Die Journalisten wollten sie in eine rhetorische Ecke drรคngen, aber ihre Beute wehrte sich. Denn die Kaufmannstochter aus Grantham hatte nichts zu verschenken. Schon gar nicht die Deutungshoheit รผber ihre eigene Verhandlungsposition. โWe are not asking for a penny piece of community money for Britainโ, betonte die Premierministerin auf dem EG-Gipfel 1979. โWhat we are asking is for a very large amount of our own money back.โ (โWir fordern nicht einen Penny an Gemeinschaftsgeldern fรผr Groรbritannien. Wir fordern nur einen sehr hohen Betrag unseres eigenen Geldes zurรผck.โ).
Die Nachwelt sollte diesen feinen Unterschied auf die berรผhmte Formel โI want my money back!โ (โIch will mein Geld zurรผck!โ) verkรผrzen. Die Strategie freilich ging auf. Am Ende stand der sog. โBriten-Rabattโ, der den Arbeitern und Unternehmern auf der Insel ersparte, ihre Steuergelder in der massenhaften Mรคstung franzรถsischer Milchkรผhe zu verplempern. Stattdessen durfte der deutsche Abgabenesel die dadurch herbeigemolkenen Milchseen und Butterberge mit neuen Subventionen wieder aus der Welt quotieren.
Der Staat verprasst das Geld der Bรผrger. Basta!
Nicht nur in den Verhandlungen รผber den sog. โBriten-Rabattโ lieร Margaret Thatcher sich nie auf die Wortwahl ihrer links-eurokratischen Gegner ein. In ihrer hรถchst erfolgreichen Wiederwahlkampagne 1983 rief die Premierministerin dem Volk folgende Warnung vor den Sozialdemokraten von der Labour Party zu: โLet us never forget this fundamental truth: The state has no source of money other than money people earned themselves. If the state wishes to spend more, he can do so only by borrowing your savings or by taxing you more and it is no good thinking that someone else will pay. That someone else is you.โ (โLasst uns niemals diese grundlegende Wahrheit vergessen: Der Staat hat keine andere Geldquelle als jenes Geld, das seine Bรผrger sich durch ihre eigene Arbeit selbst verdienen. Wenn der Staat mehr Geld ausgeben mรถchte, kann er das nur, indem er Ihre Ersparnisse entwertet oder Sie hรถher besteuert und es ist ein Irrglaube, jemand anderer wรผrde bezahlen. Dieser andere Jemand sind Sie!โ).
Und dann ein Gedanke, der im Deutschland irgendwo zwischen Spรคt-Merkel und Vor-Habeck verloren gegangen sein dรผrfte: โThere ist no such thing as โpublic moneyโ. There is only tax payerโs money.โ (โSo etwas wie โรถffentliche Gelderโ gibt es nicht. Es gibt nur das Geld des Steuerzahlers.โ).
Im Bewusstsein um die Nicht-Existenz von โรถffentlichen Geldernโ leugnete Thatcher sogar den Begriff einer โGesellschaftโ (โThere is no such thing as a society.โ). Vielleicht ahnte sie voraus, wie sehr dieser Begriff, ergรคnzt um die pervertierte Vorsilbe โZivilโ oder das nicht minder entstellte Attribut โbuntโ, eines Tages nach Subventionsbetrug und Rรคterepublik stinken sollte.
Farรถer annektiert Helgoland
Zugegeben, manchmal ging selbst Thatcher der Wortschatz aus. Als 1982 die faschistische Junta Argentiniens britischem Hoheitsgebiet besetzte und britische Bรผrger als Geiseln nahmen erklรคrte die Eiserne Lady: โWir รถhm รคh sehen, dass da, wo รคh auf der Landkarte also bisher eben Inseln waren und รคh man jetzt sagen kann, dass รถhm รคh da eben keine mehr รถhm sind, weil รคhm รคh die Inseln eben auch รคh auf der Landkarte รคhm sind รถhm, wo sie vorher nicht รคh drin waren. Und deshalb muss jetzt ganz viel Geld gezahlt werden und darum zahlen wir jetzt auch was.โ
Ach nein, falsch, Verzeihung! Das ist Angela Merkels selbst geschrieben Regierungserklรคrung, wenn die Fรคrรถer-Inseln im Handstreich Helgoland annektieren. Und Deutschland anschlieรend zur รbernahme der Invasionskosten auffordern.
