Das Land geht allgemein den Bach runter: Das eigene Volk wird รผberfremdet, die eigene Kultur verschwindet, die Gesellschaft ist zerbrรถckelt wie seit Langem nicht mehr โ von den restlichen, absehbaren materiellen Nรถten mal abgesehen. Aber immerhin, wer sich im besten Deutschland aller Zeiten seiner Ohnmacht bewusst wird und ob dieser langsam depressive Schwingungen zu verspรผren glaubt, kann sich bald auf ganz legalem Wege seine Sorgen mit THC betรคuben: Denn unsere groรartige Regierung macht jetzt Ernst mit der Legalisierung des Kifferkrauts.
Immerhin, sie hatte es versprochen โ seit Bestehen des Koalitionsvertrages wollte man die grรผne Pflanze mit dem unverwechselbaren Duftaroma erlauben. Fรผr mich war und ist die Legalisierung von Gras eines der nervigsten Themen รผberhaupt: erstens, da ich das Zeug noch nie geraucht habe (und auch nie rauchen werde, so hoffe ich), zweitens, weil es mir stets als unwichtiges Randthema vorkam โ das sollte es zumindest sein. Aber wie sollte sich der Umgang damit gestalten?
Unter Konservativen und auch in der AfD gibt es zwei Lager, die sich da gegenรผberstehen: einmal die Klassisch-Konservativen, die mit bestechend รผberzeugender CDU-Ausstrahlung das Verbot der Droge unterstรผtzen โ Kiffen macht dumm, es gehรถrt nicht zu unserer Alltags- und Feierkultur (im Gegensatz zu Tabak und Alkohol), es ist eine Einstiegsdroge, es macht dumm, damit bleibt es verboten, basta, keine Macht den Drogen!
Und dann gibtโs da die Liberalen, die eher in der Minderheit sind, die kein Problem mit Gras und der Aufhebung des Cannabis-Verbots haben; man kรถnne ja so mehr Steuern einnehmen (juhu!), die Droge ist eh nicht so schlimm und weit harmloser als Alkohol, und so weiter. Nun, beide Seiten waren mir nie sympathisch, muss ich gestehen, weil jene Konservativen mir immer den verknรถcherten Christdemokraten verkรถrperten, den es zu รผberwinden gilt, wรคhrend diese Liberalen mir stets degeneriert vorkamen.
Ich muss gestehen: Es gab eine Phase, als ich so zwischen 15 und 21/22 Jahre alt war, in der ich jegliche Rauschmittel (auรer Zucker, leider โ auch so ein Teufelszeug) abgelehnt habe: sowohl Alkohol als auch Tabak, von Gras ganz zu schweigen. Heute ist das anders, mittlerweile trinke ich den ein oder anderen Wein und Kurzen, und auch eine Pfeife oder eine Zigarre in geselliger Runde kann ich genieรen. Nur Gras, Gras widert mich immer noch an. Warum? Es kommt mir vor wie die letzte Stufe geistigen Verfalls. Die รsthetik allein stรถรt mich ab, und das ist fรผr mich mittlerweile der Hauptgrund, etwas zu mรถgen beziehungsweise nicht zu mรถgen โ deshalb lehne ich nach wie vor den Konsum von Zigaretten strikt ab, einfach weil es weder schรถn aussieht noch gut riecht.
Cannabiskonsum ist fรผr mich der Inbegriff des Dahinsiechens, des geistlosen Faulenzens โ wรคhrend im Gegensatz dazu das Paffen einer Zigarre fรผr geistvollen Mรผรiggang stehen kann. Ebenfalls mag ich keinen dumpfen Alkoholkonsum um des Saufens willen โ das Prinzip sollte klar sein. Wรคhrend also Tabak und Alkohol immerhin zwei Medaillenseiten aufweisen kรถnnen, kommt mir das bei Gras nicht so vor: Da habe ich nur das eine negative Bild im Sinn; nichts Wert- oder Geistvolles ist mir bekannt, das je mit Rauchen von Cannabis zusammenhing.

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Und seien wir ehrlich: Mag sein, dass das Grasrauchen keine kรถrperlichen Folgen hat โ zumindest keine direkten โ, aber der Zerfall, wie er bei รผbermรครigem Konsum einer jeden Droge droht, ist nicht zu leugnen: Keiner soll mir weismachen, dass regelmรครige Kiffer nicht langsamer und dรผmmer sind als der durchschnittliche Nichtkiffer. Gras vernebelt einem wortwรถrtlich das Hirn. Sowohl aus eigener Erfahrung als auch aus den Erfahrungen anderer ist mir klar, wie anstrengend regelmรครige Kiffer sind. Gewiss, diese Droge ist nicht gefรคhrlicher als andere Drogen, vielleicht sogar weniger gefรคhrlich, sofern man sie nicht regelmรครig nimmt, aber keiner soll behaupten, dass nicht auch hinter ihr ein Abhรคngigkeitspotenzial steckt.
Wie Sie sehen, lieber Leser, herrscht in mir ein persรถnlicher Groll gegen Gras. Aber verbieten und die Leute so radikal verfolgen, wie manch Konservativer es fordert? Das wรผrde ich nicht. In meinem Deutschland wรคre es aber auch nicht einfach geduldet oder gar legalisiert โ wie eine solche Legalisierung schiefgehen kann, hat der โSchattenmacherโ mal am Beispiel Kaliforniens aufgezeigt โ, bei mir wรคre es in der Schwebe: Gesellschaftlich definitiv verachtet, einige wenige Gestalten kann es meinetwegen geben, wenn es aber รผberhandnimmt, muss mal auf die Finger gehauen werden.
Fรผr ein allgemeines Hanfverbot wรคre es um die Pflanze zu schade, die doch so viel mehr zu bieten hat als die Kifferei. Man bedenke, wofรผr sie genutzt wurde und wird: Isolier- und Dรคmmstoffe, Kleidung und andere Textilien, Papier! Dafรผr sollte Hanf eingesetzt werden. Fรผr die paar Hanseln, die es dann trotzdem noch rauchen werden, ist es die Mรผhe nicht wert, gleich einen ganzen Polizeiapparat aufstellen zu lassen. Im Persรถnlichen gilt dennoch: Lasst das Kiffen am besten ganz sein und seid keine Lumpen. Dann raucht lieber mit Stil und gรถnnt Euch ein Pfeifchen!
