Der Name Kader Loth dรผrfte einigen noch aus diversen einschlรคgigen Reality-TV-Formaten bekannt sein. Die tรผrkischstรคmmige Berlinerin ist eine Vertrerin der im weitesten Sinne fernsehschaffenden Z-Prominenz, eine der Frauen, deren mediale Prรคsenz proportional zu ihrem kรถrperlichen Verfall abnimmt und bei der die Zuschauer nie genau nachvollziehen konnten, was sie, abseits einer fragwรผrdigen, lasziven Optik und aggressivem Make-up, รผberhaupt dazu qualifiziert in einiger Regelmรครigkeit รผber die Bildschirme der Republik flimmern zu dรผrfen.
Auf einem Gala-Empfang wurde sie vor einigen Jahren von einem Klatschreporter mit der Legitimationsfrage konfrontiert. Sie sei ja weder Schauspielerin, noch Model, noch Sรคngerin, noch Moderatorin, wรคre aber dennoch auf jedem roten Teppich anzutreffen. Kaders Antwort: Sie sei einfach da! Die Tatsache allein reiche aus, es brรคuchte keinen speziellen Grund.โ
In der Prรคambel des โGlobal Compact on Migrationโ von 2018, umgangssprachlich auch bekannt als UN-Migrationspakt, liest man unter Punkt 8 folgendes: โMigration war schon immer Teil der Menschheitsgeschichte, und wir erkennen an, dass sie in unserer globalisierten Welt eine Quelle des Wohlstands, der Innovation und der nachhaltigen Entwicklung darstellt und dass diese positiven Auswirkungen durch eine besser gesteuerte Migrationspolitik optimiert werden kรถnnen.โ
Migration, gemeint ist die Einwanderung in westliche Staaten, wird also als eine auschlieรlich positiv zu deutende Quelle des Wohlstands festgeschrieben und den folgenden Optimierungsversuchen unverhandelbar zu Grunde gelegt.
Die Staatsbรผrger des Ziellandes, natรผrlich unfรคhig die Komplexitรคt dieser Dynamik jemals erfassen zu kรถnnen, haben diese Tatsache, im Vertrauen auf die Kompetenz und Rechtschaffenheit der damit betrauten Experten, zur Kenntnis zu nehmen. Migration als ein weiterer Baustein im Tempel der Alternativlosigkeit.
Was also haben Kader Loth und ein Migrationspakt, der Migration zum grรถรten Geschenk der Menschheitsgeschichte erklรคrt, gemeinsam? Nach beiden hat keiner gefragt und trotzdem sind sie da! Die reine Existenz reicht als Legitimation vollkommen aus.
Einen anderen Weg beschritt man bei unserer wohlmeinenden, allseits beliebten und vielfach geschรคtzten EU-Kommission. Im stillen Kรคmmerlein wurden Antworten auf die drรคngenden Probleme des Asylsystems gesucht und ein Neustart der europรคischen Asylpolitik in Form eines โNew Pact on Migration and Asylumโ vorbereitet, der am 23.9.2020 vorgestellt wurde. So weit, so vorhersehbar.
Neu daran war, dass die Erarbeitung dieses EU-weiten Migrationspaktes, fรผr den Ende Juli ein Fahrplan verรถffentlicht wurde, tatsรคchlich eine fast einen Monat wรคhrende Feedbackrunde beinhaltete. Vom 30. Juli bis zum 27. August 2020 hatten rund 450 Millionen EU-Bรผrger die einmalige Chance ihren Senf dazuzugeben.
Dumm nur, dass keiner etwas davon mitbekam. Bis zum Abend des 24.8. kamen gerade einmal 156 mitunter haarstrรคubende von Refugee-Rights- und Pro-Asyl-NGOs verfasste Kommentare zusammen. Erst als einige wenige Kanรคle der alternativen Medien auf die Mรถglichkeit des Feedbacks aufmerksam machten, kam Bewegung in die Angelegenheit. Innerhalb von zwei Tagen kamen knapp 1700 Kommentare hinzu. Der Tenor war ziemlich eindeutig: Die Unterzeichner wollen keine weitere Einwanderung aus Afrika und Nahost. Sie wollen auch keine โBlack History Monthsโ um darรผber unterrichtet zu werden, wie Schwarze die westliche Welt aufgebaut haben, sie wollen weder unsichere noch โsichere Einreiseroutenโ und ich habe keinen einzigen Kommentar finden kรถnnen, der die aktuellen Migrationsbewegungen vorbehaltlos als Quelle des Fortschritts und des Wohlstands begreift.