Die Frau, die Chemie in Oxford studierte, mit der Entwicklung des Softeises sogar innovativ an der Wertschรถpfungskette teilgenommen und anschlieรend noch ein Jura-Studium oben drauf gesattelt hatte, war viel zu intelligent, um sich der Wortwahl der Linken zu bedienen. Der sozialistischen Deutungshoheit setzte Thatcher stets die eigene Wortwahl entgegen und gestand ihren Gegnern keinen Millimeter Definitionsraum รผber das ein, worin Menschen denken: Die Sprache.
SEDler bestimmen heute, wie รผber die Einheit gedacht wird
Die westdeutsche CDU entschied sich fรผr den entgegengesetzten Weg. Anfangs achtete Helmut Kohl in รbereinstimmung mit der Springer-Presse noch darauf, die sog. โDDRโ immer schรถn in Anfรผhrungszeichen zu setzten. Schlieรlich sei sie weder deutsch noch demokratisch, sondern ein sowjetischer Satellit und demensprechend gestrickt. Selbst nachdem er Erich Honecker mit allen protokollarischen Ehren empfangen hatte, achtete Helmut Kohl immerhin noch darauf, von โzwei Staaten auf deutschem Bodenโ anstatt von โzwei deutschen Staatenโ zu sprechen. Eine sprachliche Feinheit, die im Nachhinein das Denkvermรถgen fรผr die entscheidenden Stunden 1989/90 schulte.
Da es den Grรผnen und SPD-Linken nicht gelungen war, die Deutsche Einheit zu verhindern, unternahmen sie schon am 3. Oktober 1990 seit 5 Uhr 45 alles, um die Deutsche Einheit schlecht zu reden und herunterzuschreiben. Die Architekten der Einheit aus CDU/CSU und FDP gingen ihnen prompt auf den Leim.
Parteiรผbergreifend ist seit 1990 die Friedliche Revolution eine โWendeโ, also ein Wortgeschรถpf des SED-Appartschiks Egon Krenz, mit deren Hilfe dieser verhinderte Langzeit-Diktator seinen maroden Termiten-Staat auf den letzten Metern retten wollte.
Da der Staat damals auf seine Schulden, sprich die Schulden des Steuerzahlers der nรคchsten Generation, noch horrende Zinsen zahlen musste, redeten selbst Helmut Kohl und sein zottliger Finanzminister sich gern mit dem Verweis auf die sog. โKosten der Einheitโ heraus. Und verschleierten damit schon begrifflich ihren eigenen Verhandlungserfolg.
Hรถrt endlich auf รผber โdie Kosten der Einheitโ zu heulen!
In Wahrheit war die Deutsche Einheit von 1990 ein sehr kostengรผnstiges, um nicht zu sagen spottbilliges Geschรคft. Ganze sechs oder sieben Milliarden D-Mark, vielleicht auch acht oder neun, zahlten Helmut Kohl und sein zottliger Finanzminister an die wirtschaftlich absaufende Sowjetunion, damit diese ihre Zustimmung zur Deutschen Einheit gab.
Selten zuvor hatte eine Regierung eine so weitreichende Weichenstellung der Weltpolitik so gรผnstig erkauft. Vor 1990 hatte die russische Auรenpolitik nicht die Angewohnheit entwickelt, hunderttausende Soldaten aus besetzten Gebieten einfach kampflos abzuziehen. Es hatte schon seinen Grund, weshalb im August 1990 unter den Deutschland-Experten des Moskauer Parteiapparats der Begriff vom โSommerschlussverkaufโ die Runde machte.
