Der amerikanische Schauspieler, Action-Spezialist, Kampfsportlehrer, Philosoph und Buchautor Lee Jun-Fan, allgemein als Bruce Lee oder unter seinem chinesischen Kรผnstlernamen Lee Little Dragon bekannt, wurde am 27. November 1940 in San Franciscos Chinatown geboren. Seine Eltern, der kantonesische Opernsรคnger und Filmschauspieler Lee Moon-shuen (1901โ1965), und die Eurasierin Grace Ho (1907โ1996), befanden sich mit ihrer Hongkonger Truppe auf einer einjรคhrigen US-Tournee.
Er hatte zwei Brรผder: Peter Lee Jung-sum (1939-2008), ehemaliger stellvertretender Direktor der Wetterwarte Hong Kong und den Musiker Robert Lee Jun-fai (geb. 1948) sowie zwei Schwestern: Agnes und die adoptierte Phoebe (beide geboren 1938).
Er kam im Alter von nur drei Monaten nach Asien und wuchs auf der Halbinsel Kowloon in der britischen Kronkolonie Hongkong auf, die vom Weihnachtstag 1941 bis Ende August 1945 von japanischen Truppen besetzt war.
Lee, von seinem Vater sehr jung in die Filmindustrie eingefรผhrt, hatte seine erste Hauptrolle im Alter von neun Jahren und mit 18 bereits in 20 Streifen mitgewirkt. Im Jahr 1956 wurde Lee aufgrund schlechter schulischer Leistungen und mรถglicherweise auch Fehlverhaltens an das St. Francis Xavier’s College versetzt, eine katholische Schule fรผr Jungen, an der meist auf Englisch unterrichtet wurde.
In einer Eliteeinrichtung, die vor kurzem aus Shanghai umgezogen war, das seit 1949 unter kommunistischer Herrschaft stand, wurde Lee von Bruder Edward, Lehrer und Trainer des Schulbox-Teams, betreut. Ihre gemeinsamen Bemรผhungen wรผrden bald Frรผchte tragen, da Lee 1958 das Boxturnier zwischen รถrtlichen Schulen gewann und den vorherigen Champion im Finale besiegte. Als versierter Tรคnzer holte Lee in dm Jahr auch die Cha-Cha-Meisterschaft.
Doch da Lee nach wie vor oft in gewalttรคtige Auseinandersetzungen verwickelt war, schickten ihn seine Eltern zu Groรmeister Ip Man (1893-1972), um Wing Chun zu lernen. Durch diese auf Kung Fu basierende Form der Selbstverteidigung wollte Yip damals junge Mรคnner ermutigen, an organisierten Wettkรคmpfen teilzunehmen, statt sich auf der Straรe zu prรผgeln.
Im Laufe der Zeit weigerten sich aber die meisten seiner Mitschรผler, mit Lee wegen dessen gemischter Abstammung zu trainieren. Viele Chinesen waren generell dagegen, Kampfkunsttechniken mit Nicht-Asiaten zu teilen.
Im April 1959, nachdem Lee den Angehรถrigen einer gefรผrchteten Triade aufgemischt hatte, schickten seine Eltern ihn (zurรผck) in die Vereinigten Staaten zu Agnes, die bereits in San Francisco lebte. Nach einigen Monaten zog er nach Seattle, um weiter die High-School zu besuchen. Dort kellnerte er in einem Restaurant von Ruby Chow (1920-2008), eine der ersten amerikanischen Aktivistinnen asiatischer Herkunft.
Bevor er im Dezember 1960 sein Diplom an der Edison Technical School erhielt, erรถffnete er das Lee Jun Fan Kung Fu Institute. Im Mรคrz 1961 schrieb sich Lee an der University of Washington ein. Er studierte Schauspielkunst, Philosophie und Psychologie, brach das College jedoch Anfang 1964 ab.
Dort lernte er seine zukรผnftige Frau Linda Emery (geb. 1945) kennen. Lee heiratete seine Kommilitonin im August 1964 und hatte mit ihr zwei Kinder: den Schauspieler Brandon Lee (1965โ1993), der versehentlich beim Drehen von The Crow getรถtet wurde, und die Schauspielerin und Geschรคftsfrau Shannon Lee (geb. 1969).
