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Ein Armutszeugnis!

8. Juli 2025
in 3 min lesen

In den Tagen nach der Zeugnisausgabe sind die Anzeichen einer tiefgreifenden Deformation unseres Bildungswesens auch fรผr den Verfasser praktisch greifbar. Wovon Schlomo Finkelstein in seiner Reflexion รผber die Vaterschaft noch entfernt ist, was Boris Morgenstern und Florian von der Krautzone รผber den allgemeinen Niedergang in einem YouTube-Gesprรคch berichten,…

…das erfรคhrt der Verfasser dieser Zeilen in seiner ganzen systemischen Tragweite am eigenen Leibe. Dabei offenbart sich die gesamte Hybris eines Apparates, der den Menschen zum Material degradiert โ€“ und dies bereits im zartesten Alter von gerade mal sechs Jahren.

Der Marsch durch die Institutionen zeigt sich nirgends deutlicher als in der Betrachtung des pรคdagogischen Handwerks zeitgenรถssischer Lehrkรถrper. Eine exemplarische Bestandsaufnahme: Deutschlands Grundschulklassen sind vielerorts geprรคgt von jener Unruhe, die symptomatisch fรผr ein System geworden ist, das Autoritรคt durch Beliebigkeit ersetzt hat. Diese Unruhe findet einzig dann ein Ende, wenn Lehrkrรคfte mit natรผrlicher Autoritรคt das Feld betreten โ€“ jene seltenen Vertreter des klassischen pรคdagogischen Handwerks, aus deren Unterricht keinerlei Klagen รผberliefert werden.

Es sei angemerkt: Bei einem betrรคchtlichen Teil des zeitgenรถssischen Lehrpersonals ist die Unruhe Programm. Hier liegt das Problem: Wo Autoritรคt nicht vorhanden ist, wo pรคdagogische Fรผhrung durch emotionale รœberforderung ersetzt wird, da entsteht jenes Chaos, das dann den Elternvertretungen als Kollektivschuld der Schรผlerschaft รผbermittelt wird. In digitalen Kommunikationsgruppen werden solidarisch die Kerzen angezรผndet, die Toleranz geรผbt โ€“ freilich nur in der Form, dass das Wort des Lehrkรถrpers zur baren Mรผnze erklรคrt und harte Sanktionen gegen die vermeintlichen รœbeltรคter gefordert werden.

Was folgt, ist exemplarisch fรผr ein System, das Konformitรคt รผber Individualitรคt stellt. Kinder, die einen eigenen Kopf besitzen und etwa sportliche Aktivitรคten wie Kampfsport ausรผben, die Charakterbildung und Selbstbehauptung fรถrdern, werden systematisch zum Problem erklรคrt. „So etwas hat nichts in der Schule verloren“, lautet die zeitgenรถssische pรคdagogische Weisheit. Kรถrperliche Ertรผchtigung mit Wettbewerbscharakter sei „problematisch“, solche Ansichten kรถnne man „auรŸerhalb der Schule pflegen“.

Leistungsbereitschaft wird als Ellenbogenmentalitรคt denunziert, kรถrperliche Wehrhaftigkeit als systemfeindlich markiert. Die Domestizierung beginnt im Kindergartenalter. Nach entsprechendem Widerspruch junger Schรผler und reaktivem Verhalten, das durch bestimmte Klassendynamiken provoziert wird, stehen sie endgรผltig im Fokus pรคdagogischer MaรŸregelung. Eltern werden aus wichtigen Terminen heraus kontaktiert โ€“ die Situation sei „nicht mehr handhabbar“.

Informierte Eltern kennen das Schulgesetz und sind sich bewusst, dass bestimmte Verfahrensschritte hรคtten eingehalten werden mรผssen. Das ist in der pรคdagogischen Praxis offenkundig nicht mehr der Fall. Was folgt, sind Gesprรคche, in denen ungetrรผbter Optimismus herrscht, man kรถnne etwaiges Fehlverhalten pรคdagogisch adressieren. Bis OrdnungsmaรŸnahmen folgen, kรถnnten Kinder allerdings aus „Sicherheitsgrรผnden“ nicht mehr an bestimmten Schulveranstaltungen teilnehmen. Form und AugenmaรŸ? Fehlanzeige.

