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Erik Ahrens und Correctiv – Der letzte Akt

15. September 2025
in 4 min lesen

Von Jonas Mertens

Das „Geheimtreffen von Potsdam“ ist fast zwei Jahre her. So explosiv der politische und mediale Einschlag der Correctiv-Berichterstattung damals war, nach einigen Monaten verpuffte die tatsächliche Wirkung dann doch. Zwar gelang es dem spenden- und steuergeldfinanzierten Correctiv-Komplex, die Umfragewerte der AfD kurzzeitig auf bis zu 15 Prozent zu drücken und Zigtausende Menschen zu „Demos gegen rechts“ auf die Straße zu bringen, doch die größte Oppositionspartei erholte sich schnell wieder auf die Vor-Potsdam-Werte, und auch die Demonstranten wurden müde, regelmäßig ihr Bekenntnis gegen rechts abzuliefern.

Die Teilnehmer der „Geheimkonferenz“, allen voran Staatsrechtler Ulrich Vosgerau, gingen schnell gegen die juristisch fragwürdigen Aussagen von Correctiv vor und errangen vor Gericht mehrere Teilsiege. Unter anderem musste Correctiv es unterlassen, von Deportationen deutscher Staatsbürger mit Migrationshintergrund zu sprechen. Doch das spätere Einschwenken in der Correctiv-Berichterstattung änderte wenig am zeitweisen PR-Erfolg der linken NGO.

Im vergangenen Jahr recherchierte Correctiv weiter nach Skandalen, die aber allesamt hinter der Publicity des „Remigrationstreffens“ zurückblieben. Es ging unter anderem um häusliche Gewalt, chinesische Spionage und weitere Versuche, gezielt der AfD zu schaden. Dass der Höhepunkt der Erregbarkeit mit dem „Geheimtreffen“ überschritten war und sich Otto Normalverbraucher in Zeiten wirtschaftlichen Abschwungs und wachsender Überfremdung kaum mehr vom Kreuz hinter der AfD abhalten lässt, mag auch Correctiv aufgefallen sein. So versucht man umso verzweifelter, die letzten ausebbenden Wellen des Geheimtreffens zu reiten, zuletzt sogar mit einem eigenen Theaterstück mit dem Titel „Geheimplan gegen Deutschland“ in Kooperation mit dem Schauspielhaus Köln.

Jetzt kam es sogar zu einem neuen Akt – der aber wohl eher als trauriger Schlussakt bezeichnet werden muss. Correctiv versucht, die Geheimplan-Geschichte aufzuwärmen und erneut für Schlagzeilen zu sorgen. Dass man ein abgehalftertes Rennpferd noch mal zu Höchstleistungen anspornen will, um etwas Profit daraus zu ziehen, ist wenig verwunderlich. Verwunderlich ist allerdings, wie man das macht. Mit Erik Ahrens.

Erik wer? Erik Ahrens kann nicht ohne Grund als eine der schillerndsten Figuren der Rechten bezeichnet werden. Eingefleischten Patrioten aus der Twitter-Szene ist Ahrens ein Begriff, der als „Erika Ohrens“ längst Meme-Status erreicht hat. Der breiteren Öffentlichkeit wurde er als Social-Media-Manager von Maximilian Krah bekannt. Zuvor hatte er einen kometenhaften Aufstieg innerhalb des rechten Lagers hingelegt. Vom sozialistischen Kandidaten einer Studentenparlamentswahl in Frankfurt hatte er sich sukzessive von linken Ideen entfremdet und war mit dem rechten Onlinemagazin „Konflikt“ bekannt geworden. Anschließend schaffte er es in kürzester Zeit zum Vortragsredner und rechten Buchautor (Verlag Antaios) mit Starpotenzial. Doch Ahrens verkrachte er sich schließlich mit seinem Arbeitgeber Krah, der ebenfalls nicht gerade für seine Seriosität bekannt ist und der aktuell seine parlamentarische Immunität wegen angeblicher Bestechlichkeit verloren hat. Dabei blieb es nicht. Ahrens entzweite sich auch mit seinem Verleger Kubitschek und weiten Teilen der Neuen Rechten, die lange Zeit eine große Faszination für ihn hegten. Ahrens stellte die Generationenfrage mit Nachdruck (Jugend gegen Boomer), sympathisierte mit grünen Talking points und distanzierte sich von den „traditionalistischen“ Rechten, die einen „Frauen an den Herd“-Ansatz verfolgten. Auch seine Haltung zum Ukrainekonflikt war stark westlich geprägt, was Konfliktlinien im rechten Lager aufriss, die noch heute bestehen: Westextremer oder Russenstusser? Der intelligente Ahrens schoss in den letzten Monaten immer weiter über das Ziel hinaus, äußerte sich zu Rassentheorien und wollte unter anderem der nächste deutsche Führer werden.  

Der Unfrieden, den der griechischstämmige Ahrens bei den jungen Patrioten gestiftet hat, ist nachträglich kaum zu bemessen. Glücklicherweise blieb es bei einigen unterhaltsamen Stürmen im Wasserglas, die außerhalb der „Bubble“ kaum Schaden verursachten. Ahrens setzte sich ins Ausland ab, goss aber weiter Öl ins Feuer. Immer wieder entdeckte er dubiose neue Geschäftsideen, um sich irgendwie über Wasser zu halten. Zuletzt versuchte er es als (angeblicher) OnlyFans-Manager – dabei hatte er sich jahrelang gegen Pornografie geäußert. Doch auch in seinem neuen Berufszweig wurde das Eis schnell dünner. Ein Ausstieg musste her. Seit einiger Zeit erzählt Ahrens auf seinem YouTube-Kanal, dass er sich längst von rechten Ideen entfernt habe, sein Ausstiegsbuch nennt er „Mein Kampf“. Dabei ist sein Auftreten so glaubwürdig (aber auch so unterhaltsam) wie die Behauptung, Maximilian Krah habe Schläger auf ihn gehetzt oder Götz Kubitschek sei von einem orthodoxen Priester abhängig. Es ist offensichtlich, dass Ahrens sich derartig fehlmanövriert hat und am Ende ohne Verbündete dasteht, dass jetzt der „Ausstieg“ aus der rechten Szene folgen muss. Und da kommt Correctiv ins Spiel.

