Der nachfolgende Text ist ein Auszug aus meinem in 2021 erscheinenden Buch Odin, Nietzsche und der Pfad zur linken Hand.
Es ist billiger, die Gedanken von Menschen per Massenmedien zu beeinflussen und sie so indirekt zum gewรผnschten Verhalten zu bringen anstatt sie offen und direkt zum gewรผnschten Verhalten zu zwingen. Der รถffentliche Diskurs, die politische und gesellschaftliche Debatte, findet auf der Bรผhne der Massenmedien statt. Dieser mediale Raum ist der รถffentliche Debattenraum. Was im รถffentlichen Debattenraum diskutiert wird, ist politisch wirksam. Ideen, denen dort Raum gegeben wird, kรถnnen Wรคhlerstimmen fรผr die jeweils assoziierten Parteien gewinnen.
Im รถffentlichen Debattenraum gehen die politischen Parteien auf Stimmenfang. Millionen von Menschen verfolgen die รถffentliche Debatte und bilden sich so ihre Meinung รผber Politik und Gesellschaft. Diese รถffentliche Debatte wird mitunter auch sehr hitzig und intensiv gefรผhrt. Die politischen Parteien streiten miteinander, und die jeweils mit ihnen assoziierten Medien auch. Doch im Hintergrund gibt es ein groรes gemeinsames Interesse: Das Geld der anderen.
Dein Geld
Die politische Klasse lebt von den Zwangsabgaben der Nettosteuerzahler und die Medien leben von dem Geld, dass sie mit ihren Berichten รผber den politischen Streit verdienen. รber was wรผrden die Medien berichten, wenn es keinen politischen Streit gรคbe? Ohne Politik gingen den Medien schnell die Themen aus und ihr gesellschaftliche Bedeutung wรผrde drastisch abnehmen. Die Medien brauchen die Politik und die Politik braucht die Medien. Aus dieser gemeinsamen Abhรคngigkeit leitet sich das gemeinsame Interesse ab, den รถffentlichen Debattenraum auf Ideen und Themen zu beschrรคnken, die den politischen Streit aufrecht und die gesellschaftliche Bedeutung von Politikern und Medien aufrecht erhalten.
Der รถffentliche Debattenraum besteht aus Politik und Medien – und die gemeinsamen Interessen dieses politisch-medialen Komplexes beschrรคnken, welchen Ideen รถffentlich Raum gegeben wird. Ideen, die der gesellschaftlichen Bedeutung und dem Einkommen von Politik und Medien auf fundamentaler Ebene schaden, haben im รถffentlichen Debattenraum keinen Platz. Im รถffentlichen Debattenraum wird zwar heftig diskutiert bis gestritten, aber nur รผber Themen, die die Existenz des politisch-medialen Komplexes nicht gefรคhrden.
Ihre Angst
Der grรถรte Albtraum aller Berufspolitiker und groรen Medienhรคuser ist eine Welt, in der sie bedeutungs- und damit machtlos wรคren. Jeder Mensch und jede menschliche Institution strebt nach Bedeutung, Macht und Selbsterhalt. Und warum sind Politik und Medien mรคchtig? Weil die Politik das Schwert kontrolliert und die Medien die Bevรถlkerung immer wieder daran erinnert. Mรคchtig ist, wen die Menschen fรผr mรคchtig halten. Das Schwert ist der Kern der Macht, aber es ist die Feder, die dafรผr sorgt, dass das Schwert an vielen Orten gleichzeitig wirken kann – ohne gezogen zu werden.
Die Staatsmacht ist mรคchtig, weil die Menschen sie fรผr mรคchtig halten – und das tun die Menschen vor allem aufgrund ihres Medienkonsums. Nur Informationen, die einem Menschen bekannt sind, kรถnnen in ihm wirken. Wรผrden die Medien nicht fรผr ein Gesellschaftsbild sorgen, in dem die Staatsmacht nรถtigenfalls durchgreift, wรคre die Staatsmacht im Denken der meisten Menschen nicht prรคsent. Der Glaube, dass die Staatsmacht denjenigen bestraft, der gegen die Gesetze des Staates verstรถรt – dieser Glaube allein reicht aus, um das Verhalten der Menschen zu steuern.
Dein Glaube
Und dieser Glaube wird durch die Medien gestรผtzt. Das politisch kontrollierte Schwert und die mediale Feder arbeiten zusammen. Die Feder mehrt die Macht des Schwertes. Die Berichte รผber die Schรคrfe des Schwertes verschaffen dem Schwert so viel Respekt, dass es nur noch selten gezogen werden muss. Wรผrde die Feder nicht immer wieder an das Schwert erinnern, mรผsste es รถfter tatsรคchlich eingesetzt werden, anstatt nur zu drohen.
So spart die Feder Energie und Blut. Doch wenn das Schwert nicht wรคre, wรคre die Feder bedeutungslos. Ohne das Schwert wรคre jedes Gesetz bloร ein Text, jeder Richterspruch bloร eine Meinungsรคuรerung und die Staatskasse leer. Das Finanzamt kรถnnte freundlich darum bitten, dass die Unternehmen und Arbeitnehmer ihre Steuern zahlen. Ein Richter kรถnnte Konfliktlรถsungsvorschlรคge machen. Ein Polizist kรถnnte die Meinung seines Dienstherren mรผndlich vortragen. Ein Politiker kรถnnte um Spenden bitten. Aber das Finanzamt kรถnnte niemanden zwingen, Steuern zu zahlen und somit wรผrden Richter und Polizist bald nicht mehr besoldet werden und sich eine andere Arbeit suchen.
Auch wรผrde der Politiker kaum noch Spenden bekommen, da er die Interessen des Spenders zwar immer noch in Gesetze einflieรen lassen kรถnnte, aber diese Gesetze mangels Durchsetzungsmรถglichkeit vรถllig irrelevant wรคren. Der ganze Staatsapparat beruht letzen Endes auf Gewalt. Keine Herrschaft ohne Schwert.
Folgen Sie jetzt Max Reinhardt auf Instagram!
