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Stelle dich deinen Aufgaben

20. Juni 2021
in 3 min lesen

Auszug aus dem 7. Kapitel von Odin, Nietzsche und der Pfad zur linken Hand

โ€œDie meisten Mรคnner, die auf der Welt vorwรคrts kommen, vergessen das Vergnรผgen wรคhrend der Zeit, in der sie ihr Vermรถgen erarbeiten; sie warten, bis sie es geschafft haben, und dann ist es fรผr sie zu spรคt, sich daran zu erfreuen.โ€

– Samuel Pepys

Die einzige Mรถglichkeit weniger zu arbeiten besteht darin, weniger zu arbeiten. Arbeit zieht immer Arbeit nach sich, daher kann schneller oder effektiver arbeiten unmรถglich Arbeit reduzieren. Arbeit ist endlos, Zeit nicht. Daher mรผssen Planung und Einhaltung von Zeitblรถcken Dreh- und Angelpunkt aller Alltagsorganisation sein. Sobald diese Wahrheit tiefgehend akzeptiert wurde, kehren Ruhe und Frieden ein.

Das รผbertrรคgt sich dann auch positiv auf die Arbeit, die fortan mit gelassenem Wohlwollen verrichtet wird, da sie nicht mehr als erdrรผckend empfunden wird. Statt von deiner Arbeit erdrรผckt zu werden, stellt sie nunmehr eine lebenslange Trainings- und Meditationseinheit dar.

Arbeit nervt

All deine Alltagsaufgaben, all deine Arbeit, all dein Pflichtprogramm wird so zum Fenster nach innen โ€“ anstatt deinen Fokus auf Resultate zu legen, widmest du deine Aufmerksamkeit dem Prozess und trittst in einen fortlaufenden inneren Dialog mit dir ein. Deine Perspektive รคndert sich, du siehst die Dinge nicht mehr als Belastung oder Anstrengung, sondern als Gelegenheit zum Spielen und รœben.

Der notwendige aber unangenehme Anruf, das komplizierte Formular, der schwierige Arbeitsauftrag, das Ausrรคumen der Spรผlmaschine, der Frรผhsport, der ร–lwechsel, den Mรผll raus bringen, die Hecke schneiden, die Bewerbung, die Kontoerรถffnung, alle groรŸen und kleinen Aufgaben, sinnvoll und wertschรถpfend oder sinnlose Bรผrokratie, Lappalien oder groรŸe Herausforderungen – all das sind letztlich nur Bรผndel von vielen kleinen Handgriffen, Pakete gefรผllt mit allerlei kleinen Handlungen.

Das Ausrรคumen der Spรผlmaschine beinhaltet das ร–ffnen der Klappe, das Abtrocknen der Wasserreste auf dem sauberen Geschirr, das ร–ffnen des Geschirrschranks, das Einrรคumendes sauberen Geschirrs und das SchlieรŸen der Geschirrspรผlmaschine. Und wir kรถnnten weiter unterteilen und jede Gabel und jeden Teller als einzelnen Bestandteil dieses Prozesses ansehen.

Genauso wie das Handlungspaket Zรคhneputzen das Putzen jedes einzelnen Zahns beinhaltet und die Aufgabe Kรผche wischen das Wischen jeder einzelnen Fliese beinhaltet und der unangenehme Anruf jeden einzelnen Satz beinhaltet. Wir kรถnnen all diese Handlungspakete als lรคstiges Pflichtprogramm ansehen oder sie als das Erkennen, was sie wirklich sind: Unser Leben. Wir kรถnnen versuchen, uns stรคndig von ihnen abzulenken โ€“ oder wir kรถnnen sie bewusst und voll ruhiger Akzeptanz erledigen.

Trotzdem muss Arbeit erledigt werden

Das Leben besteht ganz wesentlich aus banalen Alltagsaufgaben und Pflichtprogramm, und wer damit auf KriegsfuรŸ steht, vielleicht weil es ihn langweilt oder er sich fรผr zu gut dafรผr hรคlt, der wird immer in Unfrieden leben. Das ist dann ein genervtes, erschรถpftes, wรผtendes, unzufriedenes Leben, in dem positive Emotionen die seltene Ausnahme vom steten Fluss an Negativitรคt sind. So ein unglรผckliches Leben ergibt sich aus der Ablehnung des Moments, aus der Verneinung des Jetzt.

Stell dir stattdessen ein Leben vor, in dem das Ausrรคumen der Spรผlmaschine, der Anruf und das Wischen der Kรผche keine Beleidigung fรผr dein Ego sind, sondern kleine Spiele im groรŸen Spiel des Lebens, die du mit voller Aufmerksamkeit spielst. Anstatt auf das Handlungspaket zu blicken und es zu bewerten blickst du nach innen โ€“ und spielst.

Wir arbeiten um ein bestimmtes Ziel zu erreichen, fรผr ein bestimmtes Ergebnis. Doch wir spielen um zu spielen. Und genauso leben wir um zu leben. Sobald du das vergisst und dein Glรผck von einem Ergebnis abhรคngig machst, machst du dich abhรคngig. Freiheit liegt im Spielen, nicht im Mรผssen.

Stell dir vor, du wรผrdest all deine Aufgaben, all deine Arbeit und all dein Pflichtprogramm bejahen statt verneinen. Wรผrdest du dich dann noch von ihm ablenken wollen? Mit Gedanken- und Gefรผhlsspiralen, mit Medien, mit Drogen, was immer es ist. Oder wรผrdest du nicht stattdessen einfach bewusst und liebend tun, was zu tun ist? Und wรผrden deine Arbeitsergebnisse so nicht unweigerlich besser werden? Wรผrde dein Abendessen nicht besser schmecken, wenn du es mit Liebe und Aufmerksamkeit statt mit Hast und Ablenkung gekocht hast? Und wรผrde dir dein Kundentelefonat oder das Meeting nicht viel mehr SpaรŸ machen, wenn du dich ganz drauf einlรคsst anstatt mit gespaltener Aufmerksamkeit deine Aufmerksamkeit nur vorzutรคuschen?

Wenn du den Mรผll raus bringst, bring den Mรผll raus. Wenn du die Spรผlmaschine ausrรคumst, rรคum die Spรผlmaschine aus. Wenn du die Karotten schneidest, schneide die Karotten. Tu was du tust, und sei dir deines Bewusstseins bewusst.

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