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Maja T. – Ein Blick auf Europas Gefängniskrise

25. Juni 2025
in 2 min lesen

Maja T., einst als Mann geboren und heute stolz als »non-binär« lebend, sitzt hinter ungarischen Gittern. Der Grund: Der Person T. wird vorgeworfen, als Mitglied einer linksextremistischen Organisation in Leipzig und darüber hinaus eine Serie von Anschlägen verübt zu haben. Insbesondere wird ein gewalttätiger Angriff am Rande des „Tag der Ehre“ angeführt, bei dem mehrere Personen, die als Teilnehmer eines Neonazi-Aufmarsches identifiziert wurden, gezielt mit Hämmern, Schlagstöcken und weiteren Waffen attackiert wurden. Die Opfer wurden bis zur Bewusstlosigkeit zusammengeschlagen, wobei eine gezielte Einwirkung auf die Köpfe der Betroffenen erfolgte.

Gemäß der Anklageschrift war Maja T. an allen vier Angriffen, die im Kontext des „Tags der Ehre“ stattfanden, beteiligt. Die Anklage umfasst den Tatvorwurf der versuchten lebensgefährlichen oder schweren Körperverletzung im Kontext einer kriminellen Vereinigung. Die Strafandrohung umfasst eine Freiheitsstrafe von bis zu 24 Jahren.

Der Fall ist zum Symbol für die empörte Rhetorik der Grünen geworden. Politiker wie Katrin Göring-Eckardt und Daniel Freund prangern die „menschenunwürdigen“ Haftbedingungen in Budapest an und fordern einen Auslieferungsstopp. Doch diese Empörung ist auffallend selektiv und offenbart eine erhebliche politische Heuchelei, wenn man die Zustände in anderen EU-Staaten betrachtet.

Wo bleibt die Kritik an den 1.500 Menschen, die in französischen Gefängnissen auf Matratzen am Boden schlafen? Wo die Kampagnen gegen systematische Folter in Rumänien? Sie existieren nicht – und diese Blindheit entlarvt die wahren Motive hinter der Kritik.

Die Daten des Europarats für 2023 zeigen ein klares Bild der Überbelegung in Gefängnissen. Sieben EU-Staaten weisen eine Quote von über 105 Prozent auf. An der Spitze steht Zypern mit 166 Prozent, gefolgt von Rumänien (120 %) und Frankreich (119 %). Ungarn (112 %) liegt erst an fünfter Stelle. Das Europäische Parlament selbst hat darauf hingewiesen, dass die Haftbedingungen in mindestens 15 EU-Staaten als „unmenschlich oder erniedrigend“ einzustufen sind. Neuere Werte zeigen keine Entspannung: Frankreich lag im März 2025 bei über 80.000 Gefangenen auf 62.000 Plätzen (≈129 %). Auch hier mag Ungarn keineswegs ein Positivbeispiel sein, passt aber in die Linie der Gesamtbetrachtung, die selbstauferlegten Mindeststandards können gar nicht EU-weit gewährleistet werden. Anstatt diese umfassende kontinentale Krise zu adressieren, konzentriert sich die deutsche Kritik fast ausschließlich auf Ungarn.

Der Staat Frankreich: Das Land gilt als Musterdemokratie, doch mit 79.000 Gefangenen bei nur 61.000 Plätzen herrschen dort katastrophale Zustände. Fast 1.500 Gefangene schlafen auf Matratzen am Boden, ein Gefängnis erreicht sogar 300 Prozent Überbelegung. Das Europäische Komitee zur Verhütung von Folter (CPT) dokumentiert diese Missstände seit 1991. Deutsche Gerichte sind konsequenter als die Politik: Das OLG Hamm lehnte 2022 eine Auslieferung nach Frankreich wegen genau dieser Haftbedingungen ab. Grüne Pressemitteilungen oder Forderungen nach einem Auslieferungsstopp nach Paris gibt es jedoch nicht.

Und in Rumänien? Mit 120 Prozent Überbelegung steht Rumänien noch schlechter da als Ungarn. Schlimmer noch: Das CPT dokumentierte im Gefängnis Giurgiu die Foltermethode „Falaka“ (wiederholte Schläge auf die Fußsohlen – festgestellt 2024). In anderen Anstalten haben Gefangene teilweise nur zwei Quadratmeter Lebensraum auf von Bettwanzen befallenen Matratzen. Eine Recherche von Pressemitteilungen der Grünen der letzten fünf Jahre zeigt: Es findet sich keine einzige Kritik an Haftbedingungen in anderen EU-Ländern außer Ungarn. Das Schweigen zur französischen Krise, zur rumänischen Folter oder zur Suizidwelle in italienischen Gefängnissen ist belegbar.

Deutschland selbst ist kein Vorbild. Das Bundesverfassungsgericht rügte mehrfach die Zustände und die verfassungswidrig niedrigen Gefangenenlöhne. Bezeichnenderweise werden seit 2023 keine offiziellen Überbelegungsstatistiken mehr veröffentlicht – eine Transparenz, die man von Budapest vehement einfordert, aber selbst meidet.

Der Fall Maja T. wurde zum Vehikel für eine Politik, der es nicht um Menschenrechte, sondern um die Dämonisierung einer unliebsamen Regierung geht. Die Taten des infahftierten Linksextremisten spielen keine Rolle. Da hat die Instrumentalisierung Vorrang. Solche Doppelmoral untergräbt Deutschlands Glaubwürdigkeit in Europa fundamental. Menschenrechte sind entweder universell oder wertlos – sie dürfen kein Werkzeug für politische Interessen sein. Während der Fall Maja T. politisch inszeniert wird, tritt die eigentliche Aufgabe der Justiz in den Hintergrund: nicht nur die Rechte der Angeklagten zu wahren, sondern vorrangig den Opfern ihrer Taten Gerechtigkeit zu verschaffen.

2 Comments Schreibe einen Kommentar

  1. … Und dann gibt’s ja immer noch die Möglichkeit, keine Straftaten zu begehen, dann muss man sich auch über die relativen Haftbedingungen in verschiedenen Ländern keinen Kopp machen: Problem gelöst. Gerne geschehen… Es kann so einfach sein…

  2. Umgekehrt sind für Leute wie Assange, Robinson, Shlomo, Ballweg, etc. noch mehr als genug Knastplätze da. Nicht selten sogar monatelang ohne Verurteilung.

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