Nach Hinweis auf das einschlรคgige Gesetz โ€“ man hatte die Betroffenen nicht ordnungsgemรครŸ angehรถrt, auch sonst die รผblichen Verfahrenswege nicht beschritten โ€“ wird plรถtzlich von solchen MaรŸnahmen abgewichen. Bis zum nรคchsten Anlauf. Wieder: Form nicht gewahrt, rechtliche Standards vernachlรคssigt. Solche MaรŸnahmen mรถgen vordergrรผndig keine groรŸe Bedeutung haben, hintergrรผndig jedoch kรถnnen sie als Grundlage fรผr weitergehende Schritte dienen.

Der systematische Hรถhepunkt ist das zeitgenรถssische Grundschulzeugnis. Moderne Zeugnisse lesen sich wie Mรคngellisten der Nonkonformitรคt. Zwar wird jedes Verhalten zunรคchst neutral erwรคhnt, aber nur, um es im Kern danach zu problematisieren. Es finden sich bemerkenswerte Formulierungen wie: „Zeigt Initiative bei der Themenwahl, hรคlt sich jedoch nicht immer an die vorgegebenen Arbeitsschritte“ โ€“ eine kreative Wortschรถpfung, die eigenstรคndiges Denken zur Unart erklรคrt.

Man kรถnnte weitere Beispiele dieser semantischen Besonderheiten anfรผhren: „Bringt eigene Ideen ein, benรถtigt aber Unterstรผtzung beim strukturierten Vorgehen“ oder „Arbeitet motiviert, lรคsst sich jedoch von interessanten Details ablenken“. Letztendlich dokumentieren solche Zeugnisse nur eines: die fehlende Gleichschaltung von Grundschรผlern. Die Kinder entsprechen gewissen bรผrokratischen Idealvorstellungen nicht. Anstatt ihre Individualitรคt als Ausgangspunkt zu nehmen, wird sie als Abweichung von der Norm bewertet.

Doch gerade, wenn man meint, den Gipfel der Absurditรคt erreicht zu haben, erweist sich dieser als bloรŸer Vorhรผgel: „Mitschรผler*innen“ in Grundschulzeugnissen. Verwaltungsakte werden systematisch mit Gendersternchen „bereichert“. Gegen die Bewertungen in Schulzeugnissen lรคsst sich rechtlich nur schwer vorgehen โ€“ bei Grundschulzeugnissen macht das auch wenig Sinn. Gegen das Gendersternchen in amtlichen Dokumenten jedoch durchaus. Denn es handelt sich um Verwaltungsakte. Insofern eine kleine Anregung fรผr betroffene Eltern:

1.) Man befasse sich mit den Empfehlungen des Rates der deutschen Rechtschreibung, die dieses Sterngefilde eindeutig ablehnen.

2.) Man studiere die Auffassungen der Landesregierungen zu diesem Thema.

3.) Man konsultiere die entsprechenden Verwaltungsverordnungen.

4.) Man fordere eine korrigierte Fassung in korrektem Amtsdeutsch.

Das Ziel sollte systematischer Widerstand gegen mindestens diesen sprachlichen Unfug sein. Denn auch wenn man manch fragwรผrdige pรคdagogische Praktiken noch erdulden muss, auch wenn sie die fehlende Gleichschaltung der Kinder monieren โ€“ die Sprache muss man nicht aufgeben.

In der dunklen Zeit, da die Institutionen ihre Neutralitรคt preisgeben und zu Agenten ideologischer Umerziehung werden, bleibt dem besorgten Bรผrger nur der Widerstand im Kleinen. Widerstand gegen Sprachmanipulation ist dabei ein konkreter Ansatzpunkt โ€“ rechtlich fundiert und praktisch umsetzbar. Formulieret den Anfรคngen einen Widerspruch!

ABOS

Bรผcher

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