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Wahl in Baden-Württemberg

11. März 2026
in 3 min lesen

Das „Ländle“ hat gewählt: Bei einer Wahlbeteiligung von fast 70 Prozent erreichten die Grünen und die CDU etwa 30 Prozent, die AfD kam auf Platz drei mit 18,8 Prozent, und die SPD erreichte 5,5 Prozent – und damit drei bis fünf Prozentpunkte weniger, als es die meisten Prognosen vorausgesagt hatten. Zwei Parteien haben es nicht ins Parlament geschafft: Die Linke und die FDP erreichten jeweils 4,4 Prozent; für die Liberalen ist es das erste Mal, dass sie aus dem Stuttgarter Landesparlament fliegen, während die Linken hingegen noch nie eingezogen sind. Die Regierungskoalition in Baden-Württemberg aus Grünen und Union wird somit fortgesetzt, auch wenn die Frage, ob nun Manuel Hagel von der CDU oder der Grüne Cem Özdemir (im Deutschen „Tschem Ötsdemir“ ausgesprochen) der neue Ministerpräsident wird, noch nicht geklärt ist.

Wie lässt sich dieses Ergebnis nun erklären? Und was bedeutet es für die AfD? Zuallererst muss festgehalten werden, dass die AfD ihr bis jetzt stärkstes Ergebnis in einer westdeutschen Landtagswahl hingelegt hat. Nur in Hessen, wo im Oktober 2023 gewählt wurde, konnte sie auch über 18 Prozent erreichen, die Stimmanteile in den beiden Wahlen unterscheiden sich um lediglich 0,4 Prozentpunkte. Das mag den einen oder anderen auf den ersten Blick enttäuschen – da wären bestimmt auch über 20 Prozent drin gewesen –, aber man darf nicht vergessen, dass knapp ein Fünftel der Wählerstimmen noch das Niveau in den neuen Bundesländern vor wenigen Jahren war. Es tut sich also was in Westdeutschland, auch wenn das vielen noch zu langsam erscheint. Dann wäre da noch der Umstand, dass Wahlkampf und -kampagnen doch etwas bringen. Das hat sich leider nicht bei der AfD bemerkbar gemacht, sondern bei den Grünen: Die standen noch vor wenigen Wochen bei etwas über 20 Prozent. Ihre Aufholjagd erklärt sich aus drei möglichen Gründen: Erstens, wie schon erwähnt, durch den intensiven Wahlkampf, zweitens durch die Sympathie, die ihr Spitzenkandidat Özdemir in der Bevölkerung – oder besser gesagt: in der grünen Wählerklientel der besseren Viertel von Stuttgart, Freiburg und Heidelberg – trägt, und drittens durch das Versagen und die Gesichtslosigkeit der SPD.

Tatsächlich verloren die Sozialdemokraten ihre Wählerstimmen vor allem an die Grünen: Rund 100.000 zogen von der SPD zur „Klimaschutzpartei“; weiterhin wechselten ehemalige SPD-Wähler in geringerem Ausmaß zu CDU und AfD. Ähnlich ging es der FDP: 145.000 Wähler gingen zur CDU, 65.000 zur AfD und ein geringer Teil zur Union. Somit erklärt sich das schlechte Abschneiden von SPD und FDP: Man wechselte zu einer vielversprechenderen Alternative, die leider nur zu einem kleineren Teil die AfD war. Die Wahl war durch eine hohe Mobilisierung der Nichtwähler geprägt, wobei die meisten durch die AfD erreicht wurden – 190.000 gaben ihre Stimme der AfD, 135.000 der CDU.

Doch wer wählte im „Ländle“ überhaupt die AfD? Immerhin, ein Direktmandat holte sie sich; im Wahlkreis Mannheim I konnte sie, obwohl sie in den Zweitstimmen nur auf Platz zwei kam, die meisten Erststimmen auf sich vereinen. Mannheim I ist zwar heterogen, aber im Gegensatz zum südlich gelegenen Wahlkreis Mannheim II, der an die Grünen ging, auch durch Industrie, Arbeiterschaft sowie soziale Brennpunkte geprägt. Generell ist in Mannheim der Ausländeranteil hoch, die Stadt selbst an vielen Ecken nicht schön – man könnte meinen, es sei eine „gottlose Kanakenstadt“. Apropos: Pforzheim, das von der Generation-Deutschland-Beisitzerin Julia Gehrckens als ebensolche bezeichnet wurde, war der einzige Wahlkreis, in dem die AfD in den Zweitstimmen stärkste Kraft wurde – anscheinend wurde hier ein wunder Punkt getroffen?

