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Der deutsche Stolz auf den amerikanischen Kulturimperialismus

7. Juni 2022
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Bis vor ein paar Jahren war man in Deutschland nur stolz auf individuelle Leistungen und bei der FuรŸball-WM. Und schon damals musste man sich rechtfertigen, wenn man die Deutschlandflagge zu energisch schwang. Flaggen insgesamt wurden nun mal als รœberbleibsel einer Zeit gewertet, in der man zu stolz auf sein Land war, weshalb zwei Weltkriege vom Zaun gebrochen wurden (die genaue Kausalitรคt muss da noch geklรคrt werden).

Aus diesem Grund wanderte die Deutschlandflagge nach dem GroรŸereignis auch wieder schรถn in die Schublade, um keine falschen Assoziationen zu wecken. Nur bei den wenigsten hรคngt die Fahne nicht nur zur FuรŸball-WM, um das in den Worten des Rappers Fler zu sagen.

Mir wurde jedenfalls immer vorgehalten, ich kรถnne nichts dafรผr, in Deutschland geboren zu sein โ€“ also kรถnne ich darauf auch nicht stolz sein.

Inzwischen darf man seinen Stolz wieder ganz offen mit Beflaggung auf der StraรŸe zeigen. Dieser darf dann allerdings nichts mit der eigenen Nation am Hut haben, sondern betrifft das Geschlecht und die Sexualitรคt. Diese neue, sozial akzeptierte und von allen groรŸen Unternehmen mitgetragene Form des Stolzes ist aus dem Amerikanischen (woher sonst?) zu uns herรผbergeschwappt. Fรผr jeden, der sich mit den theoretischen Grundlagen verstรคndlicherweise nie beschรคftigen wollte: โ€žPronounsโ€œ wie โ€žthey/themโ€œ, die englischen Bezeichnungen der Sexualitรคten (โ€žLGBTQโ€œ) und der Name der Veranstaltung, auf dem das alles zur Schau gestellt wird, โ€žPride Monthโ€œ, beweisen das ganz eindrรผcklich.

Die gleichen Leute, die mir frรผher den Nationalstolz ankreideten, sind es deshalb inzwischen, die Flaggen schwingend durch die Innenstรคdte jeder grรถรŸeren Stadt laufen und ihren Stolz auf ihre seltsame (die deutsche Bedeutung des โ€žQโ€œ: โ€žqueerโ€œ) Sexualitรคt und ihr erfundenes Geschlecht auf die StraรŸe tragen. Und mein derzeitiger Wohnort Wien hilft fleiรŸig mit โ€“ selbst bei der StraรŸenรผberqueerung (sic!) muss Flagge gezeigt werden. In der Heimatstadt von Conchita Wurst zieren seit ihrem (?) Sieg beim Eurovision Song Contest (bereits 2014 konnte der Travestiekรผnstler die meisten Punkte ergattern, das diesjรคhrige Gewinnerthema ist bekanntlich die Ukraine) viele Ampeln gleichgeschlechtliche Ampelpaare, die Zebrastreifen zeigen fast รผberall die Farben der Transflagge oder die inzwischen veraltete und konservativ gewordene Regenbogenflagge.

Apropos Regenbogenflagge: Erfunden wurde diese รผbrigens in Deutschland, als sie von Bauern wรคhrend des Bauernkriegs benutzt wurde. Heutzutage bedeutet die Regenbogenflagge allerdings das Nacheifern von Trends made in USA. รœberall sonst wรผrde man diesen Kulturimperialismus in Reinform anprangern โ€“ in den ehemaligen Staaten der โ€žWestmรคchteโ€œ, also den amerikanisch beeinflussten Staaten Westeuropas, wird er zelebriert.

Zurรผck zum Thema: Auf was ist man denn da eigentlich stolz? Wenn man etwas fรผr seine Sexualitรคt geleistet hat, dann ist anders zu sein eine Entscheidung. Damit wรคre natรผrlich keiner der versammelten Mannschaft einverstanden, weshalb fรผr das โ€žStolzseinโ€œ nur die angeborene Sexualitรคt infrage kommt. Nun verhรคlt es sich ja so, dass man in diesem Fall auch recht wenig Einfluss auf die Sexualitรคt hat.

