernen die Funktionäre dieser Partei endlich dass ausländische Machthaber wie Trump oder Putin die Interessen deutscher Konservativer nicht an erster Stelle haben. Bei JD Vance wegen des Verfassungsschutzes rumzuheulen war auch kaum an Lächerlichkeit zu überbieten, als ob dieser irgendetwas daran ändern könnte/würde. Wahrscheinlich ist die jetzige BRD Regierung sogar besser für Trump, man hat sich die Pipeline wegsprengen lassen und als Dank noch das teure LNG vom großen Bruder aus Übersee gekauft, dazu finanziert man weiterhin brav die Ukraine bis zum Endsieg. Alles Dinge im Interesse der USA, ob Trump wohl weiß dass die AfD diese Dinge nicht mitmachen würde?

Comments are closed.

ABOS

Bücher

SPIELE