Der alte weiße Mann scheint übrigens kein allzu großer „Rassist“ zu sein: Gerade einmal neun Prozent der über 70-Jährigen wählten die AfD. Den höchsten Stimmanteil hatte sie leider auch nicht unter der Jugend, denn bei den 16- bis 24-Jährigen reüssierte vor allem die grüne Partei – eine verpasste Chance für die AfD! Die meisten AfD-Wähler waren unter denjenigen Altersgruppen, die „mitten im Leben“ stehen, also beruflich tätig sind und das Land mit ihren Steuern am Laufen halten oder/und sich Sorgen um ihre wirtschaftliche Zukunft machen: Bei den Leuten zwischen 25 und 59 Jahren war die AfD konstant mit über 20 Prozent vertreten, von den 34- bis 44-jährigen Wählern war es knapp jeder Fünfte – Bundesdurchschnitt. Berufstätigkeit ist ein wichtiger Faktor: 37 Prozent (!) der „Arbeiter“ (leider verrät uns die „Tagesschau“-Netzseite nicht, wer genau mit dem Begriff gemeint ist) in Baden-Württemberg wählten AfD, unter den Angestellten und Selbstständigen sind es circa 20 Prozent. Von denjenigen, die ihre finanzielle Lage als schlecht bewerteten, wählten 41 Prozent blau.

Es hätte alles besser laufen können, aber immerhin war es auch keine herbe Enttäuschung wie noch bei der Landtagswahl 2021. Im Vergleich dazu hat sich die AfD fast verdoppelt. Und die Wahl zeigt auch einen Trend auf, der sich bereits in Hessen 2023 und bei der Bundestagswahl 2025 abzeichnete: Die AfD ist längst keine ostdeutsche Partei mehr. Ein schöner Trend!

3 Comments Schreibe einen Kommentar

  1. Danke für den Artikel. Eine libertäre Alternative zur konservativen AfD scheint es flächendeckend – zumindest noch – nicht zu geben, wie das weite Fehlen des Bündnis Deutschland zeigt; verzweifelt halten knapp viereinhalb Prozent an (ausgerechnet!) der „F“DP fest. Aber was dem Schluss-Satz hinzuzufügen ist: die „Werte“ (welche?) -Union ist mit Meuthen an der Spitze, ohne BD als Wettbewerber und einer in einem Formtief befindlichen AfD gaaanz tot, bevor sie tzu leben begann…

    • Tja, mit Meuthen als lahmes Zugpferd kam die WerteUnion nicht weit, und ihre latente Anti-Alternative-Haltung (da sind wohl noch einige persönliche Rechnungen offen) samt feuchten Traum vom Premiumpartner von dem man sich grad erst getrennt hat verbessert die Glaubwürdigkeit nicht gerade.
      Die Südwest-Alternative hat sich hingegen mit ihrem Zauderkurs ebenfalls um viele Stimmen gebracht, den einen war sie zu russlandfreundlich, den anderen schon wieder zu Alt-BRDisch amerikahörig. Dazu noch die unrühmliche Unterstützung von Schwarz-Grün beim Gotham-Kauf und ein Mangel von markanten Kandidaten – dabei gab es derer genug, hätte man sie nicht auf Geheiss der Spitze reihenweise vertrieben, und interessierte Unterstützer mit ihnen gleich mit.
      Gab noch so einige weitere potentiell interessante Parteien – aber deren Wahlergebnisse decken sich mit deren Präsenz in den letzten Jahren, da gammeln selbst die eigenen Webseiten mit z.T. monatelang veralteten oderund unvollständigen Inhalten herum.

  2. Tja, Manuel Hagel oder Cem Özdemir. Würde sagen das ist gefischt wie geangelt. Aber offenbar sind rund 60 Prozent der Wähler mit der… na sagen wir mal ARBEIT von Grün/Schwarz zufrieden.
    Warum?
    Tja, darüber kann man spekulieren. Man kann auch fragen, warum die Ukrainer Selenskyi gewählt haben? Kannten sie sein politisches Programm oder haben sie ihn gewählt, weil er in dieser Fernsehserie den Präsidenten so gut gespielt hat?
    Kennen die Wähler in der BRD die Pläne der Grünen oder fanden sie Özdemirs REIN ZUFÄLLIG im Wahlkampf stattfindende Hochzeit einfach so schön?
    Kennen sie die Pläne der CDU (was auch immer die sein mögen, denn die ändern sich ja gerne mal je nachdem man sich zeitlich vor oder nach der Wahl befindet)?

    Ganz ehrlich: Sollen die doch „Demokratie“ spielen; ich mache demnächst ein paar Tage Pause davon. Am Freitag fange ich an, einen neuen Roman zu schreiben und gönne mir so eine schöne Politikpause 🙂

    Die ist gerade nach dem Theater in BW dringend nötig; wenn die Masse der Wähler trotz allem weiter die Parteien wählt die für so ziemlich alle Probleme im Land verantwortlich sind, fragt man sich, in was für Traumwelten die Wähler eigentlich leben?

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