Liebe KRAZ-Gemeinde,
Weihnachten ist ein heidnisches Fest. Diese Position vertrat zumindest eine Zusendung die jรผngst in meinem elektronischen Postfach landete. Die Grรผnde dafรผr wurden im rรถmischen Gรถtzenfest der Saturnalien gesehen, die zu einem รคhnlichen Zeitpunkt stattfanden und mit der konstantinischen Wende durch Weihnachten abgelรถst wurden. Auรerdem wurde das germanische Julfest angefรผhrt in welchem auch ein Nadelbaum eine besondere Rolle gespielt haben soll. Ich sehe mich leider genรถtigt zu sage: Ich stimme der Aussage absolut zu: Weihnachten ist ein heidnisches Fest!
Was mich zu diesem Urteil bewegt sind allerdings weniger die Saturnalien oder das Jul-Fest. Diese machen, ob sie nun einen Einfluss hatten oder nicht, das Christfest genauso wenig heidnisch wie der Pridemonth den Stolzmonat woke oder die Regenbogenfahne die Buchstabenmafia christlich macht. Mein Problem liegt nicht in der Vergangenheit, sondern eher in der Gegenwart. Heidnisch macht Weihnachten eher der „Gringe“ und Sendungen wie โWeihnachtsmann&Co KGโ oder der Brauch der Weihnachtswichtel, der neuerdings an Grundschulen aufkommt. Letzterer trรคgt natรผrlich nicht gerade zur religiรถsen Bildung der ohnehin groรteils sรคkularisierten oder muslimischen Schรผler bei.
Ein heidnisches Weihnachten zeigt sich in komplett entchristlichten โWintermรคrktenโ die mehr Traumfรคnger enthalten als Krippen oder Sterne. Zu diesem รคuรerlichen Heidentum einer mehr und mehr entkirchlichten und entchristlichten Gesellschaft kommt noch das innere Heidentum der Taufschein-Christen. Diese strรถmen bekanntlich an Weihnachten in die Kirchen, ohne allerdings ihre Kรถpfe, geschweige denn ihre Herzen wirklich dem Kind in der Krippe zu weihen.
Von der Huldigung der heidnischen Klimagottheiten, die diese durch den Klerus auch gerne von der Kanzel herab erhalten, ganz zu schweigen. Ja, Weihnachten ist ein heidnisches Fest geworden. Allerdings ist dies kein Grund zum verzagen. Immerhin schreibt der Apostel Paulus in Rรถmer 3,29:
โOder ist Gott allein ein Gott der Juden? Ist der nicht auch der Gott der Heiden? Ja, gewiss auch der Heiden!โ
Und รผber den Messias heiรt es bereits im Alten Testament in Jesaja 42,1:
โSiehe, das ist mein Knecht, den ich halte, und mein Auserwรคhlter, an dem meine Seele Wohlgefallen hat. Ich habe ihm meinen Geist gegeben; er wird das Recht unter die Heiden bringen.โ
Die Heiden sind also eine zentrale Zielgruppe in Gottes Heilsplan. In ihren Festen und Brรคuchen spiegelt sich letzten Endes auch die Sehnsucht nach dem Guten, Wahren und Schรถnen. Die Sehnsucht nach Gerechtigkeit und Ewigkeit. Letztendlich die Sehnsucht nach Gott. Obgleich diese sicherlich durch allerlei niedere Einflรผsse verfremdet ist, kรถnnen sie dem Schรถpfer der Welt mit ihren Brรคuchen, Erfindungen und Sehnsรผchten niemals zuvorkommen. Mit Worten aus Psalm 93,5-7:
โErzรคhlet unter den Heiden von seiner Herrlichkeit, unter allen Vรถlkern von seinen Wundern! Denn der HERR ist groร und hoch zu loben, mehr zu fรผrchten als alle Gรถtter. Denn alle Gรถtter der Vรถlker sind Gรถtzen; aber der HERR hat den Himmel gemachtโ
Das Christentum hat es schon einmal von einer jรผdischen Provinzsekte zur grรถรten und plausibelsten Religion der ganzen Welt geschafft. Die Tatsache, dass neue Formen des Heidentums um sich greifen, sollte uns nicht davon abhalten erneut unsere Zuflucht beim Schรถpfer und Heiland dieser Welt zu suchen. Dabei dรผrfen wir uns ruhig den Aufruf aus obigem Psalm zu Herzen nehmen und von Gott und seinem Handeln erzรคhlen. Weihnachten kann ein Anlass sein, mit der Familie die Weihnachtsgeschichte zu lesen und ein paar christliche Adventslieder zu singen. Auch den Besuch eines gehaltvollen Weihnachtsgottesdienstes kann ich dazu nur ans Herz legen.
Darรผber hinaus ist die Beschรคftigung mit der christlichen Symbolik von Weihnachten รผberaus lohnenswert. Wer weiร heute noch, dass der immergrรผne Weihnachtsbaum mit seinen roten Kugeln fรผr den Baum des Lebens steht? Wenn wir also unseren Weihnachtsbaum betrachten, dรผrfen wir an den Gott denken der seit Adam und Eva dem Menschen ewiges Leben schenken wollte und es am Kreuz von Golgatha (dem neuen Lebensbaum) auch getan hat. Auch die Sternsymbolik verweist auf den Kรถnigsstern, der die heidnischen Sterndeuter zu Jesus, dem neugeborenen Kรถnig, fรผhrte. Sie regt den Gedanken an, dass Gott selbst die Sterne gebraucht um uns Heiden zu seinem Sohn zu fรผhren. Bei den ganzen Kerzen, Lichtern und Leuchten dรผrfen wir an die Weihnachtsgeschichte nach Johannes denken, in der es von Jesus heiรt
โ… das Licht scheint in der Dunkelheit und die Dunkelheit hatโs nicht ergriffenโ
Johannes 1,5
Sie erinnern an Jesus als Licht der Welt, in aller Dunkelheit die uns umgibt. Sogar hinter dem kommerziellen Weihnachtsmann, steckt der fromme Bischof Nikolaus zu Myra der nicht nur fรผr seine Groรzรผgigkeit und Nรคchstenliebe bekannt war, sondern auch fรผr seinen Glauben einstand und gefoltert wurde wodurch er ein groรes Vorbild sein kann.ย
Letztendlich bietet das Weihnachtsfest also genug Stoff um รผber den christlichen Glauben zu sinnieren und zu sprechen. Schlieรlich ist es auch sehr unhรถflich eine Geburtstagsparty zu feiern ohne das Geburtstagskind einzuladen oder zumindest zu erwรคhnen und zu kontaktieren. Warum sollte man Jesus also von seinem Ehrentag ausschlieรen? Das Motto sollte, mit einem alten Kirchenlied eher sein:
Veni redemptor gentium โ Nun komm der Heiden Heiland!
Komm in unsre heidnische Welt.
Komm in unsre hellen Wohnzimmer.
Komm in unsre dunklen Herzen.
Komm, wir wollen mit dir deinen Geburtstag und unsre Erlรถsung feiern!
Amen.

