Der Deutsche Rechtsstaat ist am Ende. Sinnbildlich fรผr das komplette Versagen von Behรถrden und Rechtssystem steht ein Mordfall aus dem Jahr 2018, der vor kurzem vor Gericht verhandelt wurde. Hannes Plenge arbeitet sich an der Chronologie des institutionellen Scheiterns ab und nimmt dabei Bezug auf einen Artikel in der taz, der auf erschreckende Weise zeigt, wes Geistes Kind deren Autoren sind.
April 2018. Es ist auรergewรถhnlich warm diesen Monat. Der Deutsche Wetterdienst wird spรคter vom wรคrmsten April seit Beginn der kontinuierlichen Wetteraufzeichnungen 1881 sprechen. Direkt neben dem prunkvollen Kurhaus mit seiner eindrucksvollen steinernen Fassade befindet sich der Wiesbadener Kurpark. Angelegt als englischer Landschaftsgarten, durchdrungen von historischen Denkmรคlern und prachtvoll angelegten Blumenbeeten, bildet der Park die grรผne Oase in der schicken Residenzstadt, die den Zweiten Weltkrieg vergleichsweise gut รผberstanden hat. Im Kurpark fรผhlt man sich zurรผckversetzt in eine Zeit, in der Deutschland von einem ungeheuren Aufstiegswillen getragen wurde und die Zukunft golden schimmerte. Ein funktionierender moralischer Kompass leitete das Volk auf seinem scheinbar unaufhaltsamen Weg nach oben.
Um die Luft jenes Zeitalters zu atmen, entschied sich der 22-jรคhrige Simon* (Name von der Redaktion geรคndert) im April 2018 dazu, einen Umweg durch dieses eindrucksvolle รberbleibsel aus einer groรen Epoche europรคischer Geistesgeschichte zu nehmen. Dieser Umweg sollte dem jungen Mann zum Verhรคngnis werden, allerdings hatte er weitaus mehr Glรผck als ein noch deutlich jรผngeres Mรคdchen, fรผr das eine abendliche Begegnung noch weitaus schlimmere, nรคmlich tรถdliche Folgen haben sollte. Das schmale Band, dass beide auf schicksalhafte Weise verbindet, ist Ali B., ein angeblich 22-jรคhriger Iraker, auf den zuerst der junge Mann im Park und spรคter auch das Mรคdchen treffen sollte.
Simon wird von Ali B. hinterrรผcks รผberfallen und ausgeraubt, bedroht mit einem Messer, wie so viele, die mittlerweile mit diesem neuen Accessoire moderner Einwanderungskultur Bekanntschaft machen durften. Doch er hat Glรผck im Unglรผck. Als Ali B. versucht ihm die Schuhe und die Hose runterzureiรen, gelingt ihm die Flucht. Andernfalls hรคtte er womรถglich das Schicksal des spรคteren Mordopfers erleiden mรผssen. Ali B. hatte an besagtem, lauen Frรผhlingsabend noch die Mรถglichkeit mit seinen mittlerweile erworbenen Deutschkenntnissen zu glรคnzen. โIch fick Deutschlandโ und โIch fick die Polizeiโ waren die Worte an sein Opfer.
Der Antagonismus zwischen altem und neuem Deutschland kรถnnte wohl kaum besser verdeutlicht werden als durch diesen noch nicht so langen hier lebenden Parasiten, der seinem Wirt, dem Tropf an dem er hรคngt, seine Verachtung entgegenbringt. Deutschland muss leiden, damit seine Peiniger leben kรถnnen. Bezeichnenderweise wird ein Gutachten spรคter feststellen, dass Alis Lebensstil als โausbeuterisch-parasitรคrโ zu bezeichnen sei. โEr habe keinerlei Interessen, die รผber sein eigenes Wohlergehen hinausreichenโ, heiรt es in der taz. Er sei โegozentrisch, manipulativ und empathielosโ.
