Von Johann Adler
โWas machst du?โ fragt mich meine Frau als ich den โPalmer22-durgestrichenโ-Sticker von einer Mรผlltonne abreiรe. Ich schaue sie verwirrt an: โBoris Palmer unterstรผtzenโ, gebe ich mit dem selbstverstรคndlichsten Tonfall der Welt zurรผck und stelle mir die Frage ob die kognitiven Fรคhigkeiten meines weiblichen Gegenรผbers derart stark nachgelassen haben, dass sie sich dies nicht hรคtte erschlieรen kรถnnen.
Es ist doch vollkommen offensichtlich, dass man den Remstalrebellen gegenรผber den Junggrรผnen Gesinnungspolizisten in Schutz nehmen muss. Sie erdreistet sich allerdings tatsรคchlich nochmal nachzuhaken:โWarum?โ
Nun dรคmmert es mir! Palmer hatte doch tatsรคchlich nicht nur die Impfpflicht gefordert, sondern sogar noch die Beugehaft fรผr Andersdenkende angedroht. Da hat sie wohl rechtโฆ Ich klebe den Palmersticker รผber einen feministischen Aufkleber der ein weibliches Geschlechtsorgan abbildet und bin mir sicher nicht nur etwas zum politischen Kampf, sondern auch zur รคsthetischen Aufwertung der Stadt beigetragen zu haben.
Ja, ja, heute hat man es als konservativ-liberaler nicht ganz leicht. Damit meine ich nicht nur die schwierige politische Lage mit Migranten,- Klima-, und Coronagedรถns, sondern auch die Verschiebung der Lager. Wenn in der โJungen Freiheitโ die Impfpflicht gefordert wird, kann man das als Liberaler noch ertragen? Darf ich Sarah Wagenknecht wegen ihrer Kritik an der Selbstgerechtigkeit der jungen Linken und der Coronapolitik gut finden obwohl sie fรผr die Linke kandidiert? Und was ist mit Viktor Orban? Soll ich ihn fรผr seine Ablehnung von Gender und seine konservativen Positionen unterstรผtzen oder fรผr seine autoritรคre Coronapolitik kritisieren?
Wenn ich auf einem Montagsspaziergang, zu dem mich der AFDler Joachim Kuhs aufgefordert hat, neben Hippies und Altlinken laufe, funktioniert die alte Ordnung dann noch? Ich denke es ist Zeit umzudenken. Die jรผngeren Entwicklungen lassen sich mit dem klassiscben links-rechts Schema nicht mehr treffend beschreiben. Wo global agierende Milliardรคre von der Antifa hofiert und verteidigt werden ist ein klarer Blick auf die eigentlichen Fronten wichtig.
Die verlaufen heutzutage weder zwischen der Bourgeoisie und dem Proletariat, noch zwischen nationalem und internationalem Gedankengut, sondern zwischen denjenigen, die die Souverรคnitรคt des Individuums und basale Freiheitsrechte wie Eigentum, kรถrperliche Selbstbestimmung, Meinungsfreiheit und Versammlungsfreiheit verteidigen mรถchten und denjenigen, die bereit sind sie der Bequemlichkeit, Opportunitรคt und der eigenen Unsicherheit in einer Welt im Ausnahmezustand zu opfern.

