โAuferstanden aus Ruinen und der Zukunft zugewandtโ – so heiรt es bereits in der Nationalhymne der DDR. Deren Name โDeutsche Demokratische Republikโ war in รคhnlicher weise zutreffend wie es heute der Name FDGO fรผr Freiheitlich demokratische Grundordnung ist. Diese gilt es, nach Mainstream-Narrativ bekanntlich vor den Angriffen der bรถsen Rechten zu bewahren.
Bewahrt werden soll in Wirklichkeit allerdings nicht besonders viel. Dies zeigt sich deutlich in der Rhetorik linker Aktivisten wie Luisa Neubauer. Da ist eher die Rede vom โWandelโ und der โTransformationโ oder um einen beliebten Slogan zu bedienen ,der vielfach die Laternenpfosten deutscher Studentenstรคdte ziert, โSystem Change, not Climate changeโ. Aus den Ruinen der alten kapitalistischen und bรผrgerlichen Gesellschaft, soll endlich die schรถne neue klima- und geschlechtergerechte Welt auferstehen!
Soweit, so abgedroschen. Weltrettungsphantasien gibt es schlieรlich nicht erst seit Fridays fรผr Future, sondern auch schon bei Marx und sogar schon bei den revolutionรคren Wiedertรคufern, die im 16. Jahrhundert in Mรผnster ein neues Jerusalem grรผndeten. Die Geschichte eskalierte zunรคchst in ein tรคuferisches Terrorregime und endete mit einer Belagerung der Tรคuferhochburg durch verschiedene Fรผrsten. Blutbad und Massaker an den Revolutionรคren waren natรผrlich inklusive. Im besten Fall scheitern Weltrettungsphantasien einfach an der Realitรคt, im schlimmsten Fall enden sie in einem Gemetzel fรผr die eine oder andere Seite.
โSo ist das ebenโ sagt da der nรผchterne Konservative โdie Welt ist eben wie sie ist. Es wird immer Mรคchtige und Unterdrรผckte geben, Kriege und Konflikte, Morde und Ungerechtigkeiten.โ Sicher ist dem in gewisser Weise zuzustimmen. Und doch kann auch ein Konservativer die Welt nicht einfach so hinnehmen wie sie ist. Ohne Hoffnung und Idealismus wird ein Realist zum Zyniker. Und damit komme ich zur Botschaft von Ostern: Hoffnung. Ostern ist ein Fest indem es um die Hoffnung geht. Genauer genommen: Die Hoffnung auf Auferstehung.
Der Apostel Paulus schreibt in Rรถmer 8,24:
โWir sind gerettet auf Hoffnung hin.“
Die biblische Perspektive auf die Welt ist keineswegs eine romantische Schรถnmalerei. Immer wieder wird die Verlorenheit des Menschen ohne Gott erwรคhnt. Es wird geklagt รผber Ungerechtigkeit, Falschheit, Werteverfall und Unmoral. So heisst es etwa in Hesekiel 24,14-15:
โWenn der Tag anbricht, steht der Mรถrder auf und erwรผrgt den Elenden und Armen, und des Nachts schleicht der Dieb.โDas Auge des Ehebrechers lauert auf das Dunkel, und er denkt: ยปMich sieht kein Auge!ยซ, und verdeckt sein Antlitz.โ
Sein Finale findet das allerdings in der zurรผckliegenden Passionszeit und dem Tod Jesu. Im Bild des gekreuzigten Jesus findet sich die tiefe Verdorbenheit der Menschheit, die ihren eigenen Schรถpfer und Retter, einen offenkundig unschuldigen Heiler und Prediger auf bestialische Weise hinrichtet. Ein Bild des Spottes, des Neides, der Missgunst und der Bรถsartigkeit die tief im Menschen verwurzelt ist. Darin liegt das klare biblische โNeinโ zu einem positiven Menschenbild und zum Humanismus, egal ob linker oder rechter Coleur, begrรผndet. Ebenso aber auch das deutliche โNeinโ zur menschlichen Selbsterlรถsung. Weder kollektiv noch individuell. Weder im Namen der Gerechtigkeit, noch mit den Motiven Macht und Freiheit! Was bleibt ist einzig und allein die Hoffnung auf (externe) Erlรถsung. Keine Spekulation, sondern begrรผndete Hoffnung.
In der Person Jesu und seiner historisch bezeugten Auferstehung haben wir eine Grundlage fรผr die Hoffnung, dass unser Leben hier auf dieser Welt nicht alles ist. In Kreuz und Auferstehung Jesu kommt die Trias aus Hoffnung, Glaube und Liebe zusammen. Da ist die Grundlage fรผr Hoffnung auf unsere eigene Auferstehung und auf die Vergebung unserer Sรผnden durch Augenzeugenberichte von einem der fรผr uns gestorben und danach wieder auferstanden ist. Da ist das Angebot des Glaubens, der dieses Geschenk annimmt und Jesus konkret zu seiner eigenen Hoffnung macht.
Und da ist die Liebe, die aus der Dankbarkeit fรผr das Geschenk des Glaubens und der zukรผnftigen Auferstehung flieรt. Gott sagt in der Offenbarung des Johannes (Offenbarung 21,5):
โSiehe ich mache alles neu.โ
Das entlastet uns von der Aufgabe der Selbsterlรถsung und Weltrettung. Wer einen hat, auf den er hoffen kann, der hat eine Perspektive fรผr sich und diese Welt ohne Machbarkeitswahn. Gleichzeitig macht Hoffnung aber nicht weltflรผchtig, sondern welttรผchtig! Wer weiร, dass eines Tages alles gut wird, der muss sich nicht um sich selbst drehen oder in Panik erstarren. Er kann die empfangene Liebe weitergeben und in seinem Umfeld tรคtiger Zeuge der Hoffnung sein. Das ist die Botschaft von Ostern.