Ein bezeichnender Artikel in der taz rollt den Fall noch einmal auf: Ali B. hat im Irak fรผnf Jahre die Schule besucht, wurde zweimal nicht versetzt und ist in seinem Leben noch nie irgendeiner Form der geregelten Arbeit nachgegangen. Trotzdem hat er bereits ein ungefรคhres Bild von Deutschland, bevor sich seine Familie in dieses Land der unbegrenzten Alimentierung aufmacht. Nรคmlich, dass man dort ohne Probleme Sex und Drogen bekommen kรถnne. Von Frauen hat er sogar noch eine genauere Vorstellung: kochen, putzen, gehorchen. Die taz meint dazu: โWomรถglich sei das Ausdruck einer, auch in Deutschlandโ verankerten, ,patriarchalischenโ und ,autoritรคren mรคnnlichen Gesellschaftโ.โ Eines von Alis Hobbys ist das Durchforsten sozialer Netzwerke nach Frauen, um diese anschlieรend, sofern sie keine Jungfrauen mehr sind, als โHurenโ zu beschimpfen. Weitere Hobbys sind das Bespucken von Polizisten und gelegentliche Schlรคgereien. Verfahren wurden eingeleitet, aber dem humanistischen deutschen Rechtssystem sei Dank wurde Ali stets wieder freigelassen. Einen Monat vor Alis Parkausflug inklusive rhythmischer Eigentumsรผbertragung vergewaltigt er ein elfjรคhriges (!) Mรคdchen im Asylbewerberheim Wiesbaden-Erbenheim. Natรผrlich hat Ali nichts zu befรผrchten. Die taz schreibt: โDie Polizei findet damals keine belastbaren Hinweise. Offenbar weil es zu viele Mรคnner mit dem Namen Ali gibt.โ
Nach Deutschland gekommen ist Ali im Jahr 2015, als man hierzulande beschloss, sich vollends von Regeln und Gesetzen zu verabschieden. Moral ist an die Stelle von sprรถden Paragraphen und Vorgaben getreten. Dass den Millionen Neubรผrgern die deutsche Vorstellung von Moral ziemlich fremd ist, sie grรถรtenteils sogar abgelehnt wird, spielt dabei keine Rolle. Menschen muss geholfen werden. Punkt. Keine Diskussion. In dieser Gemengelage machen sich Ali und sein neunkรถpfiger Anhang auf den Weg nach Deutschland. 13.000 Euro zahlen sie fรผr ihre โFluchtโ. Vor Krieg und Gewalt flieht die Familie nicht, vielmehr geben sie ihr einfaches, aber behรผtetes Leben auf, um dem Ruf des Geldes und der Einladung Merkels zu folgen. Was der taz dazu einfรคllt? โWer will es ihnen verdenken?โ Die โFluchtโ nimmt der Geschichtenerzรคhler der taz zudem zum Anlass seine eigenen, traumatischen Erlebnisse auf einem privaten Rettungsschiff und in den Lagern auf Lesbos ausschweifend zu schildern. โAus der Ferne wirkte es wie eine Zeltstadt am Rande eines groรen Rockfestivals, aus der Nรคhe wie einer der Hรถllenkreise aus Dantes Infernoโ. โSogar kleine Kinder versuchen, sich umzubringen. Ritzen, Waschmittel essen, solche Dinge.โ Das Ganze soll an die Moral, an tiefste menschliche Gefรผhle beim Leser appellieren. Wie kรถnnen wir โ wie kannst DU so etwas zulassen?
Der Mord durch Ali B.? Der rรผckt angesichts solcher Schrecken ins Hintertreffen. Was ist schon eine tote 14-jรคhrige Deutsche gegen verzweifelte Flรผchtlingskinder, die ihr Leben mit Waschmittel zu beenden versuchen? Bezeichnenderweise wird der Mord an dem Mรคdchen kaum detailliert beschrieben. Was hรคtte man doch fรผr ein aufwรผhlendes Drama aus dieser Geschichte machen kรถnnen: Die verzweifelten Schreie des Mรคdchens, die brutale Vergewaltigung, das Blut, der Horror, die Schreie. In Todesangst muss das Mรคdchen seinem Peiniger in die Augen gesehen haben, wรคhrend er seine Hรคnde um ihren Hals legte und immer fester zudrรผckte. Ihr kurzes Leben wird sie womรถglich vor Augen gehabt haben, ihre Familie, ihren Vater und Ihre Mutter, die sie รผber alles geliebt hat. Das alles ausgelรถscht in den schmutzigen Hรคnden eines irakischen Verbrechers, der niemals hรคtte deutschen Boden betreten dรผrfen. Sein Opfer, das sein ganzes Leben noch vor sich gehabt hรคtte, wurde von Ali B. anschlieรend wie ein alter Sack Mรผll zwischen der Autobahn und den Bahngleisen verscharrt. Das alles interessiert den Journalisten der taz allerdings nicht sonderlich. Nรผchternheit ist angesagt, denn โin einem funktionierenden Rechtsstaat ist der Gerichtsprozess ein Vorgang der Zivilisierung. Wenn nicht des Tรคters, so doch der Debatte.โ Zu seinem Erfreuen verstumme wรคhrend des Prozessbeginns nun endlich auch โdas giftige Geblubber in den digitalen Kloaken.โ
Dass zu einem Rechtsstaat auch ein Staat und die ihn konstituierenden Grenzen gehรถren, findet keine Erwรคhnung. Dass Ali B. in einem funktionierenden Rechtsstaat:
1. Nie einen Fuร in das Land hรคtte setzen dรผrfen und
2. spรคtestens nach der ersten Schlรคgerei im Knast sitzen mรผsste und
3. allerspรคtestens nach dem physischen Widerstand und der Zurschaustellung vรถlliger Respektlosigkeit (โhat eine Polizistin bespuckt und geschlagenโ) gegen die Reprรคsentanten jenes Rechtsstaates dauerhaft im Knast des Gast- oder seines Heimatlandes schmoren wรผrde, verschweigt der Autor. Vielmehr ergรคnzt er seine Schauermรคrchen von menschenunwรผrdigen Flรผchtlingslagern noch um gebildete Algerier, die mit ihm โ โin sauberem Deutschโ โ รผber Hรถlderlin diskutieren wollten.