Wenn man schon mal Philosophie studiert hat, sollte man das auch mal anwenden โ€“ ich habe mich mit dem ganzen Stolzthema also intensiv auseinandergesetzt und bin zu folgendem Schluss gekommen:

Man kann stolz sein auf alles, mit dem man sich identifiziert.

Dieser Satz mag simpel wirken, sagt aber einiges aus. Man kann natรผrlich auf seine Leistungen stolz sein, weil man nun mal das unmittelbare Subjekt ist, das eine Aufgabe bewรคltigt hat. Ebenso kann man jedoch auf seine Kinder, seinen Bruder oder seine Mutter stolz sein, einfach weil man sich als Teil von etwas GrรถรŸerem betrachtet. Man kann sich deshalb mit Parteien, FuรŸballvereinen, Freundesgruppen und auch Lรคndern identifizieren. Selbst wenn diese Institutionen keine Fahnen besitzen, haben sie doch ihren eigenen Grรผndungsmythos und ihre eigenen Regeln und Umgangsformen.

In gewisser Weise trifft all das auch auf die Pride-Bewegung zu. Mit einem kleinen Unterschied: Wer sich mit seiner Familie, seinem Land oder seiner regionalen Heimat identifiziert, der ist auf die vielschichtigen Aspekte seiner Herkunft (zum Beispiel Sprache, Kultur und so weiter) stolz. Wer sich vollends mit einer Partei identifiziert, ist im schlimmsten Fall ein Ideologe, beim FuรŸballverein wahrscheinlich ein Prolet.

Derjenige aber, der sich mit seiner Sexualitรคt identifiziert, ist im wahrsten Sinne des Wortes queer, in seiner deutschen รœbersetzung. Ein Mann, dessen Identitรคt sich vollends auf seine Heterosexualitรคt stรผtzt, die er in Sprache, Kleidung und Verhalten auslebt, wรผrde nirgendwo, insbesondere nicht auf der โ€žPrideโ€œ, gefeiert werden und im besten Fall als chauvinistischer Macho gelten (denn Stolz jenseits der Pride ist immer und ausschlieรŸlich Chauvinismus; die Kausalitรคt muss auch hier noch geklรคrt werden). Stรผtzt sich die Identitรคt des Mannes jedoch auf irgendeine Sexualitรคt abseits der Norm, hat er anscheinend genug Opferpunkte gesammelt (oder Privilegien aufgegeben?), um sich das Stolzsein verdient zu haben. Das bedeutet รผbrigens nicht, dass Pรคdophilie auf der Pride willkommen wรคre. Die ist zwar irgendwie auch nicht der sexuellen Norm entsprechend, aber halt trotzdem bรถse. Pรคdophile kรถnnen zwar theoretisch auch nichts fรผr ihre Sexualitรคt, dennoch wรผrde ihnen selbst Conchita Wurst das Darauf-stolz-sein-dรผrfen absprechen. Damit kommt es auch nicht infrage, dass die angeborene Sexualitรคt per se auf der โ€žPrideโ€œ gefeiert wird.

Bist jetzt habe ich noch keine Antwort darauf bekommen, auf was die Mitlรคufer beim Pride Month eigentlich stolz sind.

Zelebriert wird der sexuelle Hedonismus und die geforderte Emanzipation aller unterdrรผckten, nicht mรคnnlichen Geschlechter jedenfalls immens. Nach Afghanistan wird trotzdem keiner der Demonstranten gehen, um gegen das frisch erlassene Gesetz der Burkapflicht fรผr Frauen zu demonstrieren. Denn das wรคre dann ja wieder die bรถse Art von Kulturimperialismus.

Was bleibt, ist die traurige Gewissheit, dass Trends aus den USA um jeden Preis gefolgt wird. Feststellen musste ich das schon, als sich 50.000 Menschen in Wien anlรคsslich einer Black-Lives-Matter-Demonstration versammelten. Gegen was da jetzt eigentlich demonstriert wurde (Polizeigewalt in ร–sterreich? Die Verschleppung und Versklavung von Schwarzen in ร–sterreich und die daraus folgende Diskriminierung?), konnte mir auch niemand so recht beantworten.

Fรผr das โ€žmomentane Dingโ€œ aus den USA kann letztendlich eben auch die Logik beiseitegeschoben werden. Mรผssen wir uns eben mal wieder damit begnรผgen, die besseren Argumente zu haben.

ABOS

Bรผcher

SPIELE