Aus vielfach gegebenem Anlass mรถchte ich im Folgenden versuchen, einige Missverstรคndnisse zu beseitigen, die mir in der Kommunikation mit Etatisten immer wieder auffallen. Nichts davon ist neu, es ist lediglich der Versuch, Spaltung zu รผberwinden und Gesprรคchsbereitschaft (wieder) herzustellen.
Zunรคchst macht es Sinn, zu definieren, was ich mit Etatismus meine. Ich meine damit schlicht und einfach den Glauben, dass die Existenz eines territorialen Monopolisten auf Entscheidungen legitim wรคre. Ein Etatist ist also jemand, der den gegenwรคrtig existierenden Staat als grundsรคtzlich legitim empfindet. Und dieser Staat ist eine Institution, die auf ihrem Territorium das Monopol auf endgรผltige Entscheidungen hat – inklusive in Fragestellungen oder Konflikten, in die sie selbst verwickelt ist.
So wird man abgezockt
Ein einfaches konkretes Beispiel fรผr dieses Monopol aus meinem eigenen Leben: Ich habe einen Grundsteuerbescheid erhalten, in dem die Grundsteuer um 53 % erhรถht wird. Teil dieses Steuerbescheids ist auch die Rechtsbehelfsbelehrung, in man mir mitteilt, dass ich gegen diesen Steuerbescheid beim Verwaltungsgericht Einspruch erheben kann. Das tat ich. Daraufhin bekam ich eine Kostenrechnung รผber 105 โฌ fรผr eben diesen Einspruch. Auch diese Kostenrechnung enthรคlt eine Rechtsbehelfsbelehrung – nun ist der Einspruch gegenรผber eben dem Verwaltungsgericht zu erheben, dass รผber meinen ersten Einspruch entscheiden soll und mir dafรผr die Kostenrechnung gestellt hat. Beklagter und Richter sind also identisch. Wie wird diese Entscheidung wohl ausgehen?
Legal oder legitim?
Das ist natรผrlich nur ein ganz kleines banales Beispiel – zeigt jedoch deutlich, was das Problem ist. Das ist alles legal, aber eben nicht legitim. Genau so wie die Konzentrationslager der Nationalsozialisten und die Gulags der Kommunisten legal aber nicht legitim waren. Wenn eine Institution, der Staat, das territoriale Monopol auf das Machen und Auslegen der Regeln (Legislative und Judikative) und auf das Durchsetzen der Regeln (Gewaltmonopol) hat, dann kann er auf seinem Territorium machen was er will. Und dann kรถnnen auch Gulag- und KZ-Wรคrter gesetzestreue Bรผrger und Widerstandskรคmpfer wie Stauffenberg zu verurteilende Outlaws sein.
Steuerempfรคnger kennen keine Gewaltenteilung
Etatisten wenden hier typischerweise ein, dass es doch die Gewaltenteilung gibt und diese uns alle vor der Tyrannei des Staates schรผtzt. Alle Gewalten werden jedoch durch ihre Finanzierung geeint – Steuern. Selbstverstรคndlich treffen Richter auch mal Entscheidungen, die den ein oder anderen Beamten รคrgern und bestimmt gibt es gelegentlich Gerichtsurteile, die einen Konflikt zwischen Finanzamt und Steuerzahler zu Gunsten des Steuerzahlers entscheiden. Das muss auch so sein, denn wer wรผrde den ganzen Zirkus sonst glauben? Am Ende des Tages eint jedoch alle Staatsbediensteten und Berufspolitiker ein gemeinsames Interesse: Dass der Staat Steuern festsetzen, einziehen und somit ihre Gehรคlter zahlen kann.
Steuern sind Raub?!
Eins der groรen Missverstรคndnisse zwischen Etatisten und Libertรคren betrift genau diesen Punkt, die Steuern. Wenn ich sage, dass Steuern Raub sind, dann denken scheinbar viele Leute, dass ich mit dieser Aussage den รถffentlichen Dienst, das Gemeinwesen, soziale Einrichtungen usw. ablehnen wรผrde. Das tue ich nicht. Steuern sind Raub, weil sie unter Zwang gezahlt werden. Wรผrde gleiches Recht fรผr alle gelten und gรคbe es keine Unterscheidung zwischen privatem und รถffentlichem Recht, wรคren Steuern Erpressung. Entweder du zahlst, oder du wirst eingesperrt. Etatisten haben dann immer zig Argumente warum es doch nicht anders gehen wรผrde und รผbersehen eine ganz banale Tatsache: Es gibt fundamentale Unterschiede zwischen Steuern, Gebรผhren und Beitrรคgen.
