Die „Omas gegen rechts“ sind ein archetypisches Beispiel für eine Stütze des spätbundesrepublikanischen Moralsystems: Entweder im völligen Verlust des Gespürs für Realität und demografische wie politische Vorgänge oder im Rausche ihres Alt-68er-Pseudorebellenfurors machen sich diese alten Damen zu skurrilen Clowns eines morschen Politgebildes, im Glauben und der Hoffnung, einen wertvollen Beitrag zur Verhinderung der Wiedergeburt des allerbösesten Regimes ihrer Väter zu leisten.
Geradezu grotesk ist ihr Auftreten, das immer wieder deutlich macht, wie kurzsichtig ihr Verständnis für Geschichte und Politik ist und wie sehr dieses Verständnis von der „Boomertruth“ – also dem Nachkriegsgeschichtsnarrativ – geprägt ist. Vor Kurzem hat sich ein neues kleines, interessantes Detail zum Personal der „Omas gegen rechts“ ergeben: Offenbar war die Leiterin der Ortsgruppe in Berlin, Maja Wiens, eine fleißige Mitarbeiterin – genauer, eine sogenannte „Inoffizielle Mitarbeiterin“ (IM) – der ostdeutschen Staatssicherheit im Zeitraum zwischen 1978 und 1983: Als „IM Marion“ spionierte sie Bekannte und Freunde für den Geheimdienst der DDR aus.
Die Rede ist hier im Übrigen nicht von einem kleinen Rädchen im Getriebe des Realen Sozialismus, sondern von einem etwas größeren Zahnrad: Maja Wiens selbst gab zu: „Ich war eine schlimme Inoffizielle Mitarbeiterin.“ Dieses Selbsteingeständnis gab sie nicht in irgendeinem alternativen oder rechten Medium, sondern in der linksradikalen „taz“, und zwar in einem Artikel aus der Mitte der 1990er-Jahre. Akribisch und präzise muss sie der Stasi Bericht erstattet haben, „schrieb […] Seite über Seite voll mit Geschichten aus dem Leben auch von guten Freunden. Bettina Wegener war auch dabei. Präzise und in einem Ton, den niemand bei der hilfsbereiten Frau vermutet hätte. ‚IM Marion‘ sieht sich eigentlich als Schriftstellerin, doch die Poesie sucht man in den Spitzelberichten vergeblich.“
Bereits seit ziemlich genau 30 Jahren ist also bekannt, dass sie ihre Landsleute verriet. Verbunden war die damalige Aufdeckung ihrer Stasitätigkeit mit einem Vorfall beim „Kulturverein Prenzlauer Berg“: Die Mitarbeiterin Barbara Fuchs machte die Vergangenheit Wiens’, die ebenfalls beim Kulturverein tätig war, zum Thema und trug sie in die Öffentlichkeit – der Kulturverein reagierte darauf mit der Entlassung der Anklägerin, da sie „auf unzulässige Weise moralische, politische und arbeitsspezifische Probleme miteinander vermischt“ habe, und stellte sich hinter die ehemalige IM. Ein äußerst merkwürdiger Fall, undurchsichtig und nebelbedeckt, zumindest aus heutiger Perspektive und aus Sicht eines Gen-Z-Nachwendekindes wie mir; auf der anderen Seite darf die Intensität der roten Fäule, die sich auf dem Gebiet der DDR auch nach ihrem Untergang noch festgesetzt hatte, nicht unterschätzt werden.
Nun kocht der Fall Maja Wiens wieder hoch, dank der Berichterstattung von „Tichys Einblick“ und eines Berichts über die persönlichen Erfahrungen mit Wiens durch die Publizistin Vera Lengsfeld. Nach ihrer Tätigkeit als Stasispitzel sei sie laut eigener Angabe „mit wehenden Fahnen zur Opposition übergewechselt“, gleichzeitig konnte sie im parteinahen Verlag „Neues Leben“ veröffentlichen – wie das zusammengeht, mag ein jeder selbst beurteilen. Nach der Wende engagierte sie sich in jenem Prenzlauer Verein, in welchem sie mit Barbara Fuchs aneinandergeriet.