Und dabei liest sich der Fahrplan fรผr unbedarfte Leser nicht mal wie eine neuerliche Verhรถhnung, sondern fast versรถhnlich, wenn die Rede ist von โstarken Auรengrenzenโ, โverstรคrkter Zusammenarbeit mit Herkunfts- und Transitlรคndernโ, einem zu schaffenden โklaren Verstรคndnis, wie mit Migranten aus Drittstaaten umgangen werden soll, die nicht die Kriterien der Schutzbedรผrftigkeit erfรผllen und zurรผck in ihre Heimatlรคnder transferiert werden mรผssenโ und dem Eingestรคndnis, dass โviele der im Mittelmeer aus Seenot geretteten Personen nicht schutzbedรผrftig sindโ.
Man kรถnnte also, auch auf den Verdacht hin, dass es sich hier nur um Floskeln und Law&Order-Rhetorik handeln kรถnnte, irgendwie auf die Idee kommen, dass diesmal die Interessen der europรคischen Bevรถlkerung zumindest ansatzweise mitgedacht werden. Tatsรคchlich sollte man sich aber keine Illusionen machen.
Politische Macht wird in unserer Gesellschaft in einem Rahmen generiert, den der amerikanische Autor Mencius Moldbug โdie Kathedraleโ nennt. Die Kathedrale ist ein Netzwerk aus Bildungseinrichtungen, Medien und Intellektuellen, das sich zwar sรคkular und egalitรคr geriert, in Wirklichkeit aber wie eine elitรคre, theokratische Priesterkaste die รถffentliche Wahrnehmung und Meinung formt.
Im Unterschied zu einer waschechten Diktatur, in der der Staat Presse und Universitรคten kontrolliert, steht hinter der Kathedrale keine zentrale Instanz, die direkt und lokalisierbar Einfluss ausรผbt. Mehr noch: sie ist sich in den meisten Fรคllen ihrer Existenz nicht einmal bewusst. Es ist ein sich spontan koordinierendes System, das eine bestimmte, auf verschiedenen Prรคmissen und Glaubenssรคtzen beruhende Weltsicht produziert und auf der รถffentlichen Ebene einen Konsens darรผber herstellt.
Ein sich selbst stabilisierendes offizielles Informationssystem, das Menschen, Ideen, politische Forderungen etc. in โgutโ und โschlechtโ einteilt, und in dem jeder Akteur โ natรผrlich einer von den โGutenโ โ seine Mitstreiter und sich selbst fortlaufend bestรคrkt und wenn nรถtig Schรผtzenhilfe liefert. Das ist der Grund, warum wir auch ohne Propagandaminister und Agenten in den Redaktionsstuben eine beispiellose Gleichschaltung in Medien und Politik erleben. Der Grund fรผr jeden offengelegten Doppelstandard.
BLM, Fridays for Future und Seenotrettung im Mittelmeer stรคrken die progressiven Positionen der Kathedrale, Querdenkendemos, die KRAUTZONE und Migrationskritik schwรคchen sie, einzig aus dem Grund, weil sie andere Narrative liefern und den Konsens stรถren. Und schlieรlich ist es der Grund, warum eine restriktive Einwanderungspolitik notwendigerweise zum Scheitern verurteilt sein muss.
In einem gesellschaftlichen Klima in dem jeder illegale Migrant ausnahmslos als โSchutzsuchenderโ und Migration als โQuelle von Wohlstand und Fortschrittโ geframed wird, in dem Befรผrworter der Einwanderung als โgutโ gelten und Kritiker als โschlechtโ, ist es unmรถglich diese zu beschrรคnken und sinnvolle politische Maรnahmen zugunsten der autochthonen europรคischen Bevรถlkerung umzusetzen. Im Angesicht dieser Realitรคten hรคufen sich die Stimmen, die das Experiment des Parlamentspatriotismus als โvorerst gescheitertโ ansehen. Selbst wenn eine Partei wie die AfD auf wundersame Weise Regierungsbeteiligung erlangen kรถnnte, mรผsste sie auf tรถnernen Fรผรen in einer Umgebung operieren, die ihr von Grund auf feindlich gesonnen ist. Zu was die Kathedrale in einem solchen Fall fรคhig ist, wurde eindrucksvoll in der Ibiza-Affรคre demonstriert, als eine rechtskonservative Koalition durch einen inszenierten Medienputsch pulverisiert wurde.
Umso wichtiger ist daher โ wie immer wieder zu Recht betont wird โ der Fokus auf dem vorpolitischen Raum. Hier wird entschieden, wie Leute denken, hier werden Begriffe, Bilder und Narrative geprรคgt, hier wird Akzeptanz fรผr alternative Ansรคtze, Gedankenmodelle und Weltbilder geschaffen, auf deren Basis sinnvolle Politik รผberhaupt erst denkbar wird, und genau deswegen muss hier die mรผhsame, aber im Resultat umso nachhaltigere, Aufbauarbeit geleistet werden. Zum Glรผck ist da mittl
erweile auch einiges in Bewegung!

