Die Coen-Brรผder gehรถren heute zu wichtigsten Regisseuren Hollywoods. Von Kritikern und Publikum gleichermaรen gefeiert, haben einige ihrer Filme mittlerweile Kultstatus erreicht. Zeit, sich das starke Debรผt โBlood Simpleโ noch einmal anzuschauen. Bereits 12 Jahre vor dem ganz groรen Durchbruch mit โFargoโ erschienen, zรคhlt der Film noch immer zu den eindrucksvollsten Werken der zwei Brรผder.
Wir befinden uns irgendwo in der tiefsten texanischen Provinz, wo alle Klischees, die man als Auslรคnder รผber das amerikanische Hinterland hat, noch lebendig sind. Im Mittelpunkt des Geschehens stehen eine zwielichtige, leicht abgehalfterte Bar und die skurrilen Figuren, die sie bevรถlkern. Da ist einmal Abby, die toughe Frau des Barbesitzers, die, von ihrem stumpfsinnigen Mann gelangweilt, eine Affรคre mit dem Angestellten Ray eingeht. Abbys Mann Julian Marty wittert Verdacht und setzt den Privatdetektiv Loren Visser auf die beiden Turteltรคubchen an. Visser ist das schmierig-chauvinistische Klischee eines geldgierigen Texaners, ausgestattet mit Cowboyhut, Bierbauch und breitestem Hinterwรคldlerdialekt. Als er Martys Vorahnung bestรคtigt, beauftragt dieser Visser mit der Ermordung der beiden. Der gerissene Visser stattet Marty und Abby daraufhin einen Besuch ab, begnรผgt sich allerdings mit Abbys Revolver und einem Foto des schlafendes Pรคrchens, das er anschlieรend fรคlscht und Marty als Beweisfoto fรผr seinen angeblich ausgefรผhrten Mord รผberreicht. Nachdem dieser anschlieรend das Kopfgeld von 10.000 Dollar aus dem Tresor holt, wird er von Visser erschossen. Als Ray wenig spรคter die Bar betritt, um die Kasse auszurรคumen, findet er die blutverschmierte Leiche samt Abbys Revolver und schlieรt daraus, dass sie ihren Mann umgebracht hat. Um seine Abby zu schรผtzen, schleppt er die Leiche in seinen Wagen und sรคubert den Tatort. Auf der Fahrt zu einem geeigneten Versteck stellt Ray schlieรlich fest, dass die vermeintliche Leiche noch deutliche Lebenszeichen von sich gibt, was ihn aber nicht von seinem Plan der Spurenbeseitigung abbringt. Rays fรคlschliche Vermutung Abby habe Marty umgebracht, wird nicht das einzige Missverstรคndnis dieses fintenreichen Debutfilms bleiben, mit dem sich die Coen-Brรผder in den 80er Jahren auf einen Schlag in die Riege der wichtigsten, zeitgenรถssischen amerikanischen Regisseure katapultiert haben.
Das Drehbuch ist so geschickt konstruiert, dass am Ende praktisch jeder Blut an seinen Hรคnden kleben hat. Das liebe Geld macht aus einer einfachen Romanze ein Verwirrspiel um Mord, Totschlag und Verzweiflung, so bald der schnรถde Mammon ins Spiel kommt, werden moralische Grundsรคtze รผber Bord geworfen und es wird geklaut, betrogen und gemordet was das Zeug hรคlt. Wohl selten hat es einen so stilsicheren und bis ins kleinste Detail perfekt inszenierten Debรผtfilm gegeben wie Blood Simple. Alle Rezepte mit denen Ethan und Joel Coen spรคter berรผhmt wurden, sind hier bereits vorhanden: Skurrile Typen, eine befremdliche, dรผstere Atmosphรคre, karge, eindringliche Bilder und natรผrlich Frances McDormand, die Frau von Joel Coen. Mit Blood Simple haben sich die Coens bereits 1984, mit ihrem ersten Kinofilm, ein Denkmal gesetzt, das es problemlos mit ihren bereits zu Klassikern gewordenen Streifen No country for Old Man oder The big Lebowski aufnehmen kann. Selten hat ein Film mit so geringen Mitteln eine solch starke Wirkung entfalten kรถnnen. Mit eindringlichen, blutdurchtrรคnkten Bildern wird der Zuschauer in ein karges Sรผdstaatenbiotop entfรผhrt, dessen dรผsterer Pessimismus in jeder Szene greifbar ist. Am Ende weiร man ob all der Tragik nicht mehr, ob man eigentlich lachen oder weinen soll. Auf jeden Fall wurde man knapp 100 Minuten bestens unterhalten.
Krautiger Fakt am Rande: Joel Coen schrieb seine Diplomarbeit รผber Ludwig Wittgenstein, der wiederum ein Groรcousin von Friedrich August von Hayek, einem unserer libertรคren Lieblinge, war โ so schlieรt sich der Kreis zur Krautzone!
Krautnote: 8.5

