Ich hรคtte nie gedacht, dass ich jemals so etwas mache. Natรผrlich, ich habe schon davon gehรถrt. Jeder hat schon davon gehรถrt. Was soll ich sagen – es dann selber zu machen, das ist dann schon eine andere Hausnummer! Eigentlich ist das ja nicht meine Art, aber mir blieb nichts anderes รผbrig. Wirklich! Wenn ich es Dir erklรคrt habe, wirst Du es verstehen!
Ich musste es einfach tun! Die Nackte war nur ein Kรถder. Ich brauche deine Aufmerksamkeit. Bevor Du jetzt wutschnaubend unsere Seite schlieรt oder womรถglich gleich dein Abo kรผndigst, warte bitte einen Moment und lies weiter! Ich weiss, das war nicht die feine englische Art, aber so lรคuft das eben in der Aufmerksamkeitsรถkonomie. Entweder Nazis oder Nackedeis. So schwer fiel uns von der KRAUTZONE die Entscheidung dann allerdings nicht.
Aber nun einmal von vorne, worum geht es eigentlich? Rechtsextreme wollen Boden und Land, titelte FAZ-Online am 29.07.2020. Quintessenz des Artikels: Die Sicherheitsbehรถrden sorgen sich, da Rechtsextreme auf dem Land Immobilien erwerben um dort ideologische Schulungszentren, Veranstaltungsorte, Kampfsportzentren u.รค. zu errichten. Die rechte Bedrohung, mal wieder. Auf den ersten Blick ist es Clickbait vom allerfeinsten. So weit, so bekannt. Oder? Nein, so einfach ist es nicht. Hinter Artikeln wie dem von FAZ-Online steckt mehr.
Rechtsextreme. Landidylle. Hรคuser. Machtergreifung. Gefahr. Das ganze dann martialisch bebildet mit fahnenschwenkenden Ronnys inmitten einer Formation Bereitschaftspolizisten. 146 Immobilien seien bereits in rechtsextremer Hand. 146! Das sind nicht einmal zehn Objekte pro Bundesland. Und dabei kann es sich ja um alles handeln: Die verfallene Scheune aus einer Erbmasse oder ein mit Stolperdraht und Tretminen gesicherter Bunker nebst Radiostation. Darรผber gibt der Artikel natรผrlich keine Auskunft.
Wer sind die denn die Rechtsextremen? Sind es Nationalsozialisten? NPD-Wรคhler? Reichsbรผrger? Bin ich schon rechtsextrem, wenn ich Xavier Naidoo hรถre? Gleicht sich das ganze vielleicht aus, wenn ich Naidoo scheiรe finde, aber dafรผr ein Abo bei der KRAUTZONE habe? Laut Apothekenblatt schlรคgt der Eva-Braun-Detektor ja schon bei kleinen Mรคdchen mit geflochtenen Zรถpfen an, was macht dann der weiรe Heteromann, der unter erblichem Haarausfall leidet? Moment, sagte ich erblich? Oh nein, natรผrlich! Es sind die Gene… Spaร beiseite, wer rechts ist und wer nicht, das entscheidest nicht Du oder deine Einstellung zu Politik, Staat und Gesellschaft. Wer rechts ist, das bestimmen andere.
Linksextreme Rechtsextremismusexperten wie Natascha Strobl zum Beispiel. Was haben die Staatsmedien aufgeheult, als sie im Zuge der Causa Bohnert eins auf die Nase bekamen. Aber tรคusch dich nicht! Aktionen wie diese sind eigentlich nur dazu da um zu sehen, wie weit man gehen kann. Die nรคchsten Verdรคchtigungen werden nicht lange auf sich warten lassen. Die Bundeswehr hat es in den letzten Wochen und Monaten hart abbekommen, demnรคchst sind es dann vielleicht extrem rechte Magazine. Fassen wir also zusammen: Frรผher war alles besser, da hatten alle Rechten eine Glatze. Heute ist es schwieriger, denn Rechte tragen jetzt Undercut und Krawatte. Lรคngst sind sie in der Mitte der Gesellschaft angekommen! Manche dienen ihrem Land (sehr verdรคchtig), viele von ihnen lesen (sehr gefรคhrlich), einige schreiben (Anm. der Red.: die Besten bei uns!). รberhaupt sind Rechtsextremisten in ihrer Erscheinung so fluide, da ist es eigentlich ungeheuerlich, dass sie noch keine eingetragene Minderheit sind.
