Das rheinland-pfรคlzische Innenministerium verรถffentlichte vor wenigen Tagen die polizeiliche Statistik politisch motivierter Straftaten (PMK) fรผr das Jahr 2023. Das Ergebnis: Sogenannte โHasskriminalitรคtโ soll um fast 100 Prozent von 434 auf 854 Vorfรคlle gestiegen sein. Mit dem Oberbegriff โHasskriminalitรคtโ werden alle Straftaten bezeichnet, bei denen sich ein Tรคter seine Opfer nach deren Zugehรถrigkeit zu einer gesellschaftlichen Gruppe aussucht. Zu den Merkmalen zรคhlen laut der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage von 2015 Nationalitรคt, Volkszugehรถrigkeit (!), Rasse (!), Hautfarbe, Religion sowie die sexuelle Orientierung.
Links- und rechtsmotivierte โHasskriminalitรคtโ verzeichnen einen vergleichbaren Zuwachs. Die Zahl rechtsmotivierter Straftaten stieg im Vergleich zum Vorjahr um 68 Prozent an, wรคhrend sich linksmotivierte Verbrechen um 62 Prozent erhรถhten. Die Problematik bei dieser Erfassung: Der Katalog rechtsmotivierter Vergehen ist weitaus umfassender als der linksmotivierter Vergehen.
So stellen Gesten wie der Hitlergruร, das Leugnen des Holocausts oder das Tragen bestimmter Symbole bereits rechtsmotivierte Straftaten dar, wรคhrend Linke in der Regel etwas โkonkreterโ werden mรผssen, um erfasst zu werden, zum Beispiel durch Vandalismus. Zudem kam es in einigen Bundeslรคndern vor, dass Hakenkreuzschmierereien auf dem Eigentum von AfD-Politikern den rechtsmotivierten Straftaten zugeordnet wurden, weil es sich um ein rechtsextremes Symbol gehandelt habe.
Auch werden immer wieder Fรคlle bekannt, in denen rechte Straftaten vorgetรคuscht werden. 2022 zum Beispiel wurde รถffentlich, dass die Neonazi-รbergriffe auf einen Lokalpolitiker der Grรผnen, Manoj Subramaniam, nur erfunden waren. Subramaniam behauptete seinerzeit, Rasierklingen steckten in seiner Post, auf sein Auto sei ein Hakenkreuz und das Wort โJudeโ gemalt worden, wรคhrend die Reifen aufgeschlitzt wurden. Auch Morddrohungen hatte er gefรคlscht. 2023 wurde er deshalb fรผr das Vortรคuschen von rechtsextremen Straftaten und die Verwendung von Kennzeichen verfassungsfeindlicher Organisationen verurteilt.
Das rheinland-pfรคlzische Innenministerium stellt auรerdem einen Anstieg von mehr als 400 Prozent bei Hasspostings fest. Betrug die Zahl abfรคlliger oder beleidigender Kommentare 2022 lediglich 73, erhรถhte sie sich 2023 auf 388. Ein Grund fรผr dieses Wachstum kรถnnte das restriktive Vorgehen des Landes gegen diesen Phรคnomenbereich sein. Im letzten Jahr fรผhrten das BKA und die Polizei umfangreiche Razzien gegen Hasskriminalitรคt im Internet durch. Von den bundesweit auf den Kopf gestellten Wohnungen entfielen mehr als zehn Prozent auf Rheinland-Pfalz. Wie das Landeskriminalamt mitteilte, wurden unter anderem Mobiltelefone und Festplatten beschlagnahmt. Gegen zwei Frauen und vier Mรคnner sei wegen Volksverhetzung sowie der โBelohnung und Billigung von Straftaten und Beleidigungenโ ermittelt worden. Dabei werden die polizeilichen Maรnahmen immer umfangreicher. Zum โ9. Aktionstag gegen Hasskriminalitรคtโ nahmen die Maรnahmen im Vergleich zum Vorjahr um fast 50 Prozent zu. Wรคhrend 2022 noch 90 Nutzer in Deutschland eine Hausdurchsuchung รผber sich ergehen lassen mussten, stieg die Zahl 2023 auf 150 Personen an.
