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Die AfD und ihre Ausrichtung

24. April 2025
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Im Januar bezeichnete Parteivorsitzende Alice Weidel im Gesprรคch mit Elon Musk die AfD als konservativ-libertรคre Partei. Zwei Monate spรคter organisierte die AfD-Fraktion im Bayerischen Landtag eine Podiumsdiskussion mit dem Berater von Xavier Milei und der Fรผhrungsspitze des Ludwig-von-Mises-Instituts Deutschland. Thema: Erfolge libertรคrer Wirtschaftspolitik โ€“ Musk und Milei als Vorbilder fรผr ein wirtschaftliches Umdenken in Deutschland.

Ist die AfD nun tatsรคchlich libertรคr? Auf den ersten Blick scheint dies unwahrscheinlich. Mainstream-Medien argumentieren, dass die Partei nach dem Weggang wirtschaftsliberaler Kรถpfe wie Lucke, Petry und Meuthen etatistischer wurde. Zudem wird behauptet, der โ€žFlรผgelโ€œ und vรถlkisch-etatistische Krรคfte hรคtten die AfD in eine illiberale Richtung gelenkt. Gegner nennen sie faschistisch โ€“ ein verleumderischer Vorwurf, der an den vermeintlichen Korporatismus und Etatismus erinnert, wie Mussolini es formulierte: โ€žAlles im Staat, nichts gegen den Staat, nichts auรŸerhalb des Staates.โ€œ

Libertรคre und unternehmerische AfD-Sympathisanten fragen mich oft, wie stark der etatistische Einfluss wirklich sei. Meine Antwort: Die AfD ist keine rein libertรคre Partei. Aber ihre wirtschaftspolitische Basis ist ganz klar die Soziale Marktwirtschaft nach Ludwig Erhard, Walter Eucken und Wilhelm Rรถpke. Sie verteidigt einen ordoliberalen Ansatz: freie Marktwirtschaft mit dem Staat als Schiedsrichter fรผr fairen Wettbewerb, ohne Eingriffe. Diese Ordnung ruht auf konservativen Werten und dem westlichem Kulturerbe.

Parteiprogramme und Studien des DIW sowie IW Kรถln belegen ihre ordoliberale Ausrichtung โ€“ keine andere bedeutende Partei ist hier รคhnlich wirtschaftsliberal positioniert. Lรคngst ist die FDP in Praxis und Theorie interventionistisch und linksliberal, oder zumindest deutlich weniger liberal als die AfD. Und selbst in Ostdeutschland stehen AfD-Fรผhrungsspitzen wie Bjรถrn Hรถcke, Oliver Kirchner und Maximilian Krah konsequent zum Ordoliberalismus, wie deren Aussagen und Publikationen zeigen.

Der Eindruck eines รผbermรคchtigen vรถlkisch-etatistischen Einflusses auf die AfD wird dabei durch eine gut organisierte, intellektuell aktive Vorfeldstruktur verstรคrkt. In Schnellroda finden regelmรครŸig intellektuelle Akademien statt, an denen junge Parteimitglieder teilnehmen. Verlage wie โ€žJungeuropaโ€œ, โ€žSezession im Netzโ€œ und โ€žAntaiosโ€œ verรถffentlichen kontinuierlich Schriften, basierend auf Ideen der Konservativen Revolution. Ich respektiere diese Akteure und sehe โ€žvรถlkisch-etatistischโ€œ als objektive Beschreibung eines legitimen und auch notwendigen Denkansatzes innerhalb der Partei, nicht als Abwertung.

Der Kontakt zur vรถlkisch-etatistischen Szene innerhalb der AfD ist sicherlich enger als zur libertรคren Seite. Die Erasmus-Stiftung, marktwirtschaftlich und ordoliberal ausgerichtet, bietet vereinzelt hochwertige Veranstaltungen, doch ihr Einfluss bleibt aufgrund fehlender Finanzen gering. Stรคrker wirken Hayek-Gesellschaft und Mises-Institut, die jedoch allgemein libertรคr, nicht rechts-libertรคr sind. Trotz inhaltlicher รœberschneidungen โ€“ viele AfD-Vertreter nehmen an deren Events teil โ€“ bleibt die Verbindung oberflรคchlich und strukturell getrennt.

Der AfD fehlen eigene rechts-libertรคre Denkfabriken wie das Cato Institute oder das Intercollegiate Studies Institute in den USA. Die Erasmus-Stiftung kรถnnte diese Lรผcke schlieรŸen, doch es braucht mehr als Veranstaltungen zu altbekannten Themen wie Remigration oder Anti-Woke. Neue, kontroverse Ansรคtze mit intellektuellem Mehrwert sind gefragt. Diese Lรผcke ist Teil eines grรถรŸeren Problems: dem unterentwickelten intellektuellen ร–kosystem der AfD und generell der politischen Rechten in Deutschland. US-Republicans oder Viktor Orbรกn zeigen, wie wichtig ein starkes Vorfeld ist. Orbรกn hat als erster rechter Staatsmann die Bedeutung von โ€žkultureller Hegemonieโ€œ nach Gramsci begriffen.

