Am Montag jรคhrte sich der bis heute andauernde Gaza-Krieg zum ersten Mal: Am 7. Oktober 2023 fรผhrten Hamas-Kรคmpfer einen Terroranschlag auf israelische Zivilisten durch, nahmen 250 Menschen als Geiseln und verletzten mehrere Tausend weitere; infolgedessen reagierten die Israelis mit Vergeltungsmaรnahmen in Form der Verschรคrfung der Blockade des Gazastreifens und dem Start einer Bodenoffensive am 23. Oktober. Seitdem wurden dort fast 40.000 Menschen getรถtet und der Krieg auch auf die Nachbarstaaten ausgeweitet: Syrien, und erst in den letzten Tagen ebenfalls der Libanon, wurden Ziele von Luftangriffen, der Iran fรผhrte mehrere Raketen- und Drohnenangriffe auf Israel durch, die aber aufgrund des โIron Domesโ und anderer israelischer Luftabwehrsysteme weitestgehend erfolglos blieben.
Nun ja, wir haben also einen weiteren der bisher unzรคhligen Konflikte zwischen Israelis und Arabern, und wie immer hรคlt Israel militรคrisch die Oberhand, und im Grunde genommen kรถnnte das einem als Deutschem der dissidenten Rechten ziemlich egal sein โ wenn er nicht so eine รผbergreifende, geradezu nervige Rolle in der deutschen Innenpolitik spielte.
Die Nachkriegsdeutschen haben einen Knacks weg, das ist eine Binsenweisheit. Infolge von Reeducation und 68er-Bewegung hat man eine regelrechte Hitlerpsychose entwickelt โ und damit auch eine Form der Selbsterniedrigung und des Masochismus, der die katastrophalen Entwicklungen der letzten Jahrzehnte erst mรถglich machte und dazu fรผhrt, dass eine groรe Anzahl der Deutschen ihren eigenen Niedergang einfach hinnimmt oder gar beklatscht. Ein Teil der Psychose ist auch der Wille der โunendlichen Wiedergutmachungโ und eine Art Erhรถhung des Judentums: Aus dem Hass auf alles Jรผdische durch die nationalsozialistische Elterngeneration wurde eine groteske Form des Philosemitismus seitens der Jahrgรคnge ab circa 1940 und ihrer Nachfolger โ einer โnationalen Selbstverleugnungโ folgt schlieรlich eine sehr merkwรผrdige Nibelungentreue gegenรผber โden Judenโ, die im Staat Israel ihre Heimat wiedererlangt haben.
Man findet diese Leute heute vor allem im โkonservativโ-liberalen Lager von CDU und FDP sowie im medialen Bereich bei der Springer-Presse โ Mathias Dรถpfner etwa, der Vorstandsvorsitzende der Axel Springer SE, bezeichnet sich selbst als โnichtjรผdischen Zionistenโ, und der ehemalige โBildโ-Chef Julian Reichelt macht aus seiner bedingungslos proisraelischen Haltung keinen Hehl: Fรผr sie alle gilt die Parole โIsraels Sicherheit ist deutsche Staatsrรคsonโ.
Ihnen gemeinsam ist eine westdeutsche Biografie, eine transatlantische Treue, ein neokonservatives Weltbild und eine strikte Ablehnung prodeutscher Positionen, wie sie die AfD vertritt โ sie wurden erfolgreich โreeducatedโ. Ihr Pflichtgefรผhl Israel gegenรผber fรผhrt schlieรlich zu Forderungen wie der Abschiebung aller โJudenhasserโ โ also aller propalรคstinensischen Migranten. Ein gutes Beispiel fรผr die selbsterniedrigende Selbstverleugnung dieser Leute: Jahrelang waren besagte Migranten ein Problem fรผr Deutsche, aber kaum รคuรern sie sich falsch zu Israel, ist der Bogen รผberspannt. Ebenfalls in dieses Lager lassen sich die transatlantischen Teile der Grรผnen einordnen, die Israel ebenfalls zur Staatsrรคson machen โ wegen der Groรeltern. Doch gerade diese Haltung kรถnnte zu den jรผngsten Wahlmisserfolgen der Grรผnen beigetragen haben, insbesondere unter den jungen Linken. Dort dreht sich nรคmlich der Wind, lรคsst sich ein nicht geringer Teil der ehemaligen Fridays-for-Future-Kiddies heute nรคmlich dem Gegenlager zuordnen: den propalรคstinensischen Linken.