Nein, was wirklich tief, tief in die Taschen des deutschen Steuerzahler รถstlich wie westlich der Elbe griff, waren nicht die โKosten der Einheitโ, sondern die Kosten der Teilung, genauer gesagt, die Kosten von รผber vierzig Jahren sozialistischer Plan-und Misswirtschaft, eines heillos aufgeblรคhten Beamtenapparates samt dessen erdrรผckender Pensionslast.
Siedler von Catan statt Volk der Deutschen
Anstatt die SED mit ihrem รผber vierzigjรคhrigen Totalversagen rhetorisch zu brandmarken, รผberlieร schon die Kohl-CDU die Begriffe und damit die Deutungshoheit den Gregor Gysis dieser Republik. Und anstatt die SED weiterhin als das zu bezeichnen, was sie nach wie vor ist, nรคmlich die SED, machten Union und FDP jede plumpe Umbenennung dieser kriminellen Vereinigung mit und titulierten sie, wie von โSZโ-Leitartiklern und โZeitโ-Redakteuren gefordert, als โPartei des demokratischen Sozialismusโ oder โLinksparteiโ. Irgendwo muss die Zusammenarbeit auch auf Bundesebene ja beginnen.
Auf Trauerfeier
n anlรคsslich der Jahrestage der Deutschen Einheit erinnert Genosse Steinmeier im parteiรผbergreifenden Jargon an die โFehler der Einheitโ und sรคmtliche รถffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten sowie Zeitungen aus dem Dunstkreis der โDeutschen Druck-und Verlagsgesellschaft mbHโ und des โRedaktionsnetzwerks Deutschlandโ greifen den Begriff von den โFehlern der Einheitโ begierig auf.
Auch auf anderen Feldern sind CDU/CSU und FDP eifrig bemรผht, die Begriffe aus dem rot-rot-grรผnen Lager zu รผbernehmen. Anstatt vom โVolkโ sprechen sie lieber von der โBevรถlkerungโ, also einem dahergelaufenen Haufen aus den โSiedlern von Catan.โ Anstatt von Zuwanderern Assimilation einzufordern, verwenden auch sie den Begriff der โIntegrationโ. โIntegrationโ zunรคchst im Sinne eines gewaltfreien Nebeneinanders, dann im Sinne tรคglichen Neuverhandelns ร la รzoguz und am Ende im Sinne einer Renate Kรผnast, die in ihrer gewohnt liebenswรผrdigen Art meint, Integration fange dort an, wo Deutsche in Deutschland Tรผrkisch lernten.
Die bedingungslose Kapitulation im Kampf um die Deutungshoheit unterschreibt, wer auf sich selbst den von Czem รzdemir erfundenen Begriff des โBio-Deutschenโ anwendet. Wer sich selbst als โBio-Deutscherโ bezeichnet, verleugnet in vorauseilenden Gehorsam gegenรผber Margot Kรครman die Aufbauleistungen seiner zwei deutschen Eltern und vier deutschen Groรeltern.
So โne Margarete brรคuchte Deutschland auch
Um von Margot noch mal auf Margaret zu kommen: Bei all dem Kampf gegen den linken Zeitgeist und fรผr das eigene Vaterland durfte der Humor natรผrlich nicht zu kurz kommen, schon gar nicht in England. Als Thatcher bei der Lektรผre des verheerenden Pressechos auf ihre neusten Ausgabenkรผrzungen nicht mal in der nationalkonservativen โThe Sunโ wรคrmende Worte fand und niemand in ihrem Beraterkreis wusste, wie das Ansehen der Premierministerin wieder hergestellt werden kรถnnte, verblรผffte die ihre Spitzenbeamten.
Ohne Vorwarnung hielt sie sich die die berรผhmt-berรผchtigte โpage threeโ vor die Bluse und fragte in die Runde: โBoys, what do you think about my new boobs?โ (โNa Jungs, was denkt ihr รผber meine neuen Ti****?โ).
Stellen Sie sich mal die Blicke von Helge Braun und Peter Altmaier vor, wenn Merkel bei der allmorgendlichen Pflichtlektรผre des โNeuen Deutschlandsโ auf die gleiche Idee kรคme.