Ein solches Netzwerk sollte eigene Konzepte entwickeln, libertรคre und „vรถlkische“ Ideen vereinen und die Partei zur Volkspartei formen, die es dringend braucht. Intensiver Austausch kann Vorurteile abbauen: Benedikt Kaiser ist kein Sozialist, Libertรคre keine Handlanger des GroรŸkapitals. Drรคngende Fragen โ€“ deutsche Identitรคt, Big Tech, US-Protektionismus, soziale Politik โ€“ erfordern fundierte Debatten. Die Debatte zwischen Kaiser und Kisoudis vor fรผnf Jahren war ein Highlight; solche Formate fehlen heute.

Meine Einschรคtzung: Die AfD sollte Freiheit und Tradition synthetisieren, ordoliberal nach Wilhelm Rรถpke und Frank S. Meyer. Ein marktwirtschaftliches System mit konservativen Werten als Basis. Sie muss einen schlanken, aber gleichzeitig auch starken Ordnungsstaat fordern โ€“ fokussiert ausschlieรŸlich auf innere und รคuรŸere Sicherheit sowie Recht, sonst maximal Freiheit gewรคhrend. โ€žLife, Liberty and Propertyโ€œ sowie Fรถderalismus sollten zentral sein.

Die soziale Frage soll nicht der Wohlfahrtsstaat lรถsen, das kann er gar nicht, sondern Eigentumsbildung breiter Bevรถlkerungsschichten, finanziert durch Einsparungen bei Asyl, Genderpolitik oder Klimawende. Gleichzeitig darf nicht zugelassen werden dazu zu hohe Ungleichheit ensteht und somit die soziale Ordnung gefรคhrden kann, wie Historiker Peter Turchin warnt.

Im AuรŸenbild sollte die AfD den rechtslibertรคren Populismus vertreten โ€“ theoretisch von Murry Rothbard gestรผtzt, praktisch an den Beispielen von Milei und Trump zu sehen. Ein solcher Populismus ist direkt, laut und entschlossen, um gegen die herrschenden Narrative der Medien anzukommen. Angesichts hoher Staatsquote und Steuerlast ist ein Rechtsruck nรถtig โ€“ wirtschaftsliberal und im Kulturkampf. Mileis Erfolg bei Arbeitern zeigt: Freiheit siegt ohne Wohlfahrtsversprechen. 2025 war die AfD bei Arbeitern stรคrkste Kraft โ€“ wegen, nicht trotz ihrer freiheitlichen Programmatik.

Ein Diskurs, der libertรคre und vรถlkisch-etatistische Impulse integriert, ist der Schlรผssel zur modernen Volkspartei โ€“ fรผr Freiheit, Tradition und die Herausforderungen unserer Zeit.

6 Comments Schreibe einen Kommentar

  1. Die Soziale Marktwirtschaft wรคre fรผr die AfD ein geeignetes Leitbild. Bei dieser Ausprรคgung wird die Marktwirtschaft nicht als Fetisch und Medizin fรผr alles angebetet (wie bei Libertรคren รผblich), sondern soll Wohlstand fรผr mรถglichst alle Bevรถlkerungsschichten ermรถglichen. Der Staat gewรคhrleistet in diesem Modell den unternehmerischen Wettbewerb und greift bei sozialen Fehlentwicklungen steuernd ein. รœber lange Jahre ist die Bundesrepublik mit diesem Modell gut gefahren, konnte Wachstum generieren und die Interessen aller Bevรถlkerungsschichten weitgehend ausgleichen. Heute liest sich schon diese Beschreibung wie aus einer anderen Welt.

    Als potenzielle Volkspartei, von der es sonst keine mehr gibt, ist die AfD gefordert, das groรŸe Ganze im Auge zu haben und auf Klientelpolitik zu verzichten. Sonst sind Diskussionen zur ethnokulturellen Identitรคt u.รค. รผberflรผssig, wenn sie nur „FDP mit Grenzschutz“ sein will.

    Das Anhimmeln von Trump, Musk und Milei fรผhrt auch nicht wirklich weiter. Diese arbeiten unter ganz anderen Bedingungen und verfolgen ihre eigenen Ziele. Dazu bekommen wir in der Regel nur interessengeleitete Berichte. Die AfD wird sich um eigene Lageanalysen und Handlungsoptionen bemรผhen mรผssen, sollte sie in die Nรคhe der Macht gelangen. Wenn sie dann รผberhaupt noch Handlungsspielrรคume vorfindet.

  2. Die Grundlage rechter Politik ist die Biologie, nicht die Wirtschaft. Aus dieser Prioritรคtensetzung ergibt sich alles weitere.

