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Neues von den Brexit-Verhandlungen

5. November 2020
in 3 min lesen

Kaum ein Brite wird diesen denkwรผrdigen Tag jemals vergessen: Am 31. Januar 2020 erfolgte der offizielle Austritt GroรŸbritanniens aus der EU. Zahlreiche Patrioten, darunter Nigel Farage der maรŸgeblich durch politischen Druck mit fรผr den Austritt sorgte, feierten und sangen auf รถffentlichen Plรคtzen die Hymne des Vereinigten Kรถnigreichs. Die Briten feierten die Unabhรคngigkeit von der EU, aber ausgestanden war das Ganze mit diesem Datum damals noch lange nicht. Denn nach dem formalen Brexit begann die รœbergangsphase, bis mindestens Ende 2020.

GroรŸbritannien bleibt vorerst noch im Binnenmarkt und in der Zollunion. Zukรผnftige Beziehungen, insbesondere das Freihandelsabkommen mรผssen die EU und GroรŸbritannien demnach noch aushandeln. Und mitten in diesen konfliktgeladenen Verhandlungen befinden sich die beiden Fraktionen derzeit. Vor Kurzem stoppte GroรŸbritannien die Gesprรคche, denn der britische Premierminister Boris Johnson warf der EU vor, sie wolle gar kein Abkommen. Deshalb erwartete er einen Bruch ohne Vertrag; es sei denn, die EU รคndere ihre Haltung fundamental.

Allerdings mรถchte GroรŸbritannien die gestoppten Gesprรคche รผber einen Brexit-Handelsvertrag mit der Europรคischen Union nun doch fortsetzen. Dies teilte die britische Regierung am 21.10. mit. Damit wachsen die Chance wieder, dass ein harter wirtschaftlicher Bruch mit Zรถllen und Handelshemmnissen zum Jahreswechsel vermieden werden kann. Die Rรผckkehr an den Verhandlungstisch begrรผndete die britische Regierung jetzt mit einer Rede des EU-Unterhรคndlers Michel Barnier. Barnier habe fรผr GroรŸbritannien wichtige Punkte anerkannt, unter anderem den Respekt fรผr die Souverรคnitรคt GroรŸbritanniens. Die Frage der Souverรคnitรคt ist mit einer der Grรผnde, warum es รผberhaupt zu einem positiven Brexit-Votum kommen konnte, denn immer wieder untergruben Behรถrden der EU die Kompetenzen der Nationalstaaten. Und sie tun es noch immer; man denke dabei nur an den EU-Migrationspakt, gegen den die Europรคische Rechtspartei Identitรคt und Demokratie (ID-Partei) inzwischen eine Petition gestartet hat.

Wobei dieser Pakt freilich nur die Spitze des Eisbergs ist. Aufmerksamen Beobachtern wird nicht entgangen sein, dass GroรŸbritannien illegale Einwanderung seit dem Brexit deutlich besser unterbindet und auch in anderen Fragen eigene Wege geht. So haben GroรŸbritannien und Japan inzwischen ein Freihandelsabkommen unterzeichnet. Beide Lรคnder haben ein bilaterales Freihandelsabkommen geschlossen, das nach Ablauf der รœbergangsphase gelten soll. Japans AuรŸenminister Toshimitsu Motegi und die britische Ministerin fรผr internationalen Handel, Liz Truss, unterzeichneten in Tokio einen entsprechenden Vertrag.

Damit ebneten sie den Weg, damit das Abkommen am 1. Januar 2021 in Kraft treten kann. Es dรผrfte klar sein, dass der fรผr das Abkommen gewรคhlte Moment kein Zufall ist. GroรŸbritannien demonstriert auf diese Weise, dass es entgegen der Behauptung vieler BRD-Medien sehr wohl ohne die EU klar kommt und macht damit zudem Druck wรคhrend der Verhandlungen mit den EU-Vertretern. AuรŸerdem gibt das Abkommen mit Japan dem Vereinigten Kรถnigreich ein weiteres Stรผck Unabhรคngigkeit von der EU. Man ist somit nรคmlich noch weniger auf das Wohlwollen der Brรผsseler Eurokraten angewiesen. Allerdings ist der Brexit auch die Ursache fรผr das Japanabkommen. Japan, die vor Deutschland drittgrรถรŸte Volkswirtschaft der Welt, hatte mit GroรŸbritannien รผber ein solches Abkommen verhandelt, da das Freihandelsabkommen Japans mit der EU das Vereinigte Kรถnigreich nach Ende der Brexit-รœbergangsphase am 31. Dezember nicht mehr mit abdeckt.

Das bilaterale Abkommen sieht vor, dass Zรถlle auf japanische Autos stufenweise bis 2026 auf null gesenkt werden. Das Abkommen mit Japan ist der erste Deal, den das Vereinigte Kรถnigreich mit einer groรŸen Volkswirtschaft fรผr die Zeit nach Ablauf der Brexit-รœbergangsphase abgeschlossen hat. Die Briten fรผhren weitere Handelsgesprรคche mit den USA, Australien und Neuseeland. Sie zeigen damit, dass eine Nation sehr wohl klarkommen kann, sobald sie die EU verlassen hat. Trotzdem oder gerade deswegen werden die Eurokraten wohl weiterhin versuchen den Brexit auf die eine oder andere Art zu hintertreiben. Sei es durch unnรถtig schwere Bedingungen fรผr GroรŸbritannien, durch mediale Propaganda oder vielleicht auch durch geschickte Manipulation bei Einzelgesprรคchen.

Denn nachdem sich die britische Regierung am 21.10 bereit erklรคrt hatte, die Verhandlungen รผber die kรผnftige Partnerschaft fortzusetzen, brach Michel Barnier mit groรŸer Delegation nach London auf. Er meinte, er brauche jetzt โ€žein, zwei, vielleicht sogar drei Wochen Zeitโ€œ fรผr intensive Gesprรคche. Womรถglich war das scheinbare Verstรคndnis fรผr GroรŸbritanniens Souverรคnitรคtswรผnsche nur ein Trick. Denn der Franzose bekam aus allen Fraktionen Unterstรผtzung signalisiert: Wenn er die Zeit brauche, bekomme er sie auch. Das ist schon sehr verdรคchtig.

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