โWas fรผr eine Woche, was?โ, fragt Captain Haddock. โCaptain, es ist gerade mal Mittwochโ, antwortet Tim. Diese zwei Sรคtze, die den berรผhmten Figuren des belgischen Comics โTim und Struppiโ in den Mund gelegt sind, dienen der รผberspitzten, humoristischen Darstellung von Mรผdigkeit und รberforderung. Doch nach dem letzten Mittwoch war man tatsรคchlich berechtigt, zu fragen: โWas fรผr eine Woche, was?!โ Erst gewann Trump die Wahl in den Vereinigten Staaten, und als wรคre das nicht schon Trubel genug, ging am Abend auch noch die Ampel kaputt. Das wurde aber auch Zeit! Wie Kollege Fechter bereits berichtete, traten alle FDP-Minister aus der Regierung aus oder wurden von Scholz rausgeworfen โ also, alle bis auf einen: Volker Wissing war der Posten als Verkehrsminister lieber als die Partei, und er trat deshalb aus der FDP aus, was vermutlich seine ehrlichste Handlung als Politiker war.
Mittlerweile ist auch bekannt, wann Neuwahlen stattfinden sollen, sollte der Kanzler an der Vertrauensfrage scheitern: Am 23. Februar 2025 wรผrden die Bรผrger der Bundesrepublik zur Wahl gerufen. Das ist kein schlecht gewรคhltes Datum: Es ist nicht so lange hin wie die vorher im Raume gestandenen Termine im Mรคrz, allerdings schon mehrere Wochen nach einer wahrscheinlich unruhig werdenden Silvesternacht, die einem die Umfragewerte und das Wahlergebnis versauen kรถnnen; auรerdem kann man als Regierungsmitglied ab Januar 2025 Pensionsansprรผche stellen.
Also, die alte Regierung wird bald weg sein, was bringt die neue? Vorneweg: nichts Neues. Es wird alles mehr oder weniger gleich weitergehen. Es ist vollkommen egal, welche der Altparteien die Regierung รผbernehmen und bilden wird, der Kurs gen Niedergang ist festgelegt. Daher sind alle sinnvollen รberlegungen hinsichtlich der Mรถglichkeiten einer Regierungskoalition ab 2025 rein strategischer Natur. Welche Regierung kรถnnte uns als rechte Opposition nutzen? Es sollte zudem klar sein, dass eine Regierungsbeteiligung der AfD nach der kommenden Wahl noch vollkommen ausgeschlossen ist. Nicht nur, weil die anderen Parteien nicht mit ihr regieren wollen, sondern weil die AfD selbst gar nicht regieren will.
Der einzige mรถgliche Koalitionspartner wรคre die CDU unter Merz, genau die CDU, die fรผr so viel Schlechtes in diesem Lande verantwortlich ist. Da mรผsste man seitens der AfD Kompromisse eingehen, die schlicht untragbar sind, wichtige Programmpunkte aufgeben, die einfach nicht verhandelbar sind. Wenn es die AfD je wagen sollte, sich auf diese Leute einzulassen, dann allein zu ihren Bedingungen, dann muss die CDU auf den Knien betteln. Doch davon sind wir leider noch weit entfernt.
Tatsรคchlich wรคre das Beste eine schwarz-grรผne Koalition mit Merz als Kanzler. Das Problem an der Ampel war vor allem, dass die CDU unter dem sauerlรคndischen Scharlatan alles Schlechte in diesem Land der Ampel in die Schuhe schieben konnte. Dass die CDU fรผr den Niedergang im groรen Maรe mitverantwortlich ist, konnte ein Friedrich Merz mit seiner โHarter Hundโ-Performance geschickt vergessen machen. Da sagt man schnell mal was gegen die Grรผnen und ihre Misswirtschaft und gegen die kleinen Paschas auf dem Schulhof, und schon hat man sich als Hardliner (der aber bloร kein bรถser โNaziโ ist) etabliert. Doch wie soll man den Hardliner spielen, wenn man nicht nur mit den Grรผnen ins Bett geht, sondern auch noch selbst am Drรผcker ist?
Markus Sรถder zum Beispiel kann eine Koalition mit den Grรผnen nicht mehr ausschlieรen, Merz wird ihm bald folgen. Aufhalten kรถnnen den Niedergang allerdings beide nicht, es wird so weitergehen, und da wird der Wรคhler hoffentlich, endlich der CDU den Laufpass geben, und mit etwas Glรผck erleben wir mal wieder Parteiensterben von seiner schรถnsten Seite. Der Worst Case dabei wรคre, dass davon eher eine sich scheinbar wieder profilierende SPD profitieren kรถnnte. Und seien wir ehrlich: Wer die Merkel-Untaten (oder vielfach Nichttaten) vergessen hat, der kann auch Scholzens und Merzens Untaten vergessen.
Immerhin: Die unselige Ampel ist erst mal weg, die FDP ist hoffentlich bald Geschichte (auch dies: Parteiensterben von seiner schรถnsten Seite), und die CDU kann sich mit der nรคchsten Regierung ordentlich ins eigene Fleisch schneiden. Ansonsten braucht uns die Wahl nicht zu interessieren; beim Kreuzsetzen jedenfalls brauche ich nicht zu รผberlegen, dafรผr brauche ich keinen Wahlkampf oder รคhnlichen Schnickschnack. Und schlieรlich muss es nach jeder Talfahrt ein Bergauf geben. Fragt sich eben nur, wie tief das Tal ist…

Ich bin der selben Meinung grundsรคtzlich. Nur, dass ich nicht an eine neue Bergfahrt glaube. Das ist fast faktisch ausgeschlossen angesichts unserer Geburtenrate und der millionenfachen Kindstรถtung der letzten Jahrzehnte. Fรผr eine Bergfahrt braucht man junge Menschen, genauer: starke, junge Mรคnner. Die haben wir kaum noch. Und damit erledigt sich ALLES. Insofern ist das Tal tatsรคchlich fast unendlich tief. Egal, ob wir mit einem Merz oder einer Weidel rodeln. Die Richtung ist klar. Zeit fรผr Transzendenz wรผrde ich sagen. Die Friedhรถfe werden voll werden. Und vielleicht und hoffentlich noch die Kirchen. Man wird sehen.
Nach der Ampel ist vor der Ampel. Dieses Land ist nicht mehr zu retten. Wer glaubt, dass mit Friedrich Merkel sich etwas รคndert, kรถnnte sich auch direkt Angela Merz wieder wรผnschen. Diese Hanswรผrst*innen sind austauschbar. Braun, Rot, Grรผn, der Ungeist ist der Gleiche. Die sozialistische Volksfront von CDU/CSU, SPD, FDP, GRรNE, LINKE und BSW sind ein รคhnliches Konstrukt, wie die damalige SED mit ihren Blockparteien (diese Konstruktion hieร รผbrigens witzigerweise „Nationale Front“).