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Linksextreme Schuldenpolitik dank der CDU

6. Mรคrz 2025
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Der Bundestag ist neu gewรคhlt, und es hat sich einiges geรคndert โ€“ zumindest auf dem Papier. Wer sich nun jedoch auf eine politische Kehrtwende des Regierungshandelns freut, sollte seine Euphorie noch etwas zรผgeln. SchlieรŸlich wรคren Wahlen โ€“ einem Sprichwort nach โ€“ verboten, wenn sie etwas รคndern wรผrden. Warum an dem Ausspruch wirklich etwas dran ist und welche Mittel verhindern kรถnnen, dass Wahlen tatsรคchlich etwas รคndern.

Die Deutschen haben gewรคhlt, und zwar mit der grรถรŸten Wahlbeteiligung seit der Wiedervereinigung, und damit fรผr einige Verรคnderung in Deutschlands hรถchstem Parlament gesorgt. So ist der 21. Deutsche Bundestag durch die Anwendung des neuen Wahlrechts um 106 Sitze kleiner als sein Vorgรคnger. Konnte die CDU ihre Sitze aufgrund des Stimmenzuwachses halten, hat sich die Anzahl der Sitze der SPD fast halbiert, auch die Grรผnen verloren. Die AfD hingegen konnte ihre erlangten Sitze fast verdoppeln. Dadurch ist die schwarz-rot-grรผne Zweidrittelmehrheit im neuen Bundestag Geschichte. Stattdessen hat Schwarz-Blau nun das erste Mal eine mehr als komfortable Mehrheit.

Wer nun Verรคnderung erwartet, wurde bereits vor der Wahl von CDU-Chef Friedrich Merz eines Besseren belehrt. Eine Koalition mit der AfD hat er immer wieder ausgeschlossen, dafรผr eine gemeinsame Regierung mit den Grรผnen auch mit einem Minister Habeck offengelassen. Nach der Wahl stehen alle Zeichen auf eine Koalition zwischen Neu-Kanzler Merzโ€™ CDU und Alt-Kanzler Scholzโ€™ SPD. Damit wรผrde dem Wรคhler nach einer Wahlperiode Unterbrechung das Gleiche aufgetischt, was er seit 2005 unter Merkel (mit ebenfalls einer Unterbrechung durch Schwarz-Gelb) bereits schlucken musste. Wird Schwarz-Rot beheben, was Schwarz-Rot uns รผberhaupt erst eingebrockt hat?

Wer jetzt dennoch Hoffnungen hatte, dass mit Merz alles in Ordnung kommen werde, den dรผrfte die erste โ€žAmtshandlungโ€œ der neuen Regierungsparteien zurรผck auf den Boden der Tatsachen geholt haben. Wรคhrend Friedrich Merz im Wahlkampf die Schuldenbremse noch zur โ€žDNA der Unionโ€œ erklรคrt hatte, sollen nun auรŸerordentliche Schulden in Hรถhe von mindestens einer Billion Euro aufgenommen werden โ€“ nach oben offen. Dabei รผbernimmt Merz sogar schamlos das Framing als โ€žSondervermรถgenโ€œ, ohne jedoch zu erklรคren, was an den auรŸerordentlichen Neuschulden eigentlich ein Vermรถgen sein soll.

Doch damit noch nicht genug der Taschenspielertricks. Da Merz die fรผr die Umgehung der Schuldenbremse notwendige Zweidrittelmehrheit im neuen Bundestag fehlt, wird er wohl noch einmal den alten Bundestag zusammentreten lassen, bevor der neue Bundestag sich Ende Mรคrz konstituiert. Denn in Ersterem besitzt Schwarz-Rot-Grรผn noch die notwendige verfassungsรคndernde Mehrheit. Es soll also nach der vorgezogenen Neuwahl noch einmal der alte Bundestag โ€“ der aufgrund seiner vorgeblich fehlenden Regierungsfรคhigkeit aufgelรถst wurde โ€“ zusammenkommen, um das Grundgesetz zu รคndern.

Um bei diesem Gedanken ins Stocken zu geraten, muss man kein Verfassungsrechtler sein. Dabei zeigt dieser Fall auf, warum Wahlen keine Verรคnderung bringen (mรผssen), selbst wenn der Wรคhler anders entschieden hat:

1.ย Die Manipulation von Mehrheiten

Der pluralistische Parteienstaat, in dem wir leben, macht โ€“ sofern nicht eine Partei(enrichtung) รผber die Mehrheit der Stimmen verfรผgt โ€“ Kompromisse notwendig. Isoliert betrachtet, scheint das zunรคchst positiv; immerhin wรผrden so die Belange von mehr Menschen auf einen gemeinsamen Nenner gebracht. Doch kommt es in der Realitรคt auch hรคufig genug vor, dass durch den Zwang zum Kompromiss der Regierungsparteien die kleinere Partei einen gewissen Druck ausรผben kann. Denn ohne ihre Zustimmung fehlt auch der grรถรŸeren Koalitionspartei die Mehrheit. So ist gut vorstellbar, dass die SPD von der CDU nun diese Umgehung der Schuldenbremse verlangt, um รผberhaupt gemeinsam zu regieren.

Dieser Effekt wird verstรคrkt, wenn โ€“ wie in diesem Fall โ€“ nicht bloรŸ eine einfache Mehrheit, sondern eine verfassungsรคndernde Zweidrittelmehrheit verlangt wird. Schwarz-Rot benรถtigt fรผr seine Sonderschulden die Stimmen der Grรผnen. Die knรผpfen ihre Zustimmung aber an zusรคtzliche MaรŸnahmen im Bereich des sogenannten Klimaschutzes. So kรถnnen die Grรผnen eine Position durchbringen, die weder im Volk noch im Parlament mehrheitsfรคhig wรคre. Es entstehen in diesem Sinne manipulierte Mehrheiten.

Je grรถรŸer der Druckpunkt einer Partei dabei ist, desto mehr kann sie fordern. Das tatsรคchliche Wahlergebnis rรผckt bei solchen รœberlegungen immer weiter in den Hintergrund. Die CDU begibt sich durch die Aufrechterhaltung der Brandmauer dabei selbst in eine schlechte Verhandlungsposition und macht sich zum Spielball linker Krรคfte.

2. Missbrauch der Legalitรคt gegen die Opposition

Warum die CDU das dennoch macht, erklรคrt sich durch das Vorgehen des Parteienstaates gegen Oppositionsparteien. So wie die CDU 1984 in einer Broschรผre รผber die Grรผnen verlautbaren lieรŸ, diese verstieรŸen gegen den โ€žbisherigen Konsens der im Bundestag vertretenen demokratischen Parteienโ€œ, behauptet sie dies nun von der AfD.

Bevor es darum geht, sich mit einer weiteren Partei auf mรถgliche Kompromisse einigen zu mรผssen, scheint es einfacher, zunรคchst zu versuchen, diese in der รถffentlichen Meinung unwรคhlbar zu machen oder sogar zu verbieten. Der regierungsgesteuerte Verfassungsschutz bietet sich fรผr ein solches Vorhaben nur allzu gut an.

Solange also weiter ebenjene Parteien ihre zwangsweisen faulen Kompromisse schlieรŸen, die die Missstรคnde durch ihr (Regierungsโ€‘) Handeln erst herbeigefรผhrt haben, und die Opposition unterdrรผcken, liegt Verรคnderung in weiter Ferne. Zugespitzt kรถnnte man sagen, es sei fast ehrlicher, Wahlen einfach zu verbieten.

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