Nicht schรถn aber teuer – diesen Eindruck bekommt man, wenn man das Gebรคude des europรคischen Parlaments in Straรburg besichtigt. Innen wird versucht mit bepflanzten Wรคnden eine Art Natur-Atmosphรคre im kargen Glasbau zu erwecken, was sich irgendwie nach Science-Ficiton-Dystopie anfรผhlt. Von Auรen sieht das Gebรคude aus wie der Turmbau zu Babel im berรผhmten Bild des niederlรคndischen Kรผnstlers Bruegel. In der biblischen Geschichte vom Turmbau ging es schlieรlich auch um internationale Einigung. Die Idee war es die Menschheit รผber ein riesiges Bauprojekt zusammenzuhalten und Gott im Himmel Konkurrenz zu machen. In der Bibel heisst es:
โWohlauf, lasst uns eine Stadt und einen Turm bauen, dessen Spitze bis an den Himmel reich, damit wir uns einen Namen machen; denn wir werden sonst zerstreut in alle Lรคnderโ
Genesis 11,4
Da klingt doch was durch von der Einheit der Vรถlker anhand der globalen Herausforderungen die bevorstehen oder? โLasst uns eine riesige Union samt teuren Organen errichten, sonst zerstreuen wir uns noch in Nationalstaaten!โ, kรถnnte der Ruf heute lauten. Das Ziel der Einheit kann man den EU-Fanatikern jedenfalls nicht absprechen. Nach der einheitlichen Wรคhrung und der einheitlichen Gurkenkrรผmmung soll am liebsten die Schuldenunion (eigentlich eh schon da) und schlieรlich der gemeinsame Staat kommen. In den Himmel aufsteigen und sich neben Gott setzen steht auch dieses Mal mit auf dem Plan. So wurde die europรคische Verfassung von vornherein ohne Gottesbezug verabschiedet und es gibt bereits die Forderung Herr รผber Leben und Tod zu spielen und vorgeburtliche Kindstรถtung als EU-Menschenrecht festzulegen. Als Christ kann man sich da schon fragen, wie lange Gott sich so etwas noch bieten lรคsst. In der Geschichte vom Turmbau reagiert er zumindest ziemlich lรคssig.
โDa fuhr der HERR hernieder, dass er sรคhe die Stadt und den Turm, die die Menschenkinder bautenโ
Genesis 11,5
An dieser Stelle hat Gott Humor. Die Bibel betont, dass er trotz Allwissenheit herunterfahren muss, weil er die Stadt vom Himmel aus leider nicht sehen kann. Damit wird die Nichtigkeit und Armseligkeit des menschlichen Hochmuts dargestellt. Der Turm ist so klein, dass Gott ihn von oben nichtย mal findet. Dann kommt er herab und verwirrt die Sprachen der Vรถlker. Dies war, nach dem Bericht der Bibel, der Ausgangspunkt der Vรถlker und Kulturen. Die Sprachverwirrung ist damit gleichzeitig eine Strafe und Einschrรคnkung Gottes um den menschlichen Ehrgeiz und Hochmut zu begrenzen, aber auch eine Chance fรผr die Entwicklung mannigfaltiger Kulturen.
Nach diesem Ereignis gelingt es allerdings niemandem mehr die ganze Menschheit zu vereinen. Es gibt immer wieder Herrscher die mรคchtig sind und viele Vรถlker beherrschen. Von den Babyloniern รผber die Perser, bis zu den Griechen und Rรถmern in der Bibel und bis zur EU und anderen Staatenbรผnden heute. Eine wirkliche Einheit ist allerdings trotz 27 Amtssprachen und Simultanรผbersetzung nicht in Sicht. Und damit kommen wir zur neutestamentlichen Antwort auf den Turmbau zu Babel und den aktuellen Feiertag: Pfingsten! An Pfingsten feiern wir Christen die Ausgieรung des Heiligen Geistes und die Entstehung der Christenheit. Der Geist Gottes kommt dort nรคmlich bei einem riesigen jรผdischen Fest durch einen Wind erstmals รผber die Apostel. Es wird berichtet:
โAls nun dieses Brausen geschah, kam die Menge zusammen und wurde bestรผrzt; denn ein jeder hรถrte sie in seiner eigenen Sprache redenโ
Apostelgeschichte 2,6
Der Heilige Geist stellt also wieder her, was die babylonische Menschheit in ihrem Hochmut verbockt hat: Einheit und Verstรคndnis zwischen Menschen unterschiedlicher Sprachen. Da wo Menschen Gott spielen wollten, folgte die Trennung und Demรผtigung. Da wo sie ihre Knie vor dem Himmlischen Herrscher beugen, schenkt er ihnen Einheit und Verstรคndnis durch seinen Geist.
Einheit ohne Gleichmacherei oder Zwang. Einheit in Unterschiedlichkeit, weil man im Wichtigsten verbunden ist. In Jesus. Das ist die Botschaft von Pfingsten.

