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Hält die schiitische Front im Iran?

4. März 2026
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Nach den ersten Raketen, die sowohl Israel und die USA als auch der Iran aufeinander abgefeuert hatten, jubilierte die „Bild“-Zeitung mit der Schlagzeile: „Ein Krieg für die Freiheit“. Dieser Verzicht auf ein Fragezeichen könnte sich jedoch bald rächen, denn ungewiß bleibt, um wessen und um welche Freiheit es hier geht – um religiöse oder um politische. Unumstritten ist nur, daß der Iran nach dem Sturz des Schahs seit der 1979 von Ayatollah Khomeini ausgerufenen Islamischen Revolution nach den Prinzipien der Schia regiert wird. Ihr „Oberster Führer“ wird nicht vom Volk gewählt, sondern ist ein hochrangiger Rechtsgelehrter, dem als Imam die Streitkräfte, die Geheimdienste und sämtliche Schlüsselinstitutionen unterstehen.

Zum Nachfolger des 1989 gestorbenen Khomeini wählte ein sogenannter „Expertenrat“ Ali Khamenei zur höchsten religiösen und politischen Autorität. Jetzt ist er im Alter von 86 Jahren einem israelischen Anschlag zum Opfer gefallen. Ob durch seinen Tod das gesamte Mullah-Regime ins Wanken gerät, läßt sich nicht absehen. Fest steht indes, daß der amerikanisch-israelische Angriff auf den Iran völkerrechtswidrig ist, da von einer unmittelbaren Bedrohung durch Teheran keine Rede sein konnte. Mittelbar aber hat das iranische Regime ständig das Existenzrecht Israels bestritten, die Parole „Tod den USA“ ausgegeben und versucht, Atomwaffen und Langstreckenraketen zu entwickeln.

Hier soll jedoch nicht auf die aktuelle geopolitische Lage eingegangen, sondern ein Blick auf die Spaltung des Islams in Sunniten und Schiiten geworfen werden, schließlich nimmt der Iran mit 95 Prozent schiitischen Gläubigen im nahöstlichen Raum – fast 90 Prozent Sunniten – eine Sonderstellung ein. Der Begriff Schia steht verkürzt für den arabischen Ausdruck „Schi ´at Ali“ (Partei Alis). Damit ist Wikipedia zufolge die Anhängerschaft des vierten Kalifen Ali ibn Abi Talib, der von 656 bis 661 regierte, und seiner Nachkommen gemeint. Der Ausdruck Schia kam während des ersten innermuslimischen Krieges auf, der zur Zeit von Alis Kalifat stattfand, und unterschied dessen Anhänger von den Parteigängern des ermordeten dritten Kalifen, die sich gegen Ali stellten.

Schiiten betrachten Ali ibn Abi Talib, der auch Schwiegersohn und Vetter des Propheten Mohammed war, als dessen rechtmäßigen Nachfolger und verehren ihn bis heute als ihren ersten Imam. Nach schiitischem Glauben kann das Imamat somit nur von einem „Aliden“, also einem Nachfahren Alis, übernommen werden, da allein diese göttlich legitimiert sind. Sunniten hingegen sind der Ansicht, Mohammed habe keinen Nachfolger benannt; daher könne und müsse dieser gewählt werden.

Die Journalistin und Islamwissenschaftlerin Katajun Amirpur untersuchte 2015 in ihrem Buch „Der schiitische Islam“ die Rolle der Religion im damaligen Konflikt zwischen Saudi-Arabien und dem Iran. An ihrer Erkenntnis hat sich bis heute nichts geändert:

„So klar es ist, daß die aktuellen politischen Konflikte mit dem uralten religiösen Schisma zwischen Sunniten und Schiiten verbunden sind, so schwer ist dennoch zu sagen und auseinanderzuhalten, was wen beeinflußt und ausmacht beziehungsweise was das Ausschlaggebende ist: Politik oder Religion“.

Da beides fest miteinander verbunden ist, dürfte es besonders für westliche Beobachter nahezu unmöglich sein, eine halbwegs glaubwürdige Prognose für die Zukunft des Iran zu stellen. Selbst US-Präsident Donald Trump, der sich vor laufender Kamera „dem großen, stolzen Volk des Iran“ zuwandte, ließ den 90 Millionen Iranern die Entscheidung über ihr eigenes Schicksal:

„Die Stunde eurer Freiheit ist gekommen. Wenn wir fertig sind, übernehmt eure Regierung. Sie wird euch gehören. Das wird wahrscheinlich eure einzige Chance für Generationen sein.“

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