Es ist leichter etwas abzulehnen, als fรผr etwas einzustehen. Meckern kann jeder, es besser machen nicht. Beispielsweise ist es momentan sehr leicht, auf die gesellschaftliche Entwicklung zu schimpfen. Ganz unabhรคngig von der persรถnlichen Perspektive auf die Gegenwart ist es leicht, unzufrieden und „dagegen“ zu sein.
Und gegen eine bestimmte Entwicklung zu sein, bedeutet immer auch, gegen bestimmte Menschen zu sein. Der eine ist zum Beispiel gegen Totalitarismus-Leugner, der andere gegen Corona-Leugner, die nรคchste gegen Klima-Leugner und wieder jemand anders ist gegen Leugnungs-Leugner. Wir alle haben unsere Feindbilder.
Abneigung verbindet
Anhand gemeinsamer Feindbilder finden wir uns auch gut zu Gruppen zusammen. Ein gemeinsamer Gegner verbindet. Und da der Mensch ein soziales Wesen mit starkem Zugehรถrigkeitsbedรผrfnis ist, kommt uns das gerade recht. „Wir“ grenzen uns von „den anderen“ ab und stรคrken so unsere eigene Identitรคt. So war es immer und so wird es immer sein – unser Stammesdenken ist essentieller Teil der menschlichen Natur.
In der Psyche der meisten Menschen der Gegenwart ist der Stamm als Dreh- und Angelpunkt der eigenen Identitรคt jedoch leider ein Hirngespinst unter feindlicher Kontrolle. รber den Groรteil der Menschheitsgeschichte lebten wir eingebettet in kleine Sozialstrukturen und kannten die Menschen persรถnlich, deren Meinung wir ernst nahmen.
In der modernen Massengesellschaft ist das vรถllig anders, teilweise zerbrechen Familien und Freundschaften an unterschiedlichen Meinungen zu gesellschaftspolitischen Fragen. Anstatt das eigene Erleben, die unmittelbare Lebenserfahrung und den eigenen Verstand unser Leben bestimmen zu lassen, lassen wir zu einem erschreckend groรen Teil Menschen รผber unser Leben bestimmen, die wir รผberhaupt nicht kennen.
Tribalisierung
Die Welt ist derartig komplex, dass wir oft nicht einmal wissen, wo eine Meinung oder eine Regel ihren Ursprung hat. Groรe Anteile unseres Verhaltens sind das Ergebnis sozialen Drucks, nicht rationaler รberlegung und Einsicht. Und deswegen lassen wir uns auch spalten, teilweise sogar innerhalb der Familie.
Frรผher war die Familie der Nukleus der Gesellschaft – heute beansprucht der Staat diese Stellung fรผr sich. Es ist dem Staat gelungen, einen so groรen Einfluss auf alle Lebensbereiche zu ergattern, dass er das alte Prinzip von Teilen und Herrschen in einer nie dagewesen Effektivitรคt anwenden kann.
Das gelingt ihm primรคr mittels der Massenmedien. Der tiefe Staat, die Kathedrale, das Gewรถlk, das Reich des Nichts geben den Massenmedien den Weg vor und die Massenmedien geben der Herde den Weg vor. Natรผrlich gibt es offiziell weder tiefen Staat noch Kathedrale noch Gewรถlk noch Reich des Nichts.ย „La mafia non esiste.“
Niemand meldet ein kriminelles Unternehmen beim Handelsregister an und niemand, der hinterm Vorhang die Fรคden zieht, gibt sich die Berufsbezeichnung Fรคdenzieher. Es gibt sie nicht, die Plutokraten, und doch bestimmen sie.
