Anfang des Jahres gründete das studentische Aktivistenkollektiv Aktion 451 eine neue Gruppe in Frankfurt am Main. Ziel war es, der linken Hegemonie an der dortigen Universität etwas entgegenzusetzen, was auf erwartbar wenig Gegenliebe stieß: Schon nach dem ersten Treffen dort kam es zu einem Antifa-Angriff, der für ein Mitglied beim Notarzt endete.
Auch in der AfD Hessen bekam man Wind davon. Statt einer Solidarisierung folgten jedoch die Abmahnung eines Generation-Deutschland(GD)-Mitglieds, weil es daran teilgenommen hatte, ein Rundschreiben, in dem man GD-Mitgliedern Konsequenzen für den Besuch des zweiten Treffens der 451-Gruppe androhte, und eine peinliche Medientour: „Jetzt kann sich niemand mehr herausreden, nicht zu wissen, was das ist!“, so Co-Chef Robert Lambrou zur dpa.
Eine „Tarnorganisation der IB“ ist Aktion 451 laut Rundbrief nämlich (liegt KRAUTZONE vor). Mal davon abgesehen, dass diese Formulierung direkt aus einem Antifa-Flyer stammen könnte und die IB, deren einziges Verbrechen es war, so erfolgreich zu sein, dass sie einige Jahre im Brennglas des Medien-Furors verbrachte, wie eine Terrorvereinigung klingen lässt, ist das sachlich falsch. Wie in jeder größeren rechten Gruppe gibt es dort natürlich IB-Leute. Die IB war schließlich nach 2015 zentraler Anlaufpunkt für alle, die sich aktivistisch engagieren wollten. Genauso gibt es dort aber Burschenschaftler, vom Uni-Mainstream entfremdete Studenten und eben auch AfDler.
Wollte man den zehn Jahre alten Meuthen-Unvereinbarkeitsbeschluss in dieser Totalität durchsetzen, müsste man AfDlern die Zusammenarbeit mit jeder Vorfeldorganisation verbieten, die IBler nicht aktiv ausschließt – also die meisten rechten Aktivisten, die schon länger aktiv sind. Übrig blieben CDU-nahe Denkfabriken wie Republik21, die sich die Verbiegung der AfD offen zum Ziel gesetzt haben.
Das der Parteijugend zu verkaufen, wäre keine dankbare Aufgabe, das wissen auch die hessischen Chefs Robert Lambrou und Andreas Lichert. Stattdessen schlagen sie im Rundbrief vor:
„Wir verfügen inzwischen über so viele engagierte Mitglieder, dass wir solche Formate aus eigener Kraft heraus organisieren können. (…)
Der Landesvorstand ruft daher dazu auf, sich in der GD Hessen einzubringen und dort eigene Projekte zu entwickeln – etwa konservative Buchbesprechungen an Universitäten, im Umfeld von Universitäten oder in anderen geeigneten Formaten.“
Auf diese „anderen geeigneten Formate“ wird es wohl hinauslaufen. Denn dass die Generation Deutschland, noch dazu unter diesem Landesregiment, künftig offensive Raumnahme an Hochschulen betreiben wird, wie Aktion 451 sie seit Jahren perfektioniert hat, wird eine beschwichtigende Fabel bleiben, während stattdessen eine Handvoll GD-Leute in einem AfD-Büro über ein Buch reden oder so.
In den Augen der hessischen Führung scheint der Zweck der Generation Deutschland darin zu bestehen, langfristig das Vorfeld zu ersetzen. Parteiorganisationen können das nicht: Was sie tun, fällt direkt auf die AfD zurück, was ihnen Offensive und Provokation, also das für die Eroberung neuen Raums notwendige Spiel mit der Grauzone im Overtonfenster, erschwert. Sie erreichen nie die Dynamik und Spontanität der Unabhängigen, die Aktionen nicht Wochen im Voraus absegnen lassen müssen, sondern bei plötzlichen Gelegenheiten noch am selben Tag im Gruppenchat organisieren können.
Andererseits haben sie Geldmittel und Strukturen, die beispielsweise Großveranstaltungen ermöglichen. Sie sind ein grundlegend anderes Werkzeug. Und du kannst den Bagger nicht durch doppelt so viele Fliesenleger ersetzen, damit die Baustelle sauberer bleibt. Es muss erst jemand ordentlich im Dreck rumwühlen, bevor die blaue Keramik auf den Estrich kommt.
Um das zu erreichen, „lösen“ Lambrou und Lichert nun ein Imageproblem, das gar nicht bestand: Der einzige Mainstreamartikel, der die Teilnahme des GD-Mitglieds am ersten 451-Treffen in Frankfurt vor der Distanzierung problematisiert hatte, stammte von der „taz“. Nun frohlockt der gesamte Mainstream darüber, dass das Kollektiv zum Abschuss freigegeben wurde: „Aktion 451: Wenn die AfD junge Mitglieder vor der Identitären Bewegung warnt“, titelt Axel Springers „FCK AfD“-Beauftragter Frederik Schindler in der „Welt“, „Zu rechts für die AfD? Was es mit der Aktion 451 in Hessen auf sich hat“ die „Frankfurter Rundschau“.
Die Kernproblematik zeigt sich im gesamten Landesverband. Größere Figuren wie MdB Uwe Schulz vertreten offen einen CDU-Annäherungskurs und sprechen von „Welt TV“-Lieblingen wie CDU-Mitglied Manuel Ostermann wie von Gleichgesinnten: „Die Polizei hat gewählt und die Richtung stimmt endlich. (…) Er ist genau der richtige Mann für diese stürmischen Zeiten. Es ist Zeit für echte Veränderung!“, kommentierte er dessen Aufstieg zum Vorsitzenden der Polizeigewerkschaft.
Diese „echte Veränderung in die richtige Richtung“ soll von jemandem kommen, der Schritte auf uns zu allein deshalb fordert, um die AfD verhindern oder einhegen zu können: „Warum will ich die Brandmauer weghaben? Weil ich persönlich gar nicht so viel Interesse daran habe, dass eine Partei wie die AfD hier überhaupt Regierungsfähigkeit erlangt. Die Brandmauer sorgt aber dafür“, sagte er letzten Herbst in einem Interview, in dem er zu dem (richtigen) Schluss kommt, dass die Brandmauer die AfD stärkt und gleichzeitig grundsätzlichere Strömungen in der Partei begünstigt.
Aktion 451 ruft derweil alle AfD-Politiker, die die Zusammenarbeit zwischen Partei und Vorfeld nicht von der hessischen Spitze beschädigen lassen wollen, dazu auf, sich bei ihr zu melden – über ihre Website (Q10), X/Twitter oder Telegram.

