Buร- und Bettag? Ist das รผberhaupt ein richtiger Feiertag? Wenn mit der Frage gemeint ist, ob der Buร- und Bettag ein staatlicher Feiertag ist, so ist die Antwort seit 1995: Nein. Der Feiertag fiel der Sozialgesetzgebung, genauer gesagt der neu eingefรผhrten Pflegeversicherung zum Opfer, obwohl der Buร- und Bettag eigentlich eine lange Tradition aufweist, die bis in die Antike zurรผckreicht.
In der evangelischen Kirche wurde bereits 1532 der erste Bettag begangen, damals aufgrund der โTรผrkengefahrโ. Das ist auch die Idee, die hinter dem Buร- und Bettag steht: Ein freier Tag um Gott in Gebeten und Gottesdiensten zu bitten sich der Not eines Volkes zu erbarmen. Dies kann aus unterschiedlichen Grรผnden geschehen: aufgrund von Krankheit, Missernte, oder drohender Kriegsgefahr. In diesem Sinne hat der Feiertag im Zeitalter von grรผner Misswirtschaft, ominรถsen Pandemieplรคnen und entflammenden Krisenherden seine absolute Berechtigung. Auch die โTรผrkengefahrโ der Neuzeit findet heute gewissermaรen ihr รquivalent in im Islamismus, der leider nicht vor den Toren Wiens halt macht, sondern lรคngst in deutschen Innenstรคdten virulent ist.
Da ist hรถchste Zeit an die Verheiรungen aus der Bibel herauszuholen. Dort heiรt es:
โRufe mich an in der Not, so will ich dich erretten und du sollst mich preisen.โ
Psalm 50,15
Dieser Vers, den Christen auch die „Telefonnummer Gottes“ nennen, erรถffnet eine gute Perspektive fรผr schwierige Zeiten: Das Gebet. Das Rufen zu Gott. Beten heiรt: Zur Ruhe kommen. Schuld bekennen. รngste aussprechen. Sorgen ablegen. Vergebung empfangen. Zuversicht schรถpfen. Das Gebet verรคndert Dinge weil bei Gott jedes Gebet erhรถrt wird. Natรผrlich ist Gott kein Wunschautomat, aber es macht einen Unterschied, ob ich mit meinem Leid, meinen Sorgen und meiner Schuld alleine bin. Es macht einen Unterschied ob der Einzige, auf den ich mich verlassen kann, ich selbst bin, oder ob da jemand ist, der helfen kann.
Denn allein das Gehรถrtwerden und das Wissen, dass da jemand ist, gibt Hoffnung. Wer jemanden hat, bei dem er Schuld, Leid und Sorgen ablegen kann, geht aufrechter durchs leben. Mit anderen Worten:
โWer vor Gott kniet, kann vor jedem Menschen gerade stehen.โ

Nun mag der ein oder andere sagen: Sollten wir nicht lieber etwas tun? Ist beten nicht nur Zeitverschwendung? Eine lรคhmende Ablenkung? Dem sind zwei Dinge entgegenzuhalten:
1.) Es ist gar nicht so leicht am Bett eines todkranken Kindes, oder beim Warten auf einen Freund, der im Krieg kรคmpft, โetwas zu tunโ. Manche Mรคchte und Situationen entziehen sich einfach unserem unmittelbaren Einfluss. Sie liegen nicht in unserer Hand. Wie gut, wen wir den kennen, der alles in seiner Hand hat.
2.) Darf man mit Luther sagen:
โBete als ob alles arbeiten nicht nรผtzt, und arbeite als ob alles beten nichts nรผtztโ.
Absolute Gottzugewandtheit heiรt gleichzeitig ganze Hingabe an die Welt. Das klingt zwar paradox, ist aber letztlich wahr. Diejenigen, die wissen woher sie kommen und wohin sie gehen, die wissen auch, dass ihr Handeln wichtig und sinnvoll ist. Und wer das weiร, der packt an. Viele der tatkrรคftigsten Gestalten der Geschichte waren Glรคubige Menschen und Beter. Das gilt fรผr den Preuรenkรถnig Friedrich Wilhelm I. (mehr zu ihm in unserer 28. Ausgabe) bis hin zu Bismarck. Das Gebet ist gleichzeitig ein Ort des Mutschรถpfens und eine wertvolle Gelegenheit sich in Demut zu รผben, also kurz: Die perfekte Herrscherschule.
Es bleibt mir also an diesem Tag nur herzlich zu empfehlen, dass auch die Netzleser der KRAUTZONE wenigstens fรผr eine Stunde die Fenster der digitalen Welt schlieรen und – vielleicht bei einem kleinen Abendspaziergang – ins Gesprรคch mit ihrem Schรถpfer kommt. Oder am Abend des Tages die Knie beugt, die Hรคnde faltet und Gott um Vergebung, Kraft, Beistand und Segen fรผr unser Land bittet.