Und heute? Nun, heute, da geht der Kampf wider den Faschismus ebenso weiter wie damals. Nur eben nicht als „Schild und Schwert der Partei“, sondern als Pappschildhalter und Schreihals der bunten Zivilgesellschaft. Dass auch hier der Staat hinter einem steht, stört Frau Wiens heute wie damals nicht; die „Omas gegen rechts“ wurden Stand 2025 vom Staat mit mehreren Tausend Euro unterstützt, hauptsächlich aus dem Geldtopf des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.
Verwundern sollte die Biografie der Maja Wiens nicht: Einen ähnlichen Lebenslauf kennt man ja bereits von Anetta Kahane, bis 2022 Vorsitzende der linksradikalen Amadeu-Antonio-Stiftung, die zu Ostzeiten als „IM Victoria“ ebenfalls im Namen des Antifaschismus mehrere Leben ruinierte. Vielmehr zeigt einem der Lebenswandel dieser Frau einmal mehr die Verlogenheit der Antifaschisten in ihrer vollen Pracht auf. Einschüchtern lässt sich Maja Wiens im Übrigen nicht. Auf ihrem Twitter-Account verkündet sie:
„Diese Kampagne gegen mich jetzt dient der Delegitimierung von Antifaschismus [Anmerkung meinerseits: Zu Recht!], der Deligitimierung des Kampfes gegen Antisemitismus und der Verächtlichmachung von NGOs. Ich bin nur eine von vielen, ganz vielen. WIR sind nicht tot zu kriegen.“
Nun, dass man angesichts der staatlichen Förderung von sogenannten Nichtregierungsorganisationen allen guten Grund hat, NGOs verächtlich zu machen, scheint ihr ebenso wenig aufzufallen wie die Tatsache, dass sie einmal mehr im Namen und Dienste des Staates Konservative und Rechte denunziert, nur eben mit anderen Methoden und anderer, sagen wir, Ästhetik. Aber warum sollte es ihr auch auffallen? Ihre Pappschilder erfreuen ihr reines Gewissen, das Geld der Steuerzahler ihre Taschen (zumindest zum Teil). Und wir sind belustigt im Angesicht des Niedergangs.

War es Helmut Kohl der von der „Gnade der späten Geburt“ gesprochen hat? Ich bin Jahrgang 1964 und in der DDR geboren. Und ich habe die ganze Indoktrinierung im Kindergarten, Schule , gesellschaftliches Umfeld, Medien etc. mitbekommen. Dadurch kann ich mir durchaus vorstellen, wie man in durchaus gutem Glauben, etwas Gutes zu tun, der Stasi Informationen geliefert hat. Es könnte theoretisch auch sein, dass sich der Kontakt der Stasi sich gar nicht als solcher zu erkennen gegeben hat (wohl nicht in dem oben geschilderten Fall, da schriftliche Informationen) und man nur „einem guten Bekannten/Freund“ im Gespräch Informationen gegeben hat. Es war überraschend, als man nach der Wende mitbekam, wer alles bei der Stasi war.
So viel zur Entschuldigung.
Aber gerade durch die Wende (die vielleicht freieste Zeit der Informationsbeschaffung) hatte man die Möglichkeit die bisherige Geschichte, seine Einstellung und Handlungen zu verarbeiten und zu überdenken. Gerade dadurch, dass man das Erleben zweier Gesellschaften, die Informationen darüber und das Verhalten der Menschen, Medien etc. in diesen hat, sollte man als in der DDR sozialisierter Mensch, der die Wende erlebt hat, besonders sensibel auf die Propaganda und Handlungen des Staates reagieren und hinterfragen. Daher ist es eigentlich umso unwahrscheinlicher (es sei denn man ist ein total verborter Ostalgiker) dieses Treiben mancher Medien und NGOs etc. zu unterstützen, wie auch die Wahlergebnisse in den östl. Bundesländer zeigen.