Es wurde mal wieder gewรคhlt in den deutschen Landen: Am 14. September wurden die wahlberechtigten Bรผrger in Nordrhein-Westfalen dazu aufgerufen, ihre Stimme in den Kommunalwahlen abzugeben. An sich ist das ja kein so spannender Prozess, dennoch bieten solche Wahlen eine Art Stimmungsbarometer in dem Land, wo sie stattfinden. Und Nordrhein-Westfalen (NRW) ist ja in vieler Hinsicht besonders in der Bundesrepublik: Einst der industrielle Kern nicht nur der BRD, sondern auch ihrer Vorgรคngerstaaten, ist NRW heute ein Sinnbild fรผr Scheitern und Niedergang eines Staates, eines Volkes und linksliberaler Postweltkriegsideen.
Das Land zwischen Rhein, Ems und Weser hat mit Abstand die meisten Einwohner unter den Bundeslรคndern (circa 18 Millionen), wovon etwa ein Drittel bereits Migrationshintergrund hat, in den ehemals stark industrialisierten Gebieten wurde vielfach der Strukturwandel verpasst oder vergessen, wodurch die einst wirtschaftlich starken Stรคdte im โRuhrpottโ immer mehr verkommen, und schlieรlich gibt es wie so hรคufig eine starke Kohorte an alten Leuten, die sowohl die Zahlen in der Migrationsstatistik verschleiern (der Anteil an Migranten ist nรคmlich in den jรผngeren Jahrgรคngen viel hรถher als ein Drittel) als auch die politische und demografische Realitรคt unbewusst und bewusst nicht wahrhaben wollen. Im Grunde genommen heiรt das: NRW ist ein schwieriges Pflaster fรผr die AfD, die Wahlerfolge sahen dรผrftig aus; bei der letzten Landtagswahl vor drei Jahren etwa schaffte es die Partei gerade mal รผber die Fรผnf-Prozent-Hรผrde.
Umso mehr hat sich das gewandelt: Schon bei der Bundestagswahl dieses Jahr im Februar konnte die AfD 16,4 Prozent holen, und dieses Ergebnis wurde am Sonntag in etwa verteidigt: 14,5 Prozent, das ist im Vergleich zur letzten Kommunalwahl eine Verdreifachung. โImmerhinโ, mag der Optimist meinen; โda geht noch mehrโ, sagt sich der Kritiker. Mit diesem Ergebnis bildet die AfD die drittstรคrkste Kraft hinter der CDU, die ihre Zahl von 33,3 Prozent als Wahlerfolg verkauft, und der SPD (22,1 Prozent). Knapp hinter der AfD erreichten die Grรผnen den vierten Platz mit 13,5 Prozent, schlieรlich folgte Die Linke mit 5,6 Prozent. Es haben dabei alle Parteien auรer der AfD, die ein zweistelliges Ergebnis erzielen konnten, Wรคhler verloren: Die CDU und die SPD ein beziehungsweise zwei Prozentpunkte, die Grรผnen etwas mehr als sechs Prozentpunkte. Damit erreichten die beiden ehemaligen Volksparteien der alten Bundesrepublik ihre historisch niedrigsten Ergebnisse in einer Kommunalwahl in NRW โ wie sie es in den letzten Jahren ja hรคufig tun bei einer Wahl, ihr Fall sei ihnen gegรถnnt.
Es ist mittlerweile kaum mehr als eine blasse Erinnerung, dass beispielsweise die SPD in diesem Land mal Zahlen jenseits der 40 Prozent erzielen konnte โ mรถge die Erinnerung ruhig weiter verblassen! Auch ein Symptom fรผr das Wegbrechen der Volksparteien: die niedrige Wahlbeteiligung; bei dieser Wahl betrug sie 56,8 Prozent โ was allerdings im Vergleich zur Landtagswahl 2022 und zur vorherigen Kommunalwahl 2020 eine Verbesserung ist.
Und wie lรคsst es sich erklรคren, dass die Grรผnen so stark einbrachen, wรคhrend die SPD und die CDU trotz geringer Verluste einigermaรen stabil waren und die AfD sich verdreifachte? Einfachste Erklรคrung dafรผr dรผrfte sein: Enttรคuschte Grรผnen-Wรคhler gingen zu den greisen Volksparteien, enttรคuschte CDUler und SPDler hingegen zur AfD. Am deutlichsten erkennen lรคsst sich das im Ruhrpott: Die einstige SPD-Hochburg verzeichnet hier unter anderem die besten AfD-Wahlergebnisse in NRW. Bei den Stadtratswahlen erreichte die AfD in Dortmund 16 Prozent, in Oberhausen und in Bottrop etwa 21 Prozent und in Gelsenkirchen sogar fast 30 Prozent und damit den zweiten Platz hinter der SPD. Und auch in anderen Groรstรคdten Nordrhein-Westfalens konnte die AfD einen soliden zweistelligen dritten Platz erringen, der in etwa dem Landesdurchschnitt entspricht, darunter in Solingen, Wuppertal und Mรถnchengladbach. Anders dagegen in Kรถln, Bonn und Mรผnster; dort erreichte die Partei nur ein einstelliges Ergebnis, in Mรผnster sind es nicht mal fรผnf Prozent.
Wรคhrend in Kรถln, Bonn und Mรผnster die Mischung aus linken Studenten, brรคsigem und รผberaltertem Bรผrgertum und/oder einer โstarken Zivilgesellschaftโ den Erfolg der AfD erfolgreich verhindern und die teilweise desolaten Zustรคnde in den Stรคdten kitten konnte (wobei Mรผnster dabei wohl rausfallen dรผrfte), gibt es diese lรคhmende Mischung im Ruhrpott so nicht mehr โ zumindest nicht in der Stรคrke. Der Ruhrpott, und dort insbesondere Stรคdte wie Gelsenkirchen und Duisburg, ist derart verfallen, dass keine Propaganda, keine โZivilgesellschaftโ das mehr auffangen kann. Man mag meinen, die knapp 30 Prozent in Gelsenkirchen stammten von den letzten Deutschen, die dort leben, doch das trรผgt natรผrlich: Einerseits gibt es genug Auslรคnder, die die โSchnauze vollโ haben, allen voran Nachfahren ehemaliger Gastarbeiter, auf der anderen Seite haben wir natรผrlich genug Deutsche, die den Schuss nicht gehรถrt haben โ oder die einfach Opfer der Propaganda geworden sind.
Ein weiteres Schmankerl: In NRW gibt es in einigen Gemeinden einen sogenannten โIntegrationsratโ, der nur von Menschen mit Migrationshintergrund gewรคhlt werden darf; in Gummersbach und in Paderborn wurde dabei die AfD stรคrkste Kraft. NRW ist schon ein merkwรผrdiges Land, voller Mystik postmoderner Lebenslรผgen. Hoffen wir aufs Beste, es wรคre doch schade um Niederrhein, Sauerland und Siebengebirge…

die AfD muss den Bรผrger regelmรครig gut informieren ; Flugblattkampagnen abbilden und mehr Infomaterial unters Volk bringen
Mir graut es vor den nรคchsten Landtagswahlen im Osten.