So war die FFF-Ikone Greta Thunberg am Jahrestag des Anschlages bei einer Pali-Demonstration in Berlin zu Gast. Mit ihr vereint: Ein Groรteil der (jungen) Linken. Sie sind antiimperialistisch, sehen in Israel einen Unterdrรผckerstaat und wollen Freiheit fรผr die Palรคstinenser. Sie haben ihre Wurzeln in den linken Bewegungen der 60er-Jahre, kรถnnen die Springer-Presse nicht ausstehen, haben aber ebenfalls einen tiefen Selbsthass implementiert bekommen โ auch sie wurden reeducated, jedoch mit anderem Ergebnis.
Man darf da den geschichtlichen Hintergrund nicht auรer Acht lassen: Die arabischen Gegner Israels wurden wรคhrend des Kalten Krieges von der Sowjetunion unterstรผtzt, eben weil sie den jรผdischen Staat als Kolonialstaat betrachteten; die westdeutschen Linken haben sich dem angeschlossen und pflegen seitdem eine enge Zusammenarbeit mit arabischen Gruppen. Fรผr sie ist die deutsche Regierung wieder dabei, einen historischen Sรผndenfall zu begehen, indem sie den Genozid der israelischen Regierung an den Palis unterstรผtzt โ und ist damit nicht besser als die Nazis. รbrigens: Wenn man als Deutscher sich propalรคstinensisch positioniert, steht man ebenfalls in der Tradition der Nazis, zumindest in den Augen von Springer: Man stellt sich ja damit gegen den einzigen jรผdischen Staat!
Schon erstaunlich, wie wahnsinnig alle geworden sind, nicht? Was bleibt einem da nur รผbrig? In dem Falle: Neutralitรคt. Israel ist zwar dabei, zu gewinnen, wird aber international immer weiter isoliert. Es kรคmpft zwar gegen die Islamisten, die auch uns feindlich gesinnt sind, aber macht es das gleich zum Freund? Was haben die Israelis je fรผr uns getan? Auรer vielleicht den Nahen Osten immer weiter zu destabilisieren, so dass sich noch mehr Araber nach Europa aufmachen? Und die Araber: Sie mรถgen den modernen Westen nicht, genauso wie wir, kรถnnte man meinen. Aber sind sie deswegen unsere Freunde? Vergessen wir nicht, dass sie Israel und Amerika nur deswegen hassen, weil sie sie als weiรe Kolonialstaaten ansehen, weil sie Weiรe โ und damit uns โ hassen. Da kann man nur sagen: Halten wir uns raus. Das ist gewiss nicht unser Kampf!

So unerfreulich das Geschehen in Nahost auch ist: Daร sich die Lรผgen des Haltungskartells anfangen selbst zu zerlegen bietet allemal eine gewisse Genugtuung. Diesen Vorteil gilt es zu nutzen um unterdessen die eigene Position zu stรคrken.
Es ist wunderbar, wenn die Neo-Marxisten sich deswegen aufspalten und es mehr allgemeine Abneigung gegenรผber Linken deswegen gibt. Diese innerlinke Debatte, wer nun der bessere Beschรผtzer von „Unterdrรผckten“ ist, geht halt immer noch nicht an die Wahrheit, dass wir uns zuerst selbst schรผtzen mรผssen.
Ich wรผrde hierbei dringlichst empfehlen, nachzutreten bei denen, die versuchen, die Linken durch mehr Selbsthass auf die Deutschen zu einigen. Ich meine, Bรถhmermann und Bosetti und andere der antideutschen Linken in den Medien versuchen das im groรen Stil, indem sie sagen: „Fokussieren wir uns lieber auf das Wichtige: Wir Deutschen sind scheiรe und empathielos und schuld und haben keine Ahnung รผber das Thema und sollten uns selbst geiรeln.“
Diese Linken wรผrden jeden letzten Deutschen opfern, um fรผr ihre bรถsartige Form von Genugtuung zu sorgen. Es muss ihnen durch ihr Weigern einer Parteiergreifung gesagt werden, dass sie deswegen mitverantwortlich am Genozid einer der beiden Seiten sind (was gerade besser passt) und dass sie Wendehรคlse sind.