Mit dem „Kronzeugen“ Erik Ahrens, der 2023 auch Teilnehmer der „Geheimkonferenz“ war, versucht Correctiv nun, das lädierte Märchen der Deportation deutscher Staatsbürger wieder aufzurichten:

„Erstmals bestätigt ein Teilnehmer des Potsdamer Treffens vor dem Notar: Die Zusammenkunft war geheim – und dort wurde ein ‚Masterplan‘ besprochen, in dessen Verlauf die Remigration auch für ‚nicht-assimlierte [sic!] Staatsbürger‘ vorgeschlagen wurde. Für den Teilnehmer war dies ein Tarnbegriff für Vertreibung und sogar ‚ethnische Säuberung‘.“

Und weiter unterstützt der „Tagesspiegel“:

„Sieben Teilnehmer des Potsdamer Treffens gingen ihrerseits mit Eidesstattlichen Versicherungen gegen Behauptungen des Artikels vor. Deren Inhalte widersprechen den Aussagen, die nun Erik Ahrens eidesstattlich versichert hat, massiv. Mindestens eine Seite sagt also die Unwahrheit.“

Welche Seite das wohl sein mag, ist jedem klar, der Erik Ahrens schon länger verfolgt. Auf der einen Seite honorige Politiker und Unternehmer, die mit beiden Beinen im bürgerlichen Leben stehen, und Martin Sellner, der in seinem Buch „Remigration“ ein differenziertes und rechtsstaatliches Remigrationskonzept entworfen hat. Auf der anderen Seite Erik Ahrens, der gescheiterte Felix Krull, der zuletzt noch davon sprach, dass die Welt in arische Vril-Energie und ihren dunklen jüdischen Gegenpart geteilt sei. Das einzig Verwunderliche an der Geschichte sind nicht Ahrens’ Behauptungen, sondern dass Correctiv gewillt ist, Ahrens als glaubhaften Zeugen anzuführen. Dass es das allerdings nicht aus vollster Überzeugung macht, zeigt ein anderer Sachverhalt. Die eidesstattliche Erklärung von Ahrens wurde vor einem Notar abgegeben – nicht vor einem Gericht. Damit hat Ahrens’ Aussage keinen Beweiswert, und auch eine Lüge seinerseits führt zu keinen rechtlichen Konsequenzen.

Dass das aufgewärmte Correctiv-Essen selbst den Mainstreammedien nicht mehr schmeckt, zeigen die Reaktionen. Kein Shitstorm und nur vereinzelt Artikel zu der neuen „Enthüllung“. Die „Welt“ spricht unter anderem von einem „Eigentor“ und davon, dass Correctiv wieder hinter den selbstgesteckten Erwartungen zurückbleibe. Selbst die „Freundmedien“ haben die juristischen Debatten nach der ersten Geheimtreffen-Veröffentlichung noch in guter Erinnerung und greifen den neuen Skandal nicht so freudig auf wie beim letzten Mal.

Wie kann man all das final bewerten? Ein Twitter-Nutzer äußerte sich vor einigen Monaten zu Ahrens’ neuestem Wandel: Wenn es jemanden wie Ahrens nicht gäbe, der Verfassungsschutz hätte ihn erfinden müssen. Ob da etwas dran ist? Wir werden es nicht erfahren. Wahrscheinlicher ist ohnehin, dass ein Narzisst es schaffte, bis nach oben – und wieder nach unten zu kommen. Das haben nämlich Correctiv und Erik Ahrens gemeinsam: Ihre Sterne rauschen in den Keller. Der eine, weil er unglaubwürdig ist, und der andere, weil er unglaubwürdig ist.

7 Comments Schreibe einen Kommentar

  1. Mir unbegreiflich wie naiv die Rechten sind. Sowohl Krah als auch Ahrens waren mir schon immer als dubiose Gestalten erschienen. Von denen hätte ich damals selbst keinen Gebrauchtwagen gekauft.

    • In der Verzweiflung, welche die aktuelle politische Lage in vielen Menschen im rechten Lager auslöst, klammert man sich leider nur zu gerne an die erstbeste Person, welche scheinbar tiefgreifende Änderung verspricht.
      Kein sonderlich rationales Agieren, aber durchaus nachvollziehbar.

  2. Der Vergleich mit Felix Krull ist durchaus amüsant und erschreckend zutreffend.
    Ein junger, intelligenter Mann mit allerlei Fähigkeit zur Hochstapelei, der am Ende alles verliert…

    Erik, ich hab dich nie als „Führer“ angesehen und auch nicht zu dir aufgeblickt, aber in den vielen Gesprächen mit dir hast du immer gezeigt, dass da mehr in dir steckt.

    Geh deinen Weg, mach eine vernünftige Ausbildung und du wirst im normalen Leben nicht scheitern.

    • Auf keinen Fall.

      Ich kann und will es mir nicht vorstellen.

      Erik ist einfach ein tragischer Fall: Er hat zu hoch gepokert, ist dadurch pleite gegangen und versucht jetzt verzweifelt, seinen Namen reinzuwaschen.
      Schon viele wurden als „Maulwurf“ bezichtigt – und schon oft waren die Behauptungen haltlos.

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