Verzeihung, ich schweife ab! Zurรผck zum Artikel: Rechtsextreme kaufen also Immobilien. Sie machen Gebrauch von der gesetzlich garantierten Vertragsfreiheit. Vertrรคge abzuschlieรen sollte in einem demokratischen Rechtsstaat so normal sein wie Atmen, aber genau das ist es ja! Normalitรคt – das macht die Rechten so gefรคhrlich! Anders als Linksextreme besetzen sie nicht einfach fremdes Eigentum, um dann von dort aus Terroranschlรคge gegen Personen, Einrichtungen und Infrastruktur durchzufรผhren – nein, sie schlieรen vรถllig legal Vertrรคge ab. Rechte provozieren einfach wo sie kรถnnen…
Und hier kommen wir dann zum Kern des besagten FAZ-Artikels: โNicht immer gelinge es, rechtzeitig Informationen รผber geplante Kรคufe zu bekommen, sagt Stรผbgen. โEs ist aber auch Aufgabe der Gesellschaft, der Wirtschaftsverbรคnde und der Kreditinstitute, einen genauen Blick auf die Kรคufer von Immobilien zu haben. Es darf da nicht lรคnger weggeschaut werden.โ Laut des sรคchsischen Verfassungsschutzes reichen die aktuellen Gesetze nicht, um effektiv gegen Rechtsextreme und ihre Kรคufe vorzugehen, da diese meist als Einzelpersonen handeln und nicht in etablierten Strukturen. โDie Sicherheitsbehรถrden kรถnnen den Extremismus des 21. Jahrhunderts nicht mit Gesetzen aus dem 20. Jahrhundert bekรคmpfen. Das rechtliche Dรผrfen und das technische Kรถnnen mรผssen mit der allgemeinen Entwicklung Schritt halten.โ“
Salamitaktik. Scheibchen fรผr Scheibchen. Denkt man das, was da in diesem unscheinbaren Artikel fabuliert wird mal weiter, dann sind wir ganz schnell im neuen Totalitarismus. Wer sein Maul nicht hรคlt, wer Kritik รผbt, ja vielleicht nur einen Witz reiรt, dem wird das Konto gesperrt, der Vertrag gekรผndigt, dem droht ganz einfach die Vernichtung seiner wirtschaftlichen und damit sozialen Existenz. Das alles klingt surreal, denn Konten und Vertrรคge sind heute so selbstverstรคndlich, so fรผrchterlich banal und langweilig, dass wir uns รผber sie keine Gedanken machen. Aber jetzt versuch mal ohne Konto deine Miete zu zahlen. Erklรคr mal deiner Frau, dass der Kaufvertrag fรผr eure Traumimmobilie geplatzt ist, weil Du plรถtzlich ein Rechtsextremer bist. Und wenn wir heute von Konten reden, wer sagt uns, dass es morgen nicht schon um unsere Kinder geht. Und was ist dann รผbermorgen?
Das sind alles schwere Fragen und schwere Gedanken. In der Redaktion, so hab ich zumindest gehรถrt, beginnt langsam aber sicher die Suche nach Rรคumlichkeiten. Hannes Plenge schlug einen Bunker vor, Florian Mรผller war fรผr eine Hรผtte. Friedrich Fechter versuchte zu vermitteln und brachte eine Burg ins Gesprรคch. Irgendwann kam uns die Idee, dass wir die Redaktionsrรคume einer der vielen dahinsiechenden MSM-Hรคuser okkupieren sollten. Feierlicher Einzug mit Fahnen und Trommeln, anschlieรend rituelle Sรคuberung durch einen orthodoxen Priester. Oder gleich ein eigenes Hochhaus? Der KraZ-Tower! Wie gesagt, die Debatte lรคuft noch. Vielleicht suchen wir uns am Ende auch einfach was auf dem Land.
