Alkohol? Aber gerne!

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Ich wurde gefragt ob ich Alkohol trinke. Tue ich – wenn es mir gut tut. Wie kann Alkohol einem gut tun und was bedeutet gut tun überhaupt? Alkohol lockert und entspannt und deswegen trinken Menschen ihn. Natürlich gibt es auch Menschen, die süchtig, sprich alkoholkrank, sind und nicht zur Lockerung und Entspannung, sondern zum Funktionieren trinken.

Doch das soll hier nicht das Thema sein. Lass uns sagen, dass der positive Aspekt von Alkohol seine lockernde Wirkung ist, und dass damit oft eine Verstärkung der bestehenden Stimmung einhergeht. Das Lockern ist immer auch ein Lockern der Selbstkontrolle, was es bestehenden Gefühlen und Stimmungen leichter macht, das Bewusstsein zu dominieren. Alkohol enthemmt – schön bei guter Stimmung, schlecht bei schlechter Stimmung.

Weil es gut tut

Das bringt uns jetzt zum Thema “gut tun”. Wenn ich Alkohol mit der Folge trinke, dass gute Stimmung noch besser wird, dann ist das gut – unter der Voraussetzung, dass der Alkoholkonsum in Maßen bleibt und seine negativen Aspekte nicht die Überhand gewinnen. Dieses Maß zu halten geht mit der bereits angesprochenen Selbstkontrolle einher.

Da eben diese mit zunehmendem Pegel schwächer wird, wird es umso schwerer, das Maß zu halten, desto mehr man trinkt. Jeder kennt das – und die mitunter schmerzhaften Folgen. Der negative Aspekt des Alkohols ist der Kontrollverlust, als Ergebnis von zu viel Lockerung und Enthemmung. Die Menge macht das Gift.

Und umso größer die innere Anspannung ist, desto größer die Versuchung, ihr mit immer mehr Alkohol zu entkommen. Deswegen ist so wichtig, nur im Kontext von guter Stimmung zu trinken – sonst konditioniert sich der Trinker darauf, mit Alkohol seine Sorgen und Probleme zu betäuben anstatt sie in Angriff zu nehmen.

Da ich, wie so viele Menschen, in der normopathischen deutschen Gesellschaft zu trinken gelernt habe, bevor ich gut zu leben gelernt habe, habe ich in der Vergangenheit oft viel zu viel getrunken. Mit zunehmender Selbsterkenntnis ist das Thema für mich mittlerweile jedoch ziemlich unproblematisch.

Trinke, aber bitte richtig

Beispielsweise habe ich gestern Abend mit einem alten Freund zusammen ordentlich Osborne getrunken – ganz ohne heute ein schlechtes Gewissen zu haben, trotz leichtem Kater. Warum? Weil der Abend schön war und ich mir selbst vertraue – ich weiss, dass ich den gelegentlichen Rausch gut verkrafte und ihn mir aufgrund allgemein guter Lebensführung erlauben kann.

Ich habe heute morgen trotz leichtem Kater an meinem Buch weitergearbeitet und danach Frühsport gemacht. Und ich esse heute wie immer gesunde Lebensmittel und behandle mich insgesamt gut.

Und das ist die entscheidende Frage beim Thema Alkohol: Trinkst du als Ausdruck deiner Selbstfürsorge, weil du weisst, dass dir ein entspannter Abend oder eine Feier aktuell gut tun wird, oder trinkst du, um etwas in dir zu betäuben und dich vor dir selbst zu verstecken? Auf diesen Unterschied kommt es an.

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