Die drei Wege
Es ist die etatistisch-kollektivistische Matrix, die uns alle von Geburt an umgibt. Der Fisch sieht das Wasser nicht. Und dennoch hinterfragen manche Menschen ihre Lebensumstรคnde. Manche von uns nehmen nicht alles als selbstverstรคndlich hin und sind mutig genug, ihren eigenen Verstand zu benutzen. Und diese Menschen geraten im Laufe der Zeit unweigerlich in einen Konflikt mit dem Leviathan. Um es mit H. L. Mencken zu sagen:
โDer gefรคhrlichste Mensch fรผr den Staat ist derjenige, der ohne Rรผcksicht auf die vorherrschenden Aberglauben und Tabus denken kann. Denn er wird fast unweigerlich zu der Erkenntnis gelangen, dass der Staat verlogen, geisteskrank und unertrรคglich ist.โ
Und diese Wenigen, dieย ohne Rรผcksicht auf die vorherrschenden Aberglauben und Tabus selbst denken, gelangen schlieรlich an eine Wegkreuzung. Ihnen bieten sich drei Mรถglichkeiten ihren Lebensweg fortzusetzen: Der eine Weg besteht darin, zu wissen, dass es falsch ist und trotzdem weiterzumachen – weiter ein menschenverachtendes System zu unterstรผtzen und willentlich die Augen zu verschlieรen. Dieser Weg ist der Weg der Angst. Angst davor, sich gegen den tyrannischen „Vater Staat“ aufzulehnen.
Der zweite Weg besteht darin, das System zu bekรคmpfen. Das ist der Weg der Wut. Wut auf die Unterdrรผcker und Wut auf die eigene Schwรคche, die die Unterdrรผckung erst mรถglich macht.
Und dann ist da noch der dritte Weg. Dieser dritte Weg besteht darin, die Dinge zu akzeptieren wie sie sind und sie dann, aufbauend auf dem Fundament der Realitรคt, besser zu machen. Dieser Weg ist weder von Angst noch von Wut geprรคgt – er ist von Kreativitรคt geprรคgt. Weder weglaufen noch bekรคmpfen, sondern erschaffen.
Mach es richtig, mach es selbst
Ein gemeinsames Feindbild verbindet, ja. Doch was langfristig noch viel stรคrker verbindet, sind gemeinsame Werte. Gemeinschaften, die nur aufgrund ihres gemeinsamen Gegners zusammenhalten, zerbrechen sobald der Gegner besiegt ist. Gemeinsam gegen etwas zu sein reicht nicht – gemeinsam fรผr etwas zu sein, das ist konstruktiv statt destruktiv.
Deswegen bilden sich starke und dauerhaft stabile Gemeinschaften um das gemeinsame Leben von Werten – nicht um den gemeinsamen Protest oder Widerstand.
รbertragen auf all die Menschen in Deutschland, die mit dem herrschenden System nicht einverstanden sind und gemeinschaftlich etwas zum Guten verรคndern wollen, muss die Devise lauten: Neues erschaffen statt Bestehendes bekรคmpfen. Nicht darรผber aufregen, was schon an Mรผll in der Welt ist, sondern die eigene Energie darauf konzentrieren, Gutes und Schรถnes in die Welt zu bringen.
Wie sich eine Gesellschaft entwickelt, hรคngt davon ab, womit sie ihr Bewusstsein fรผllt. Seitens der Massenmedien wird kontinuierlich Angst und Wut in das Bewusstsein ihrer Konsumenten gepumpt. Das zu รคndern gelingt nicht durch das Bekรคmpfen der Massenmedien oder des Systems. Das gelingt durch das Erschaffen von besseren Alternativen.
Allem Anfang wohnt ein Zauber inne
Meckern und schimpfen ist leicht – aber letztlich unbefriedigend und ermรผdend. Es besser zu machen und kreativ Neues zu erschaffen, das ist befriedigend und gibt Energie.
Also wie? Vor allem anfangen. Anfangen รคndert alles. Lernen kannst du beim Machen.ย Um ein konkretes Beispiel zu geben: Letzten Mittwoch habe ich einen E-Mail-Newsletter gestartet. Dafรผr benutze ich die kostenfreie Version von ConvertKit. Das zu lernen und einzurichten hat mich einen Tag gekostet – und von nun an kann ich nicht nur Bรผcher, Artikel und Instagram-Beitrรคge schreiben, sondern eben auchย E-Mail-Newsletter.
Das macht mich ein kleines bisschen unabhรคngiger von den Giganten des Internets und bringt ein ganz kleines bisschen mehr Content in die Welt, der meine Werte transportiert. Und das kannst du auch. Es gibt endlose Mรถglichkeiten, deine Werte in die Welt zu tragen. Jedes Meme, jeder Social Media Post, jedes Video, jeder Text ist ein klitzekleines Puzzleteil, aus dem sich der Bewusstseinsinhalt der Menschen – und deiner selbst – zusammensetzt.
Habe den Mut
deinen eigenen Verstand zu benutzen und die Ergebnisse deines Denkprozesses mit der Welt zu teilen.
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