Ali B. hatte seine Hรถlderlinlektรผre anscheinend schon beendet als er Susanna โ um die junge 14-jรคhrige, deren Fall letztes Jahr fรผr kurze Zeit ein gewisses Medienecho auf sich ziehen konnte, geht es in diesem Artikel nรคmlich โ erst brutal vergewaltigte und ihrem Leben anschlieรend ein grausames Ende setzte. Heute leidet er darunter, im Gefรคngnis nicht genug Zigaretten zu bekommen und keinen Fernseher zu besitzen. Zumindest um letzteres Problem hat sich die ach so menschliche deutsche Justiz bereits gekรผmmert. In einem Rechtsstaat mรผssen schlieรlich gewisse Standards eingehalten werden. Alles andere wรคre unzumutbar.
Was die taz indes nur am Rande erwรคhnt, was aber umso mehr รผber das Umfeld des Tรคters und somit auch รผber die seit 2015 eingewanderte Mischpoke aussagt, ist das, was nach der Tat noch passierte. So wurde eine Fanseite Gleichgesinnter gegrรผndet, auf der zum Mord an der โjรผdischen Schlampeโ gratuliert wurde. In der Clique des Mรถrders wusste man bereits von dem Mord als die Polizei noch nach der verscharrten Leiche suchte. Zu dem gleichen Zeitpunkt also, als die Mutter noch in Gebeten vertieft hoffte, ihre Tochter am nรคchsten Tage wieder in den Armen halten zu kรถnnen. Zu diesem Zeitpunkt lachte man in der Clique schon รผber dieses bestialische Verbrechen. Gleichzeitig floh die Familie von Ali B. geschlossen zurรผck in den Irak, dorthin, von wo sie vor drei Jahren unter so widrigen Umstรคnden โgeflรผchtetโ war. Dass ihr Sohn ein verachtenswertes, triebgesteuertes Tier ist, war den Familienangehรถrigen vollkommen gleich. Dass all diese Puzzleteile daraufhin deuten kรถnnten, dass ein Groรteil dieser Menschen niemals in unserer Gesellschaft Fuร fassen wird, nein gar nicht Fuร fassen kann, davon verliert der Autor kein Sterbenswรถrtchen. Ali B. sei einfach ein โArschlochโ und โselbst die rigideste und unmenschlichste Asylpolitik wird manche Fรคlle niemals verhindern kรถnnen. Wer dergleichen in Aussicht stellt, der lรผgt.โ
Solchen Menschen wie dem taz-Autor kann man nicht helfen, man kann mit solchen Menschen auch nicht diskutieren. Es kรถnnte tausende Susannas geben, aber in jedem Fall hรคtten wir es aus seiner Sicht einfach nur mit โArschlรถchernโ zu tun. Selbst wenn die Zahl an Arschlรถchern in der einen Gruppe das Hundertfache an Arschlรถchern der anderen betrรผge โ wir MรSSEN diesen Menschen angeblich helfen. Koste es was es wolle. Mรถglicherweise sogar unser eigenes Leben. โEs soll in Deutschland Schutz bekommen, wer Schutz braucht, subsidiรคr oder permanent. Es soll, wer hier sein Glรผck versuchen will, hier sein Glรผck versuchen dรผrfen. Nicht nur als ,Fachkrรคfteโ. Sondern als Menschโ.
Menschen wie Ali B. kรถnnen so viel auf Deutschland spucken wie sie mรถchten, sie kรถnnen Deutschland ficken โ und das ist in diesem Falle bitte wรถrtlich zu nehmen โ so oft und so hart sie mรถchten. Ein ugandischer Flรผchtling aus dem besagten Flรผchtlingslager auf Lesbos fasst dieses Denken dankenswerterweise fรผr den taz-Autor zusammen: โIhr kรถnnt nicht alle aufnehmen, oder? Wir sind zu viele. Aber was wollt ihr mache? Uns ertrinken lassen?โ Die Moral steht immer am Ende jeder Diskussion und keine Fakten der Welt werden je eine Chance gegen die Auffassung von Menschen wie dem taz-Redakteur haben. Schlieรlich geht es um Menschlichkeit. Selbst wenn alle deutschen Mรคdchen zu Susannas geworden sind, wenn jedes Schwimmbad, jede Schule und jeder Fuรballplatz zur No-Go-Area fรผr Deutsche geworden ist โ Wir mรผssen die andere Backe hinhalten. Immer. Den Kampf um deren Moral wird ein rationaler Mensch nie gewinnen kรถnnen.
Zum taz-Artikel: https://taz.de/Iraker-wegen-Mordes-vor-Gericht/!5603846/

