Berlin, Mรผnchen, Mannheim, Hannover, Baden-Wรผrttemberg, Nordrhein-Westfalen, Hessen wurden lรคngst von Migranten, hauptsรคchlich aus dem Nahen Osten und Afrika, รผberrollt. Schรถn, dass der patriotische Bรผrger, der noch immer der Meinung ist, dass man dem Warnhinweis auf dem Brandenburger Tor Folge leisten sollte, im schlimmsten Fall doch einfach nach Sachsen, Thรผringen und Brandenburg โauswandernโ kann. Seit Jahren gilt Mitteldeutschland als deutsches Rรผckzugsgebiet.
So ganz ist diese Hoffnung natรผrlich nicht begraben, und das Gebiet der ehemaligen DDR ist auch nach 30 Jahren โWiedervereinigungโ deutlich deutscher als der multikulturalisierte Westen. Doch wรคhrend dauerstolze Ossis (โIm Osten ist noch alles in Ordnung!โ) und dauerschlรคfrige Wessis (โMeinen Ruhestand verbringe ich dann in Sachsenโ) so vor sich hindeutscheln, hat auch in den Gebieten jenseits Osthessens die Transformation lรคngst angefangen.
In den letzten 14 Jahren hat sich der Auslรคnderanteil bei den jungen Erwachsenen (18 bis 29 Jahre) in Chemnitz beispielsweise versechsfacht. Doch nicht nur der Blick auf die drittgrรถรte Stadt Sachsens zeigt eine Trendwende, die schon lรคngst begonnen hat. Im gesamten Freistaat Sachsen hat sich die Zahl der Auslรคnder in allen Altersgruppen von 2011 bis 2021 etwa verdreifacht. 2011 lebten noch 2 Prozent Auslรคnder in Sachsen, jetzt sind es 5,7 Prozent. Treiber fรผr die Verรคnderungen sind hauptsรคchlich die Stรคdte. In Dresden leben mittlerweile knapp 10 Prozent Auslรคnder, in Leipzig 10,5 Prozent.
In allen โNeuen Bundeslรคndernโ hat sich der Anteil der Personen mit Migrationshintergrund ebenfalls drastisch erhรถht. Im beschaulichen Thรผringen hatten 2020 8,4 Prozent der Bevรถlkerung einen Migrationshintergrund. Hier hat sich der Wert innerhalb von acht Jahren verdoppelt. Vergleichbare Werte melden Brandenburg (9,1 Prozent), Sachsen-Anhalt (9,1 Prozent) und sogar Mecklenburg-Vorpommern (8,8 Prozent). In allen Lรคndern haben sich diese Zahlen ungefรคhr verdoppelt. Am Beispiel Leipzig mit 16,5 Prozent Migrationshintergrund zeigt sich, dass bald jeder Fรผnfte der Gesamtbevรถlkerung auslรคndische Wurzeln hat.

Geht man von konstanten Wachstumsraten (3,7 Prozent pro zehn Jahre) aus, liegt der Anteil der Auslรคnder in ganz Sachsen 2050 bei knapp 17 Prozent. Klingt wenig? Zum Vergleich: In Hessen befindet sich der Auslรคnderanteil aktuell bei 17,1 Prozent โ und jeder weiร, wie die hessischen Stรคdte und Ballungsgebiete aussehenโฆ Konstante Wachstumsraten sind aber aus drei Grรผnden unwahrscheinlich: Zum einen wandern noch immer viele Migranten in die Bundeslรคnder ein, zum anderen bekommen die auslรคndischen Frauen statistisch noch immer deutlich mehr Kinder als die deutschen Frauen. Drittens werden in rund zwei Jahrzehnten die geburtenstarken Boomer-Jahrgรคnge wegsterben, wodurch der relative Anteil der Auslรคnder und Deutschen mit Migrationshintergrund noch einmal deutlich steigen wird โ selbst bei gleichbleibendem Zuzug. Wer einen Blick in die Zukunft werfen will, muss nur einen Blick auf die jรผngeren Alterskohorten werfen. Und momentan sieht alles danach aus, dass sich der Osten genauso wie der Westen entwickeln wird. Nur mit 30 bis 40 Jahren Verzรถgerung.
Doch diese Prognose ist nicht in Stein gemeiรelt: Gerade die Bevรถlkerung im Osten hat verstanden, dass man politisch sehr wohl eine Trendumkehr herbeifรผhren kann. Warten wir ab, ob die AfD bald erstmals an der Regierung beteiligt sein wird; oder die CDU AfD-Positionen kopieren muss, um erfolgreich auf Stimmenfang zu gehen. Das Schlimmste, was jetzt passieren kann, ist, dass der Osten sich weiterhin auf seinem โstabilenโ Image ausruht und nicht begreift, dass ein Blick in den Westen nichts anderes ist als ein Blick in die eigene Zukunft.
