Rundfunkfinanzierungsstaatsvertrag, Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten, Landesmedienanstalten, Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich, Rundfunkstaatsvertrag, Rundfunkbeitragsstaatsvertrag, Rundfunkรคnderungsstaatsvertrag, Rundfunkabgabe, Rundfunkgebรผhrenbeautragte, ARD ZDF Deutschlandradio Beitragsservice, 8,1 Milliarden Euroโฆ
โฆTagesschau, Faktenfinder, Patrick Gensing. Nach eigenen Angaben โals Jugendlicher Antifa mรครig unterwegsโ gewesen, selbsternannter Fakenews und Rechtsextremismus Experte, stieร er doch bei Amtsantritt auf ein Wissensdefizit seiner Mitarbeiter in diesen Bereichen, und das, obwohl er seit Jahren selbst nicht mehr auf diesem Gebiet โgeforschtโ habe. Doch das habe nun ein Ende. Munter und frรถhlich und gut bezahlt, hat er es sich zum Ziel gesetzt, den Kampf gegen sogenannte Falschnachrichten auf eine neue Ebene zu fรผhren. Seine Strategie kรถnnte einfacher nicht sein: Man nehme real existierende Zahlen, behaupte, diese wรผrden den wahren Kern einer Interpretation legitimieren, und nun gelte es, sie in den โrichtigen Kontextโ einzubetten. All das natรผrlich nur, um zu zeigen, dass nackte Zahlen keine Aussagekraft hรคtten. Glauben Sie nicht? Lesen Sie nach.
Ich muss gestehen, diese Herangehensweise รผbt eine gewisse Faszination aus. Sie ist so simpel gestrickt, dass man sich ihr kaum entziehen kann. Und im Grunde ist sie die Basis all dessen, was Journalismus ist: Man nehme Zahlen und interpretiere sie. Der Trick, den Herr Gensing hier jedoch anwendet, lรคsst einen aufmerksamen Menschen ob der darin verborgenen Dreistigkeit erschaudern. Ok, dass in รถffentlich-rechtlichen Medien das Thema Framing nicht unbedeutend ist, hat mittlerweile wohl fast jeder mitbekommen. Hier jedoch findet ein Meta-Framing statt. Man kleidet nicht nur den Inhalt in passende Worte und Phrasen, nein, man erfindet gleich eine Zauberformel fรผr die ganze Kategorie: Faktenfinder. Frei nach dem Motto: Doppelt geframed hรคlt besser.
Faktenfinder, was soll das sein, wenn man Fakten nimmt, also nackte, ziemlich gut bewiesene Zahlen, sie aus einem Interpretationsgebรคude herausreisst und in ein anderes packt anstatt die Zahlen selbst zu analysieren, wie es einem intelligenten Menschen gut zu Gesicht stรผnde? Vom Saulus zum Paulus? Von der Verschwรถrungstheorie zur selbsterklรคrten alleingรผltigen Wahrheit?
Die Arroganz dessen, was hier am stillen Schreibtisch dieses Journalisten und Buchautors und Bloggers und Preistrรคgers dubioser Institutionen passiert, stimmt nachdenklich. Vor allem stimmt es nachdenklich, wenn man anderen Zahlen einmal das gleiche Recht zuspricht und fรผr sich sprechen lรคsst: 10 Jahre Rundfunkbeitrag summieren sich auf grob 2.000 Euro. Keine immense Summe, aber ich รผberlasse es Ihrer Fantasie, in welchen Kontext Sie diese Zahl einbetten. Es ist IHR Geld, und ob Sie damit eine Urlaubsreise machen, eine Anzahlung fรผr ein neues Auto leisten, Ihrer Frau etwas Schรถnes kaufen, eine lange fรคllige Renovierung in Angriff nehmen, das Geld wirklich Hilfsbedรผrftigen spenden, es unter dem Kopfkissen verwahren, verbrennen (ach, das darf man ja gar nicht, hatte ich fast vergessen, denn Bargeld ist ja Staatseigentum) oder dem Herrn Gensing und der Finanzierung von Rundfunkfinanzierungsstaatsvertrรคgen, Kommissionen zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten, Landesmedienanstalten, Kommissionen zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich, Rundfunkstaatsvertrรคgen, Rundfunkรคnderungsstaatsvertrรคgen, Rundfunkabgaben, Rundfunkgebรผhrenbeautragten, ARD ZDF Deutschlandradio Beitragsservices in den nimmersatten Rachen schieben, wรผrde ich Ihnen gerne selbst รผberlassen. Nur sind mir da leider, genau wie Ihnen, die Hรคnde gebunden.
Aber lassen wir uns nicht entmutigen, immerhin kรถnnen wir den Herrn und alle anderen Beteiligten insofern abstrafen, als dass wir sie einfach ignorieren. Und irgendwie habe ich das Gefรผhl, dass man sie durch Nichtbeachtung in ihrer narzisstischen Selbstwahrnehmung eher trifft, als wenn man ihnen die finanzielle Unterstรผtzung entzieht und sich dadurch strafbar macht. Denn sonst hรคtte das doppelte Framing ebenfalls wieder gewonnen: โDu willst nicht fรผr mich bezahlen, obwohl Du musst? Setzen, sechs, nรคchste Instanz Gerichtsvollzieherโ. Diese Schadenfreude wollen wir unseren Meinungs-Diktatรถrchen ganz sicher nicht gรถnnen. Und vielleicht findet sich doch eines Tages ein gnรคdiger Richter, der das erkennt und dem Spuk ein Ende setzt.
Alptraum over. Zurรผck zu den Fakten.

