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Rechtsstaat oder Unrechtsstaat?

6. Dezember 2020
1 min lesen

Die Begriffe Rechtsstaat und Unrechtsstaat sind sprachgewaltig – und gleichzeitig haben die wenigsten Menschen eine prรคzise Vorstellung davon, was diese Begriffe eigentlich bedeuten. Statt dessen herrschen diffuse, unprรคzise, Vorstellungen. Es geht um das Gefรผhl, dass es im Staat allgemein und im Wesentlichen mit rechten Dingen zugeht.

Eine verbreitete Vorstellung ist beispielsweise, dass ein Unrechtsstaat einer sei, in dem grundsรคtzliche Menschenrechte von Staats wegen nicht gelten. Und das sei in der BRD nicht so. Ich kann diese Sichtweise nachvollziehen und bin auch selbst der Meinung, dass es um die Menschenrechte in der BRD besser steht als in vielen anderen Lรคndern der Welt.

Und gleichzeitig werden sie im Kleinen doch stรคndig mit den Stiefeln des Staats getreten. Mir geht es da vor allem um den allgegenwรคrtigen Zwang und die allgegenwรคrtige Rechtsungleichheit in Deutschland. Ein harmloses Beispiel fรผr Zwang: Die Raubfunkgebรผhren – wenn du die nicht zahlst, gehst du in letzter Konsequenz in den Knast. Obwohl du nie einen Vertrag unterzeichnet hast, den du durch dein Nichtzzahlen brichst.

Das bringt uns direkt zur Rechtsungleichheit: Es gibt รถffentliches und privates Recht. Akteure des รถffentlichen Rechtes kรถnnen z.B. einfach einseitig sagen: „Du zahlst den von mir festgesetzten Betrag oder wirst bestraft / eingesperrt“ – was Akteure des privaten Rechts glรผcklicherweise nicht kรถnnen. Zwischen privaten Akteuren gelten Vertrรคge. Zwischen รถffentlichen und privaten Akteuren gilt das Recht des Stรคrkeren – und der Stรคrkere ist immer der Staat mit seinem staatlichen Gewaltmonopol.

Vertragsrecht auf der einen Seite, das Recht des Stรคrkeren auf der anderen Seite. Mir ist natรผrlich bekannt, dass viele Menschen das รถffentliche Recht durch „den demokratischen Prozess“ als legitimiert betrachten und das Recht des Stรคrkeren von Staat gegenรผber Individuum als unproblematisch, sogar notwendig, betrachten.

Und da bin ich als Libertรคrer dann raus und sage: Eure ganzen Argumente, liebe Etatisten, sind lediglich Rechtfertigungen fรผr Zwang. Da mรถgen gute Argumente dabei sein – aber immer nur im Rahmen einer durch und durch von Zwang geformten und geprรคgten Gesellschaft. Eine gerechte Gesellschaft, in der gleiches Recht fรผr alle gilt, wรผrde mit wesentlich weniger Zwang auskommen. Und die Gesellschaft mit weniger Zwang ist die bessere Gesellschaft.

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