In Wien wurden letztes Wochenende an einem Tag fรผnf Frauen ermordet. Erst wurden eine 13-Jรคhrige und ihre 51-jรคhrige Mutter tot aufgefunden, am selben Tag erstach ein Mann drei Prostituierte. Damit sind innerhalb von 24 Stunden genauso viele Frauen in Wien getรถtet worden wie im gesamten Jahr 2023. Nach diesen grausamen Ereignissen hallt es aus allen Medienhรคusern: โFemizideโ nehmen รผberhand! Wer den Begriff googelt, wird Berichte รผber diese Taten von allen grรถรeren Zeitungen finden. An dem Begriff โFemizidโ habe ich mich schon รถfters aufgehangen. Er ist emotionalisierend, grรถรenwahnsinnig, faktisch falsch, verallgemeinernd und alles in allem ein linker Denkmantelbegriff, um ein Feindbild zu erzeugen. Aber fangen wir von vorne an.
1.) Emotionalisierend und grรถรenwahnsinnig
โGenozidโ reimt sich auf โFemizidโ. Zumindest ein bisschen. Ein Genozid erfolgt laut UN-Vรถlkermordkonvention โin der Absicht, eine nationale, ethnische, rassische oder religiรถse Gruppe als solche ganz oder teilweise zu zerstรถrenโ. Die feministische Soziologin Diana E. H. Russell verwendete den Begriff โFemizidโ erstmals beim Internationalen Tribunal gegen Gewalt an Frauen 1976. In ihrem Buch โFemicide in Global Perspectiveโ von 2001 definiert sie den Begriff als โdie Tรถtung von weiblichen Personen durch mรคnnliche Personen, weil sie weiblich sindโ. Was also soll ein Femizid sein? Nichts anderes als ein Vรถlkermord an Frauen. Die รhnlichkeit des Begriffs und die รberschneidung der Definitionen sind eine Anmaรung, die โFrauenโ als eine weltweite Opfergruppe inszeniert, die von den โMรคnnernโ systematisch ausgerottet werden soll.
Jeder weiร, dass ein Vรถlkermord das schlimmste Verbrechen an und von der Menschheit ist. Kein Wunder also, dass die Verwendung des Begriffs Reflexe auslรถsen soll, welche den ohnehin furchtbaren Mord an Frauen emotional auf die Stufe von Vรถlkermorden stellen.
2.) Faktisch falsch
Nicht einmal militante Veganer wรผrden behaupten, Kรผhe wรผrden geschlachtet, um Kรผhe zu schlachten. Sie werden geschlachtet, damit ihr Fleisch gegessen werden kann. Und ja, Frauenmorde finden mitunter statt, weil Mรคnner in patriarchalen Gesellschaften denken, Frauen seien Besitz oder der direkte Trรคger der mรคnnlichen Ehre. Dass Menschen eine patriarchale Gesellschaft oder das Macho-Denken an sich kritisieren und bekรคmpfen, ist vรถllig verstรคndlich und nachvollziehbar.
Es gibt Morde aus Eifersucht, religiรถs motivierte Morde, Ehrenmorde oder Morde aufgrund einer Verletzung des Ehrgefรผhls. Diese sind aber keine Morde von Mรคnnern an einer beliebigen Frau, sondern Morde von Mรคnnern an einer bestimmten Frau. Das Mordmotiv lautet in diesen Fรคllen โkrankhafte Eifersuchtโ, โEhrenmordโ oder โMord aufgrund der Verletzung des Ehrgefรผhlsโ. Sie werden in den meisten Fรคllen nicht ausschlieรlich an Frauen begangen, weil die Betroffenen Frauen sind oder aufgrund von Hass auf das โFrauseinโ.
Im Falle eines Anschlags islamistischer Attentรคter auf eine Kirche wรผrde man ja auch nicht von einem โChristozidโ oder รhnlichem sprechen, sondern von einem islamisch motivierten Anschlag.
Im Fall des Prostituiertenmords kann mutmaรlich davon ausgegangen werden, dass der Tรคter von den Prostituierten Ablehnung erfahren hat, sich in seiner Ehre gekrรคnkt fรผhlte und deshalb zum Messer griff. Im Fall des Mordes an der Mutter und der Tochter muss abgewartet werden, was die genauen Motive sind. Es ist stark fraglich, ob die Tochter รผberlebt hรคtte, wรคre sie ein Sohn gewesen. Morde an Frauen, weil sie Frauen sind, dรผrften einen so verschwindend geringen Anteil an den Morden in der Gesellschaft insgesamt ausmachen, dass die Prรคgung eines Begriffs eher ideologischer als faktischer Natur ist. Der Begriff verschleiert die Motive der Tat und verhindert so eine Aufarbeitung und Prรคvention.
3.) Verallgemeinernd
Alle โFemizideโ haben einen Tรคter: den Mann. Das Feindbild โMannโ ist ein inzwischen recht akzeptiertes. Dabei ist ein Mord aus Eifersucht etwas gรคnzlich anderes als ein Mord aufgrund der Verletzung des Ehrgefรผhls, obwohl beides als โFemizidโ gilt und der Tรคter in beiden Fรคllen meistens ein Mann ist. Natรผrlich kรถnnte man alle Morde dieser Art als Taten von โMรคnnernโ beschreiben, ein genauerer Blick erzeugt aber ein anderes Bild. Der Begriff โFemizidโ sorgt fรผr eine haarstrรคubende Verallgemeinerung von Taten, bei der kulturelle Unterschiede gezielt ausgeblendet werden.
Es sind dieselben Menschen, die โFemizidโ schreien und gleichzeitig verschweigen wollen, welche Herkunft Tรคter haben. Der mutmaรliche Mรถrder, der sich in Wien mit Schnittwunden und einem Messer nach der Tat in einem Busch versteckte, ist ein Afghane. Das รผbersteigerte Ehrgefรผhl von Menschen aus dem Nahen Osten wird hinsichtlich der Tat nicht diskutiert. Wรคhrenddessen gilt die nรผchterne Feststellung der Nationalitรคt des Tรคters bereits als rassistisch, die verallgemeinernde Beschreibung des Tรคters als โMannโ hingegen bestรคtigt das gรคngige Narrativ und ist gewรผnscht.
Der Begriff โFemizidโ verschleiert so wirkliche Motivationen, um abstrakte Feind- und Opferbilder zu erzeugen, die politisch opportun sind und in das Narrativ der โIntersektionalitรคtโ passen.
Begrifflich und definitorisch ist โFemizidโ nicht nur verallgemeinernd, sondern auch vรถllig unzureichend. Ist nicht jeder Frauenmord irgendwie ein Femizid? Die Analyse und die damit einhergehende Verhinderung von Frauenmorden ist richtig und wichtig. Abstrakte Verzerrungen wie das Wort โFemizidโ nรผtzen Frauen nicht. Sie schaden ihnen eher zusรคtzlich, indem sie wirkliche Motivationen ausblenden und eine tatsรคchliche Prรคvention damit unmรถglich machen.
