Ich gebe zu, in meinen Kolumnen lasse ich meistens kein gutes Haar an der AfD, und das hat, wie Sie, lieber Leser, ja wissen, auch seine guten Grรผnde. Doch dieses Mal mรถchte ich die einzige relevante Oppositionspartei, die wir in der BRD haben, auch mal loben. Ja, wirklich! Zumindest die Landtagsfraktion aus Sachsen-Anhalt hat sich meines Erachtens positiv hervorgetan und ein รคuรerst wichtiges kulturpolitisches Thema in den Landtag von Magdeburg gebracht: die Neubewertung der Geschichte des Bauhauses.
Das Bauhaus, gegrรผndet von Walter Gropius im Jahre 1919 in Weimar, war eine Kunstschule, die einen groรen Einfluss auf die moderne Kunst und Architektur des 20. Jahrhunderts ausรผbte; die Ideen des Walter Gropius und seiner Mitstreiter โ Rationalismus und Funktionalitรคt im Bauen und Designen โ sind mitverantwortlich fรผr die Hรคsslichkeit in der modernen Welt. Nachdem die damalige nationalkonservative Thรผringer Landesregierung, die nach den Wahlen von 1924 zusammentrat, die staatlichen Mittel fรผr die Bauhรคusler kรผrzte, zogen diese 1925 in das anhaltische Dessau um. Und dieser Umzug in das heutige Sachsen-Anhalt soll nรคchstes Jahr groร in Dessau gefeiert werden โ eine Stadt รผbrigens, die nicht zuletzt durch den direkten und indirekten Einfluss der Bauhaus-Schule grรถรtenteils eine graue Beton-Einรถde ist.
Die AfD-Fraktion in Sachsen-Anhalt hat dieses Problem der modernen Architektur nun direkt angesprochen. Dass die linken Medien darรผber nicht gerade erfreut sind, ist selbstverstรคndlich. Die โSรผddeutscheโ schreibt zum Beispiel:
โKommendes Jahr feiert Dessau 100 Jahre Bauhaus โ die rechtsextremistische AfD sieht im Unesco-Weltkulturerbe โEinheitsbreiโ und historische Bausรผnden.โ
Das Framing dahinter stinkt zum Himmel: โSieh herโ, sagt die Schlange in Journalistenform der lesenden Eva, โdas ist UNESCO-Weltkulturerbe, dadurch muss es gut sein! Und die AfD ist rechtsextrem und damit sowieso bรถse, halt dich also bloร fern!โ Schlieรlich geht es hier um das โBauhaus-Erbe, das weltweit als Ikone der modernen Architektur bewundert wirdโ โ ja, entweder von letzten Menschen ohne Geist oder von Menschen, die es besser wissen und es sich nicht eingestehen wollen, da ja man in der modernen Welt Bauhaus toll finden muss. Immer wenn bei einer Unterhaltung das Thema Bauhaus aufkam und ich mit meiner Ansicht zu diesem Thema nicht hinterm Berg halten konnte, gaben viele Gesprรคchspartner nach anfรคnglichem Widerstand zu, dass auch sie das Bauhaus โnicht so toll findenโ โ nur wenige verteidigten es aus wirklicher รberzeugung heraus, und die wurden nie meine Freunde.
Zurรผck zum AfD-Antrag: Die Partei wolle eine โeinseitige Glorifizierungโ verhindern, heiรt es. Die โSรผddeutscheโ bezieht sich dabei spรคter auf die Direktorin der Stiftung Bauhaus Dessau, Barbara Steiner:
โ[Sie] sagte auf Anfrage der Sรผddeutschen Zeitung, ein kritischer Diskurs รผber die historische Bedeutung des Bauhaus-Erbes sei notwendig und Selbstverpflichtung der Stiftung, man werde gewiss keine โeinseitige Glorifizierungโ vornehmen.โ
Ich weiร ja nicht: Eine konservative Kritik des Bauhauses kommt im รถffentlichen Diskurs nicht vor, und ich, der ja im mitteldeutschen Raum beheimatet bin, sehe, sobald das Thema in der รffentlichkeit auftaucht, eine durchweg positive Rezension desselben. Kritik aus konservativer Perspektive muss ja nicht so polemisch formuliert sein wie eine Kolumne bei der KRAUTZONE โ auch wenn ich mir das sehr schwer vorstellen kann. Jedenfalls wird das Bauhaus wirklich รผberall als ach so groรe Errungenschaft gefeiert, dass es mir schon wehtut. Die Sรผddeutsche Schlange zischelt mit einem Argument weiter, genauso rationalistisch und funktional wie der Beton, den Gropius fรผr seine Schandtaten hat verbauen lassen:
โDie Bauhaus-Gebรคude in Dessau ziehen jรคhrlich weit รผber hunderttausend Menschen aus aller Welt an. Gรคbe es diese Bauten nicht, wรผrden der Tourismus in Stadt und Land, und damit die Menschen vor Ort, wesentliche wirtschaftliche Einbuรen erleiden.โ
Der kolumbianische Philosoph Nicolรกs Gรณmez Dรกvila sagt einmal in einem seiner berรผchtigten Aphorismen: โDer Barbar zerstรถrt nur, der Tourist entweiht.โ Und was, wenn es nichts mehr zu entweihen gibt und es nie etwas zu entweihen gab? Immerhin das muss ich dem Bauhaus lassen. Dennoch, das Tourismus-Argument รผberzeugt mich gerade nicht. Und ich halte jede Wette, dass weitaus mehr Touristen nach Dessau kรคmen, hรคtte es eine historische Altstadt samt Schloss und Kirche โ die dann tatsรคchlich entweiht wรผrden.
