Von Tom Kaiser
In den westlichen Staaten glauben die Bรผrger, Prediger wie im Mittelalter oder ideologische Dogmatiker wie in der Sowjetunion seien ein รผberwundenes Problem der Vergangenheit. Das stimmt nicht โ historische Verrรผcktheiten wie der christliche Ablaรhandel tauchen in neuem Gewand wie der Klimahysterie wieder auf. Das Problem ist ausgerechnet eine Folge des modernen Massenwohlstandes.
Politische Programme wie Coronamaรnahmen oder Klimarettung werden in den westlichen Staaten gern mit Wissenschaft begrรผndet โ โfollow the science!โ. Die โWissenschaftlichkeitโ von Politik ist ein recht neues Phรคnomen – erst seit Ende der 1960er werden zahlreiche Umwelt- und Gesundheitskatastrophen von Aktivisten und Medien penetrant propagiert.
Zahlreiche Internet-Memes listen mittlerweile amรผsiert die absurden Weltuntergangs-Erzรคhlungen der letzten Jahrzehnte auf, die zu ihrer Zeit aber von der Mehrheit der Bรผrger mit bitterem Ernst geglaubt wurden. In einem knackigen Video aus den USA erzรคhlt ein รคlterer Herr:
โEs ist keine Wissenschaft, es ist Politik!
In den 1960ern hieร es, daร das Erdรถl in zehn Jahren verschwunden sein wird.
In den 70ern kam es innerhalb von zehn Jahren zu einer neuen Eiszeit.
In den 80ern gab es den Sauren Regen, der in zehn Jahren alle Ernten vernichten wรผrde.
In den 90ern hieร es, die Ozonschicht wรผrde in zehn Jahren zerstรถrt
In den 2.000ern hieร es, daร alle Gletscher in zehn Jahren schmelzen wรผrden.
In den 2010er Jahren hieร es, daร die Ost- und die Westkรผste aufgrund des steigenden Meeresspiegels unter Wasser stehen wรผrden.
Nichts von diesem angstmachenden Unsinn hat sich bewahrheitet, aber er fรผhrte jedes Mal zu hรถheren Steuern.โ
Dabei sind Untergangs-Erzรคhlungen ein altbekannter Trick von Wissenschaftlern, um Aufmerksamkeit und Fรถrderung zu erhalten. So wurde schon um 1890 vom โEnde des รlsโ fabuliert, oder 1948 in einem Buch vor einer zu groรen Weltbevรถlkerung gewarnt.
Ob Erdรถl- oder Bevรถlkerungspanikmache โ vor Mitte der 60er interessierten sich weder Medien noch Bรผrger sonderlich fรผr die Phantasien von Apokalypse-Autoren. Warum auch? Die Menschen hatten Bombardierung, KZ, Hunger, Krieg, Besatzung, Naziterror und vieles andere erlebt. Sensations-Schlagzeilen wirkten daher nicht besonders. Aber in den 1960ern keimte das Interesse aber schlieรlich doch auf โ was war passiert?
Nach 1950 erlebte vor allem die westliche Welt einen historisch einzigartigen Massenwohlstand. Daร dieser eigentlich begrรผรenswerte Umstand auch negative Folgen haben kรถnnte, bemerkten nur wenige. Einer dieser Propheten ist der Soziologe Helmut Schelsky, der als Chronist der westdeutschen Nachkriegsgesellschaft gilt. Als Mitte der 1960er trotz eines historisch einmalig gut funktionierenden und wohlhabenden Gemeinwesens in Westdeutschland immer mehr privilegierte junge Leute den Staat in Frage stellten, klingelten bei Schelsky die Alarmglocken.
Als Soziologe wuรte er, daร gesellschaftliche Interessensgruppen immer schon versuchten, sich ein mรถglichst groรes Stรผck vom gemeinsamen wirtschaftlichen Kuchen zu sichern. So war ihm klar, daร viele Privilegierte den neuen gesellschaftlichen Wohlstand nutzen wollten, um ohne Anstrengung und Arbeit an hohe Posten und Geld zu kommen โ wozu sie als โSozialpriesterโ diverse Probleme erfanden, die sie zu lรถsen versprachen. Schelskys Fazit und passender Buchtitel: โDie Arbeit tun die anderen.โ
In einem wenig beachteten Kapitel seines โ1984โ erklรคrt ein Propheten-Kollege Schelskys, George Orwell, wie es zu den diktatorischen Verhรคltnissen in seiner dystopischen Staatsvision gekommen ist โ analog zu Schelsky durch Wohlstand! Der moderne kapitalistische Wohlstand hatte die noch aus dem Mittelalter รผberkommene 2%-Gesellschaft mit rund 2% reichen Adeligen, ein paar Funktionseliten wie Priester, Hรคndler oder Gelehrte, und etwa 90 % teils darbenden Bauern und Handwerkern war auf den Kopf gestellt.