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Steuern zahlt man unter Zwang und sind legaler Raub bzw. legale Erpressung.
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Gebรผhren zahlt man fรผr Dienstleistungen des รถffentlichen Dienstes, die direkt der Gebรผhr zugeordnet werden kรถnnen.
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Beitrรคge zahlt man, um Kollektive zu unterhalten, beispielsweise ein Vereins- oder Clubbeitrag – und warum nicht einen Gemeindebeitrag?
Steuern zahlt man zwangsweise unter Androhung von Strafe, Gebรผhren zahlt man, weil man eine bestimmte Dienstleistung in Anspruch nimmt, Beitrรคge zahlt man, weil man einen bestimmten Kollektiv angehรถrt und auf die Allmende dieses Kollektivs zugreifen mรถchte.
Die Erkenntnis, dass Steuern Raub bzw. Erpressung sind, widerspricht in keinster Weise einem รถffentlichen Dienst, einem Gemeinwesen, oder sonstiger Allmende – sie widerspricht lediglich der zwangsweisen Art und Weise der Finanzierung.
Der politische Spiegel
Ein weiteres groรes Missverstรคndnis scheint mir die Annahme zu sein, dass ich fรผr das (angenommene) spiegelbildliche Gegenteil von dem sein muss, das ich ablehne. Also der Glaube, dass jemand, der sich beispielsweise gegen Kommunismus ausspricht, damit automatisch „rechts“ ist. Die Denke ist dann ist schlicht und einfach: Kommunismus ist sehr links, somit sind Gegner des Kommunismus automatisch rechts. Die Grรผnen sind links, somit sind Gegner der Grรผnen rechts. Und so weiter.
Die Welt ist kompliziert und der Wunsch nach der derart einfachen Orientierungssystemen ist nachvollziehbar, aber leider fรผhrt dieses Denken nur in Polarisierung und Spaltung. Und wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte. Und das ist der Staat. Wenn Links und Rechts sich streiten, freut sich der Steuerstaat – denn Geld stinkt nicht, egal ob es von AfD-Wรคhlern, Antifanten, Bรผrgerlichen, Sozen, oder sonst wem verdient wurde. Der wahre Antagonismus besteht zwischen Steuerproduzenten und Steuerkonsumenten, zwischen Wirten und Parasiten, nicht zwischen „Links“ und „Rechts“.
Erpressung ist Erpressung
Der ganze alltagspolitische Zirkus ist lediglich Ablenkung von dieser banalen Tatsache und jede im Rahmen unserer „reprรคsentativen Demokratie“ abgegebene Stimme ist eine Ja-Stimme, die das bestehende System legitimiert. Ob man dann am Ende von einer AfD-gefรผhrten oder Grรผnen-gefรผhrten Rรคuberbande ausgeraubt, erpresst und betrogen wird, ist doch letztlich egal.
Alle politischen Streitereien im Rahmen des bestehenden Systems sind lediglich Konflikte darum, wer als nรคchstes die oben genannten Monopole fรผr seine Zwecke nutzen darf. Wenn ich als Anarchokapitalist etwas gegen linksgrรผnen Sozialismus sage, dann spreche ich mich damit nicht fรผr die AfD aus. Ich werde nie meine Zustimmung dazu geben, beraubt und erpresst zu werden, egal wie sich die Rรคuber nennen und verkleiden.
All das und noch viel mehr wurde bereits von wesentlich klรผgeren Menschen viel besser ausgearbeitet – das bringt nur alles nichts, wenn wir alle in unseren Lagern bleiben und wir nur mit Leuten sprechen, die eh schon denken, was wir denken.
Wenn es irgendwann mal besser werden soll, dann geht das nur dadurch, stoisch, ruhig und gelassen, Aufklรคrungsarbeit zu leisten. Und trotz aller tรคglichen Ungerechtigkeit, Dummheit und Sinnlosigkeit nicht den Kopf hรคngen zu lassen und immer damit weiterzumachen, weiter zu machen. Das geht natรผrlich insbesondere an alle libertรคren Content-Schaffenden. Niemals aufgeben. Sich niemals vom Ressentiment gegenรผber dem Etatismus und der menschlichen Schwรคche unterkriegen lassen. Weiter machen.