Dann zog er nach Oakland, um sich bei dem bekannten Kampfsportler James Yimm Lee (1920-1972) weiter zu verbessern. Zusammen grรผndeten sie das Jun Fan Martial Arts Studio. In jenem Jahr lieferte Lee zumal bei den ersten Internationalen Karate-Meisterschaften im kalifornischen Long Beach eine beeindruckende Leistung ab.
1966/67 trat er mit Van Williams (1934-2016) in The Green Hornet auf, einer Fernsehserie รผber einen maskierten Superhelden. Zwar setzte man diese nach nur einer Staffel ab, doch dadurch wurde Lee einem grรถรeren amerikanischen Publikum bekannt.
Kurz darauf begrรผndete Lee Jeet Kune Do (JKD) oder den โWeg der abfangenden Faustโ, ein hybrides Kampfsportkonzept aus verschiedenen Disziplinen, seiner eigenen Philosophie und persรถnlichen Erfahrungen.
Mit The Wrecking Crew (โRollkommandoโ), einer Spionagekomรถdie von 1968 mit Dean Martin (1917-1995) und Sharon Tate (1943-1969), gab Lee sein Hollywood-Debรผt als Action-Choreograf. 1969 hatte Lee einen kurzen Auftritt in Marlowe mit James Garner (1928-2014).
Ein Jahr spรคter war er fรผr die Choreografie der Kampfszenen in A Walk in the Spring Rain mit Ingrid Bergman (1915-1982) und Anthony Quinn (1915-2001) verantwortlich. The Big Boss (Bruce LeeโDie Todesfaust des Cheng Li) und Fist of Fury (Bruce LeeโTodesgrรผรe aus Shanghai) sowie Way of the Dragon (Bruce Lee-Die Faust des Drachen), die 1971 bzw. 1972 in Hongkong gedreht wurden, waren groรe Erfolge und machten Lee zu einer internationalen Berรผhmtheit.
Wรคhrend der Dreharbeiten erhielt Lee ein Angebot fรผr Enter the Dragon (Der Mann mit der Todeskralle), den ersten Kung-Fu-Film, der mit einem fรผr das Genre damals beispiellosen Budget von einem Hollywood-Studio koproduziert wurde: 850.000 US-Dollar. Sechs Tage nach Lees Tode uraufgefรผhrt, spielte eine der profitabelsten Produktionen aller Zeiten weltweit rund 350.000 Millionen US-Dollar ein und festigte seinen Status als Legende.
Lee verstarb am 20. Juli 1973 in Hong Kong in der Wohnung der taiwanesischen Schauspielerin Betty Ting Pei (geb. 1947) vor einem geplanten Abendessen mit dem einmaligen australischen James-Bond- Darsteller George Lazenby (geb. 1939).
Laut seinem guten Freund Chuck Norris (geb. 1940), Kampfsportler, Schauspieler, Filmproduzent und Drehbuchautor, war Lees Tod eine Reaktion auf die Kombination der muskelentspannenden Medikamente, die er seit 1968 wegen eines gebrochenen Wirbels einnahm, und dem Antibiotikum, das er in jener Nacht gegen Kopfschmerzen bekam.
Lees eher bescheidenes Haus in Kowloon, wo einige der hรถchsten Immobilienpreise der Welt erzielt werden, wurde im September 2019 aufgrund der strukturellen Probleme des Gebรคudes endgรผltig abgerissen, aber ein Mosaik und vier Fensterrahmen sollen erhalten geblieben sein.
Das beeindruckende Erbe des kleinen Drachen umfasst philosophische Bรผcher, die vom Buddhismus, Taoismus sowie dem indischen Denker Jiddu Krishnamurti (1895-1986) beeinflusst sind und der konservativen Weltanschauung des Konfuzianismus widersprechen.
Die freie Versform von Lees Anti-Poesie, ursprรผnglich handgeschrieben auf Papier, spรคter bearbeitet und verรถffentlicht, spiegelt sich in seinem berรผhmtesten Zitat wider: โWerde formlos und gestaltlos wie Wasser.โ Es ist in der Tat tragisch, dass ein Brunnen solcher Weisheit viel zu frรผh versiegte.