Mehr als genug zu essen, Hรคuser mit Bad und WC, Automobile, Urlaubsreisen โ alles, was (wenn รผberhaupt) frรผher nur den Reichen zur Verfรผgung stand, konnten sich nun die meisten Bรผrger leisten. Stellen Sie sich zur Veranschaulichung nur einen modernen Flughafen vor, in dem Tausende Fluggรคste, ob Millionรคr oder Klempner, alle dasselbe tun: in den Urlaub fliegen โ sogar in ein und derselben Maschine. Man muร nicht George Orwell heiรen, um sich vorstellen zu kรถnnen, daร einigen Privilegierten das gar nicht gefรคllt und sie daher politische Maรnahmen wie โKlimaschutzโ unterstรผtzen, die fรผr etliche Mitbรผrger Urlaubsflรผge zunehmend unerschwinglich machen.
Ob Krieg, Corona oder Klimawandel – die Mechanismen der Rรผck-Umwandlung eines Gemeinwesens mit Massenwohlstand in eine 2%-Gesellschaft sind unabhรคngig von der jeweils propagierten Ideologie. Es braucht nur รผberzeugend dargestellte Krisen, damit die Mehrheit der Bevรถlkerung es glaubt.
Dazu ist keine elitรคre Verschwรถrung nรถtig, die oft behauptet wird โ Menschen mit รคhnlichen Interessen handeln schlicht รคhnlich. Es ist ein sich selbst organisierendes System von Profiteuren, die nach Schelskys Modell dazu tendieren, eine immer totalitรคrer werdende Propaganda fรผr diverse Profitmodelle zu betreiben.
Paradoxerweise scheint dieser Effekt dem Industrie-Massenwohlstand inhรคrent zu sein โ der Erfolg trรคgt wie so hรคufig den Keim seiner Zerstรถrung in sich. Eine freiheitlich-kapitalistische Demokratie, die eine Zukunft haben will, braucht neuartige Sicherheitsmechanismen, die verhindern, daร elitรคre Interessensgruppen mit Katastrophen-Propaganda mit Erfolg Profite machen kรถnnen.


Nagel auf den Kopf getroffen
Es ist eine interessante Theorie, dass es Interessengruppen gibt, die den Pรถbel von Urlaub, Reisen und Wohlstand fernhaben mรถchten, um selbst wieder Snob sein zu kรถnnen.
Sicherlich mag es solche Menschen geben, wobei ich es fรผr wahrscheinlicher halte, dass die eigentlichen Interessen wie gehabt monetรคrer Natur sind und/oder machtpolitisch geleitet werden.
Man kann recht gut auskommen, wenn man fรผr sich und seine Klientelgruppen Posten/Arbeit beschafft und das warme Gefรผhl im Bรคuchlein, zu den Guten zu gehรถren, ist da ein schรถner Bonus.
Ich will aber auch noch den Fokus auf einen Punkt lenken, den ich persรถnlich erlebt habe: den sauren Regen.
Vor meiner Zeit waren die Leinen zum Aufhรคngen von Wรคsche schwarz von Rus, dann kamen Filter und zogen den Rus aus den Schloten.
Da dieser basisch war, Gase wie Schwefelverbindungen jedoch sauer, wurde die Pufferwirkung unterbunden und was รผbrig blieb, war sauer.
So die Theorie, wie das ganze funktioniert.
Ich komme aus der Landwirtschaft, habe das ganze auch noch weitergehend „gelernt“, die Theorie wird dadurch gestรผtzt, dass zu der Zeit keine Schwefeldรผngung nรถtig war, es nun aber ist, wo die sauren Gase ebenfalls herausgefiltert werden.
Gleichzeitig rosten Weidezรคune nicht mehr durch und ich denke, die Materialeigenschaften des Drahtes werden sich nicht signifikant verbessert haben.
Kurz: ich kann das sehen.
Die Warnung vor Hungersnรถten sind sicherlich รผbertrieben gewesen und waren politisch/weltanschaulich getrieben, aber das Phรคnomen existierte… und wurde technisch gelรถst.
Man muss sicherlich nicht รผber jedes Stรถckchen springen, das einem hingehalten wird, gleichsam sagt das aber nichts รผber die Echtheit รผber so manches Stรถckchen aus.