Morgen ist wieder Erster Mai! Seither organisieren Sozialisten, Kommunisten und anderes Gesindel an diesem Tag Massenstreiks und -demonstrationen, um damit ihrer Ideologie Geltung zu verleihen. Hinterlieรen die Arbeiterkundgebungen frรผherer Zeiten noch einen gewissen Eindruck auf die politischen Gegner, so werden die heutigen Maidemonstrationen eher mit Gewalteruptionen degenerierter Mรถchtegern-Rebellen verbunden, die in irgendwelchen verlotterten Groรstadtvierteln ihrer erbรคrmlichen Wut mit Steinewerfen und Brandstiftung freien Lauf lassen.
Abseits davon versuchen die klassisch-linken Parteien in Gestalt von SPD und Linke, mittlerweile nur noch Schatten ihrer Selbst, ein paar Wรคhlerstimmen von Alt-68ern und DDR-Romantikern abzugreifen. Doch wie kommt es eigentlich, dass in der angeblich kapitalistischen Bundesrepublik (und im Rest des โfreienโ Westens) dieser sozialistische Propagandatag gefeiert wird?
Vor 132 Jahren wurde der Erste Mai auf dem Grรผndungskongress der Zweiten Internationale zum Gedenken an die proletarischen Opfer des Haymarket Riot von 1886 als โKampftag der Arbeiterbewegungโ ausgerufen. Am 1. Mai 1890 wurden schlieรlich die ersten Streiks und Demonstrationen in Amerika und Europa durchgefรผhrt, so auch im Deutschen Kaiserreich, wo vor allem die SPD fรผr die Durchfรผhrung dieser Veranstaltungen verantwortlich war.
Nachdem mit dem Ende des 1. Weltkrieges das Alte Europa vollstรคndig unterging und damit der Sozialdemokratisierung der westlichen Welt kaum mehr etwas im Wege stand, wurden nach und nach in den europรคischen Staaten der 1. Mai als Feiertag eingefรผhrt.
In Deutschland scheiterte dies in den Jahren der Weimarer Republik am Widerstand der reaktionรคren und konservativen Krรคfte, lediglich der 1. Mai 1919 wurde auf Betreiben von SPD, DDP und Teilen des Zentrums als Feiertag begangen. 14 Jahre spรคter wurde der Erste Mai dann doch von Sozialisten (wenn auch von den falschen) zum nationalen Feiertag erklรคrt. Anfangs als โTag der Nationalen Arbeitโ mit einer riesigen Propagandainszenierung zelebriert, erhoben ihn die Nationalsozialisten ab 1934 mit der Bezeichnung โNationaler Feiertag des Deutschen Volkesโ zu einem der wichtigsten Festtage im Dritten Reich.
Nach dem Untergang des letzten deutschen Reiches wurde der Maifeiertag in beiden Teilen Deutschlands weiterhin begangen. Wรคhrend er im Westen vor allem in den wirtschaftlich erfolgreichen 50er-Jahren eher zum Volksfest verfiel, wurden die Feierlichkeiten in der DDR nach sowjetischem Vorbild aufgezogen: Jeder Ostdeutsche hatte die Pflicht, an den Maidemonstrationen teilzunehmen, von 1956 bis in die 70er Jahre hinein hielt die Nationale Volksarmee Paraden ab, die fรผhrenden Kรผnstler stellten ihre Loyalitรคt zur Regierung zur Schau (kommt einem doch irgendwie bekannt vor, nicht? #allesdichtmachen), und um die Bevรถlkerung bei Laune zu halten, wurden Gratis-Bockwรผrste verteilt und 5-Mark-Prรคmien ausgegeben.
Doch all das war mehr Schein als Sein: Die meisten Leute wรคren an diesem Tag lieber zu Hause geblieben, oft wurde nur halbherzig mitgemacht. Die letzten beiden Maiveranstaltungen in den Jahren 88/89 waren geschlossene Feierlichkeiten, die von Kampftruppen und FDJ gegen oppositionelle Demonstranten geschรผtzt werden mussten.
In der BRD bekam der Maifeiertag nach der Rezession in den spรคten 60ern sowie durch die Studentenunruhen wieder an Bedeutung. Gab es anfรคnglich noch Streitigkeiten zwischen den Alt- und Neulinken, so einigte man sich spรคtestens in den 80er Jahren. Seit diesem Zeitraum treten auch die uns heute noch heute plagenden Ausschreitungen der radikalen Linken auf: Insbesondere Berlin-Kreuzberg ist seit 1987 das Zentrum von solchen Krawallen. Wie diese aussehen und -gehen, muss hier nicht ausgefรผhrt werden.
Wie also geht man als Reaktionรคrer mit diesem scheuรlichen Tag um? Leider haben wir kaum die Mittel fรผr effektive Gegenpropaganda (zumindest noch nicht), doch sollten wir keinesfalls den Versuch starten, diesen Tag auf irgendeine Art fรผr uns zu vereinnahmen. Auch wenn es manchmal von Vorteil sein kann, Festtage, Symbole o. รค. vom politischen Gegner zu รผbernehmen, um eine gewisse Legitimation zu erhalten, sollten wir uns doch zumindest in der Theorie davon fernhalten. Wir wรผrden uns lรคcherlich machen.
Erst wenn es eine reale Chance auf Machtausรผbung gibt, kรถnnen wir uns รผberlegen, ob wir diesen Tag nicht der Kontinuitรคt wegen beibehalten, aber dann sollte so rasch wie mรถglich eine Umdeutung, mรถglicherweise in eine Art Frรผhlingsfest, stattfinden. Bis dahin sollte er, รคhnlich wie der 8. Mรคrz, als Kampftag des Feindes, als ein Symbol der sozialistischen Degeneration gesehen und dementsprechend mit Verachtung gestraft werden.
