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Trump ist wieder da

22. Januar 2025
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Er ist wieder zurรผck: Die Amtseinfรผhrungszeremonie ist vollbracht, Donald Trump ist nun seit Montag offiziell der 47. Prรคsident der Vereinigten Staaten von Amerika, nachdem er dieses Amt in den vier Jahren zwischen 2017 und 2021 bekleidet hatte. Was heiรŸt das nun? Sind wir so was von zurรผck? Immerhin, wenn man sich die Gรคsteliste anschaut, sieht das gar nicht mal so schlecht aus: Kein offen linker Regierungschef war geladen (zumindest keiner aus dem Westen), stattdessen durften Staatsfรผhrer wie Viktor Orbรกn, Benjamin Netanjahu oder Giorgia Meloni nach Washington, D. C. kommen.

Von denen kann man halten, was man will โ€“ ich bin bei Weitem kein groรŸer Fan von diesen drei Leuten โ€“, aber es scheint mir eine angenehmere Gesellschaft zu sein als etwa die eines Keir Starmer, Emmanuel Macron oder Olaf Scholz. Von ihnen war keiner geladen, was wohl als ein deutliches Signal gewertet werden kann โ€“ der neue US-Prรคsident verzeiht ihnen ihre belehrende Polemik nicht.

Stattdessen lieรŸ Trump deren politische Gegner zu sich kommen: Nigel Farage aus GroรŸbritannien, ร‰ric Zemmour aus Frankreich (nicht aber die sich dem Establishment anbiedernde Marine Le Pen) und Vertreter der AfD: Tino Chrupalla, Beatrix von Storch und Jan Wenzel Schmidt. Alice Weidel, die vor knapp zwei Wochen ein eher medienwirksames als interessantes Gesprรคch mit Elon Musk gefรผhrt hatte, erhielt zwar auch eine Einladung, kam aber aufgrund des Wahlkampfes in Deutschland nicht.

Neben AfD-Politikern waren auch zwei CDU-Delegierte sowie der deutsche Botschafter in Washington, der den Grรผnen nahestehende Andreas Michaelis, zu Gast. Rechte Politiker aus kleineren europรคischen Staaten, wie die Vorsitzenden der belgischen Vlaams Belang oder der spanischen Vox-Partei, flogen ebenfalls รผber den Atlantik: Die neue Trump-Administration scheint ihre Sympathien fรผr die nationalen und rechten Oppositionsparteien nicht zu verbergen, was ein wichtiges Signal fรผr Europa ist. Ob man nun ein Freund der Amerikaner ist oder nicht โ€“ ich fรผr meinen Teil bin es ja eher nicht โ€“, รคndert nichts an der Sache, dass Unterstรผtzung oder zumindest Wohlwollen seitens der Vereinigten Staaten einen nicht geringen Beitrag zu einer mรถglichen schicksalhaften Wendung der europรคischen (Migrationsโ€‘) Politik haben wird.

Doch auch die amerikanischen Gรคste des alten neuen Prรคsidenten sind es wert, betrachtet zu werden. Da wรคren natรผrlich die Politiker des US-amerikanischen Establishments und Trumps noch lebende Amtsvorgรคnger, aber auch jede Menge Leute aus der Wirtschaft. Allen voran der grรถรŸte Fan Trumps unter den reichen Mรคnnern, Elon Musk, der mit einer โ€“ sagen wir โ€“ merkwรผrdigen Geste von sich reden machte und die Linken in Hysterie versetzte.

Aber auch Jeff Bezos, Tim Cook und Mark Zuckerberg waren anwesend, alles Leute, die, wenn sie nicht feindlich gesinnt waren, sich doch zumindest nie positiv zu Trump รคuรŸerten. Bill Gates, einer der grรถรŸten Unterstรผtzer der Demokraten und einer progressiven Technokratie, zeigte sich nach einem dreistรผndigen Abendessen mit Trump, das wenige Tage vor der Amtseinfรผhrung stattfand, โ€žehrlich beeindrucktโ€œ von ihm. Es stellt sich die Frage, was das zu bedeuten hat. Nun, da gibt es nur zwei Mรถglichkeiten: Entweder kuschen sie alle vor dem neuen Machthaber โ€“ das wรคre nichts Ungewรถhnliches fรผr Unternehmer, CEOs oder ร„hnliche, denn Anpassung sichert das wirtschaftliche รœberleben, und es wรคre zudem gut fรผr uns โ€“ oder sie werden sich zu unseren Ungunsten arrangieren.