  3. Mit biologistischem Geraune wรผrde die AfD allen Gegnern nachtrรคglich Recht geben. Und signalisieren, dass sie mit der Gegenwart endgรผltig รผberfordert ist.

  4. Zentrales Motiv rechter Weltanschauung ist das Primat der Politik, Grundlage fรผr alle รœberlegungen die Biologie. Diese kรถnnen nicht zur Disposition stehen, ohne dass man sich vom Kern rechter Weltanschauung grundlegend entfremdet.
    Was die Wirtschaft anbelangt, ist und darf sie lediglich Mittel zum Zweck sein. Wenn wir an die alte BRD denken, dann denken wir an Preisbindung, restriktive Ladenรถffnungszeiten, Post & Bahn in staatlicher Hand usf. . All das wurde jedoch mittlerweile auf dem Altar der liberalen Philosophie geopfert. Man kann eben langfristig keine „konservative“ Gesellschaftspolitik bei gleichzeitig liberaler Wirtschaftspolitik machen. Denn das falsche liberale Menschen- und Gesellschaftsbild ist notwendige Vorbedingung fรผr eine entfesselte, liberale Wirtschaft.

  5. In welcher Welt leben hier manche der Leser-Kommentatoren ?
    Aktuell wird hier vom Staat selbst die kleinste unserer privatesten Handlungen reglementiert. Dazu kam es doch, weil man aus Bequemlichkeit spรคtestens seit den 70ern des letzten Jahrhunderts nach und nach den Staatsgewaltigen immer mehr Regelungs-Befugnisse รผberlassen hat. Dies geschah nicht zuletzt aus einer bequemen Scheu vor „zu viel“ Wettbewerb. Dabei ist dies der einzige in der menschlichen Historie bewรคhrte Regelungsmechanismus zum Umgang mit knappen Resourcen und der Entdeckung neuer Produkte und Verfahrensweisen. Auch und gerade in einer echten Wettbewerbsgesellschaft kann jeder nach seinen kulturellen Bedรผrfnissen selig werden – solange er keine (Gewalt-)Herrschaft รผber seinen Nรคchsten anstrebt. Wenn ich dann auch noch รผber „eine entfesselte, liberale Wirtschaft“ lese und mir gleichzeitig anschaue, wie unser Polit-Establishment Deutschland zum dritten Male innerhalb von ca.110 Jahren in einen Zweifrontenkonflikt mit zwei Weltmรคchten treibt, dabei aber gleichzeitig noch die eigene Wirtschaftsbasis ruiniert, frage ich mich, was oder wer hier „entfesselt“ ist. Denn so wahnsinnig waren noch nicht mal der olle 2.Wilhelm und der unsรคgliche Adolf!
    Was รผbrigens das selige Angedenken an die staatliche Deutsche Bundespost anbetrifft, so muรŸte man dort z.B. kurz vor der Mittagspause rechtzeitig die Finger unter der amtlichen Schalterklappe zurรผckziehen, um sie bei diesem unzeitigen Frankierwunsch seines Briefes nicht mit der Mittagspause des Beamten in Konflikt zu bringen. Auch durfte ich fรผr ein Telefongesprรคch mit meinem Cousin in den USA einen Tageslohn opfern. Alles schon vergessen ? Wenn Dienstleistungen heute zu wรผnschen รผbrig lassen, sollte man bitte bedenken, daรŸ sich die betroffenen Unternehmen unabhรคngig von ihrer Rechtsform immer noch in Staatshand befinden und alle anderen unter dem staatlich kostenzehrenden Regelungsverhau stรถhnen. Leider habe ich das Gefรผhl, daรŸ sich auch in „meiner“ AfD so manch einer eher nach einem Druckpรถstchen und deswegen nur einem Personalaustausch statt dem Abbau staatlicher Befugnisse sehnt…

  6. @Solidarischer Patriot: Eine politische Partei, die ernst genommen werden will, kann nicht einfach voraufklรคrerische Mythen predigen, sondern muss differenzierte Lรถsungen fรผr komplexe Gesellschafts- und Wirtschaftsstrukturen erarbeiten und umsetzen. Wirtschaft ist „Mittel zum Zweck“ und muss gerade deshalb von der Politik ernsthaft betrachtet werden, damit sie einerseits ihr Primat (wieder) geltend machen und andererseits marktwirtschaftliche Dynamik (wieder) zum Wohle des Ganzen nutzen kann. Das ist anstrengend und, wenn รผberhaupt, nur gegen viele Widerstรคnde zu bewerkstelligen.

    Zur Entspannung kann man natรผrlich auch mal in geselliger Runde bei einem Fass Bier รผber richtige und falsche Menschenbilder oder biologistische Idealvorstellungen fabulieren.

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ABOS

Bรผcher

SPIELE