Einen letzten Tropfen Gift hat die Schlange am Schreibtisch, die sich da Journalist nennt, noch parat: Die Bauhรคusler, die Armen, wurden vom Nationalsozialismus verfolgt und vertrieben! Gewiss, einige wenige haben auch mit dem Bรถsen paktiert (die Auseinandersetzung damit ist bestimmt der โkritische Diskursโ, den die Frau Direktor Steiner vorhin meinte), aber die meisten wurden Opfer des Regimes von Adolf Hitler. Welch ein Geschenk, mรถchte man fast meinen, jedenfalls nimmt die Reputation des Bauhauses daran keinen Schaden, im Gegenteil, ein weiterer Grund ist das, sie zu feiern. Und es wird noch besser: Schlieรlich kann die Schlange nun zรผngeln: โWillst du wirklich so gegen das Bauhaus polemisieren? Das haben die Nazis schlieรlich genauso gemacht!โ So deutlich wird sie es nie aussprechen, wenn die Schlange schlau ist, aber letzten Endes meint sie es so und will somit jeden, der Gropius und Co. schlecht findet, in ein braunes Licht rรผcken. Denn mit polemischer Bauhauskritik hat es damals auch angefangen!

โDie Bauhaus-Gebรคude in Dessau ziehen jรคhrlich weit รผber hunderttausend Menschen aus aller Welt anโ
Ein Klacks gegenรผber den unzรคhligen Millionen die sich Rothenburg, Heidelberg, Quedlinburg, Bamberg, Celle, Prag, Edinburgh, Bern, Marburg, Esslingen, Weimar,.. ansehen. Die Abstimmung der Mehrheit mit ihren Fรผรen ist eindeutig.
Aber das ist nunmal das altbekannte Defizit aller weltverbesserten Utopisten: In all ihrer Begeisterung รผber ihre visionรคren Tollereien รผbersehen sie vollstรคndig den Menschen der darin leben soll.
Das Bauhaus wird nicht gefeiert, weil es jedem gefallen muss, sondern weil es ein prรคgender Teil unserer Geschichte ist. Die Ablehnung von Kultur und Geschichte, die nicht ins eigene Weltbild passt, ist hingegen ein typisches Muster in extremistischen Kreisen. Statt Geschichte zu leugnen, sollten wir uns fragen, warum bestimmte Stile und Ideen in ihrer Zeit relevant waren โ unabhรคngig von heutigen Geschmacksmustern.
Ich gebe zu, dass ich es als unglรผcklich empfand, dass die AFD mit dem Bauhaus hadert (Details des Themas hatte ich mir erstmal nicht angesehen, habe nur die Aufregung im Radio mitbekommen). Es macht es den AFD Gegnern einfach, einen Zusammenhang zwischen Bauhaus Kritik der Nazis und der AFD herzustellen. Das ist Munition die man dem politischen Gegner ja nicht in die Hand drรผcken muss. Auรerdem erhoff(t)e ich mir von der AFD auch, dass sie sich eben nicht an der Geschichtskorrektur beteiligt, die maรgeblich von Links / Progressiven Parteien getrieben wird. Man muss natรผrlich nicht alles toll finden was historisch entstanden ist aber es sollte wenn mรถglich genau so stehen bleiben, um Reflektion zu erlauben. Das ist doch das Schรถne und Wichtige am Erhalten historischer Aspekte. Man kann eine Zeitreise machen (sich auf den historischen Kontext einlassen) und man kann reflektieren รผber damalige und heutige Bedeutung etc. Das ‚Bewahren‘ solcher Dinge sollte der Kern einer konservativen Partei sein.