Mit Amรผsement und Schadenfreude darf man auch die Reaktionen der Linken allerlei Couleur betrachten โ€“ die โ€žtazโ€œ schrieb vom Grauen in Hรผlle und Fรผlle, welche Trumps erste Amtshandlungen verursacht hรคtten. Allein das Dekret, dass die US-amerikanischen Behรถrden ab sofort nur noch zwei Geschlechter anerkennen werden, sorgte beim politischen Gegner fรผr Hysterie und Schnappatmung. Doch das war bei Weitem noch nicht alles: Die USA werden demnรคchst aus dem Pariser Klimaabkommen aussteigen und sich aus der WHO zurรผckziehen.

An der Grenze zu Mexiko hat Trump den Notstand ausgerufen, um besser gegen die illegale Massenmigration aus dem Sรผden vorgehen zu kรถnnen โ€“ was den Einsatz von US-Truppen miteinschlieรŸt โ€“; im selben Atemzug wurden die Drogenkartelle jenseits des Rio Grande zu โ€žauslรคndischen Terrororganisationenโ€œ erklรคrt. Gleichzeitig seien wohl groรŸe Abschiebeaktionen in Planung, um der Millionen illegaler Migranten im Lande Herr zu werden. In den US-Behรถrden wird, sollte Trump seinen Willen umsetzen kรถnnen, bald ein anderer Wind herrschen: Zehntausende Beamte sollen entweder ausgetauscht oder ihnen gar ganz gekรผndigt werden. Das klingt danach, als wolle der neue Mann im Oval Office grรผndlich aufrรคumen. Mรถge es zu unserem Vorteil sein.

Ach, noch ein Letztes zu Musk: Der Mann zeigte natรผrlich nicht den HitlergruรŸ โ€“ noch vor zwei Wochen stimmte er Weidel mit ihrer zweifelhaften Aussage, Hitler sei โ€ža communist, socialist guyโ€œ gewesen, zu. Vielmehr sollte diese Geste, die รผbrigens eher wie ein halbherziger oder leicht verkรผmmerter Rรถmischer GruรŸ aussieht, seine Aussage โ€žMy heart goes out to you!โ€œ (โ€žMein Herz geht hinaus zu euch!โ€œ) unterstรผtzen.

Fรผr die Linken reicht das allerdings vollkommen aus, um durchzudrehen. Auch das kann man ruhig mit einem vergnรผgten Schmunzeln hinnehmen. ย 

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  1. So sehr ich die meisten Beitrรคge der Kraut-Zone schรคtze – auch diesen – um so mehr stรถren mich allerdings pauschale Aussagen wie „Ob man nun ein Freund der Amerikaner ist oder nicht โ€“ ich fรผr meinen Teil bin es ja eher nicht“. Denn wer sind fรผr Sie „die Amerikaner“ ? Man kann sicher deren Regierung oder auch deren gesamtes Establishment ablehnen – aber „die“ Amerikaner insgesamt ? Man denke nur mal an unsere Situation: BloรŸ weil es qua allierter Umerziehung gelungen ist „die“ Deutschen bis heute in Sack und Asche den moralisierenden Zahlmeister fรผr das Weltprekariat spielen zu lassen, mรถchte ich nicht gern als „der Deutsche“ fรผr den Schwachsinn unserer Regierungen verantwortlich gemacht werden. Ich bilde mir aufgrund sehr langer Berufserfahrung mit und in US-Firmen ein die Mentalitรคt „der“ Amerikaner recht gut zu kennen. Sehr viele von ihnen profitieren nรคmlich immer noch von den Genen ihrer Vorfahren, die hier vor den europรคischen Fรผrsten davongelaufen sind, um ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Das erklรคrt fรผr mich z.T. das „Wunder“ dieser Prรคsidenten-Wahl auch gegen massivste Gegenpropaganda im Land selbst. Daran sollten wir uns ein Beispiel nehmen – sind davon aber Meilen- resp. Kilometer-weit entfernt wie es unsere Februar-Wahl wieder mal zeigen wird…
    Damit verharmlose ich nicht die Gefahren, die uns durch Trumps kรผnftige Wirtschafts-und Aussenpolitik drohen. Aber es ist einer deutschen Regierung auch in diesem Jahrhundert wieder einmal gelungen sich in einen drohenden Zweifrontenkrieg (zur Zeit zwar noch wirtschaftlich) mit รผberlegenen Mรคchten zu manรถvrieren – und das bei gleichzeitig freiwilliger Zerstรถrung unserer wirtschaftlichen und industriellen Basis. Dagegen waren im letzten Jahrhundert der olle Wilhelm, der Adolf und sogar die DDR-Beherrscher richtige Intelligenzbolzen…

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