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Bayerns Schulen – Mehr Migranten, weniger Leistung

13. November 2025
in 3 min lesen

Eine Anfrage im Bayerischen Landtag enthüllt den Migrationsanteil an bayerischen Schulen. Die Antwort lässt an der – gerne von Ministerpräsident Söder betonten – bayerischen Idylle zweifeln und zeigt, warum keine Besserung in Sicht ist. Mit seiner Anfrage „Fremd im eigenen Land – Bayerische Schüler in der Minderheit“ wollte der bayerische AfD-Landtagsabgeordnete Markus Walbrunn von der Landesregierung wissen, wie hoch der Migrationsanteil an bayerischen Schulen ist. An fast 20 Prozent der insgesamt 4.569 „allgemeinbildenden“ Schulen waren im Schuljahr 2024/2025 Schüler mit Migrationshintergrund in der Überzahl; sprich über 50 Prozent der Schüler hatten einen Migrationshintergrund. Bezogen auf die einzelnen Schulklassen lag der Anteil mit über 22 Prozent sogar noch höher.

In 13.290 bayerischen Schulklassen sind Schüler ohne Migrationshintergrund eine Minderheit. Hinzu kommen 1.181 Klassen, in denen Schüler mit Migrationshintergrund genau die Hälfte ausmachen. Auf zwei Schulen in Bayern befindet sich kein einziges Kind, welches Deutsch als Muttersprache spricht. An 807 Schulen sind Deutsch-Muttersprachler in der Unterzahl. Insgesamt 1.110 Schulklassen bestehen ausschließlich aus Kindern, die Deutsch nicht als Muttersprache sprechen.

Dass sich dies konkret auf die schulischen Leistungen auswirkt, bestätigt der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger. So nehme die schulische Leistung ab einem Anteil von 35 Prozent von Kindern mit Migrationshintergrund in einer Klasse „überproportional ab“. In Bayern dürften somit weit über 20.000 Schulklassen betroffen sein.

Noch im Sommer hatte Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) das Modell einer Obergrenze für Kinder mit Migrationshintergrund an den Schulen ins Spiel gebracht. Geändert hat sich seitdem nichts. Ein Grund dafür dürfte auch sein, dass der Bund in Fragen der Bildung gar nicht die Kompetenz für einheitliche Vorgaben besitzt. Bildung ist nämlich Ländersache.

Doch selbst der eigene Fraktionspartner scheint der Bildungsministerin nicht nachzueifern. Explizit auf die Möglichkeit einer Migrationsobergrenze angesprochen, antwortet man seitens der CSU-Regierung ausweichend. Es wird auf die Heterogenität der Migrationshintergründe verwiesen, und es folgt die alte relativierende Leier:

„Aufgrund großer Unterschiede hinsichtlich der Sprachkompetenz (viele Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund sprechen fließend Deutsch) und der Fachkompetenzen ist eine Einteilung von Kindern mit oder ohne Migrationshintergrund im Hinblick auf zu ergreifende Maßnahmen nicht zielführend.“

Damit widerspricht die bayerische Bildungsministerin nicht nur dem Präsidenten des Deutschen Lehrerverbandes. Auch die aktuelle PISA-Studie trifft ein anderes Fazit:

„In Deutschland ist der Unterschied […] zwischen Jugendlichen ohne Zuwanderungshintergrund (501 Punkte) und Jugendlichen mit Zuwanderungshintergrund (448 Punkte) groß. Vor allem Zugewanderte der ersten Generation weisen im Durchschnitt eine deutlich niedrigere […] Kompetenz (399 Punkte) auf.“

Statt also auf das tatsächliche Problem der erschwerten Bildung durch den Anstieg von Schülern mit Migrationshintergrund einzugehen, beweihräuchert sich die bayerische Bildungsministerin im weiteren Verlauf der Antwort selbst. Es ist die Rede von „intensiver Förderung“, „Integrationsarbeit sowie die Werte- und Allgemeinbildung“. Doch auch hier widerspricht die Realität den Ausführungen der bayerischen Regierung. Laut Bildungsmonitor 2025 belegt Bayern im Bereich Integration mit lediglich acht Punkten einen der unteren Plätze. Zum Vergleich: Der deutsche Durchschnitt liegt bei 16,3 Punkten, und Tabellenerster Brandenburg kommt sogar auf 52 Punkte.

Besonders schmerzhaft sind diese Ergebnisse, wenn man sich vor Augen führt, dass Bayern seine Bildungsausgaben im Vergleich zu 2016 um 60 Prozent erhöht hat. Statt jährlich 19 Millionen Euro kostet die Ausbildung den Steuerzahler inzwischen 30 Millionen Euro. Doch wie kann es sein, dass die Bildungsausgaben steigen, während die Bildungsergebnisse immer schlechter werden?

Auch darauf gibt die Anfrage Antwort. Die Landesregierung spricht zwar öfter von der Förderung des Deutschunterrichts, aber abseits davon findet Fachunterricht in den PISA-Kategorien, wie sie auch für den Arbeitsmarkt essenziell sind, keine Erwähnung. Stattdessen geht es bei der Förderung um „Kulturelle Bildung und Werteerziehung“, „Projekte zur Gewaltprävention“, „interreligiöses Lernen“, „Toleranz und ein demokratisches Miteinander“. Es scheint fast, als seien die Schulen viel zu sehr damit beschäftigt, den Schülern beizubringen, wie unsere Gesellschaft funktioniert, sodass der Fachunterricht hintenanstehen muss.

Das dürfte sich auch in Zukunft nicht ändern. Zwar geht die Geburtenrate in Deutschland seit Jahren zurück und liegt inzwischen nur noch bei 1,35 Kindern pro Frau. Dennoch rechnet man in Bayern bis ins Jahr 2034 mit einem deutlichen Anstieg der Schülerzahlen. Nach der Prognose der Kultusministerkonferenz soll die Zahl der Schüler in Bayern bis 2034 um 130.000 Schüler anwachsen – auf 1,18 Millionen. Der Haupttreiber: Die „hohe Zuwanderung der vergangenen Jahre“.

Wandelt die Politik weiter auf dem Pfad, den auch das ach so konservative Bayern geht, wird sich diese Entwicklung weiter verstärken. Das bedeutet ein weiter sinkendes Bildungsniveau bei gleichzeitig steigenden Bildungsausgaben. Was bleibt, ist eine immer heterogenere Schülerschaft, bei der die Regeln des Zusammenlebens täglich neu ausgehandelt werden müssen. Zeit für Mathe oder Biologie bleibt da weniger.

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